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Automobilbau: Das Sterben der Industrie ist längst im vollen Gange

Automobilbau: Das Sterben der Industrie ist längst im vollen Gange | emobicon

Sie haben die grossen Veränderungen nicht erkennen wollen und haben sich in Sicherheit geglaubt. Die Autobauer. Jetzt, eher schon zu spät und nach jahrelangen Ankündigungen wird versucht den Status Quo zu erhalten und weiter manipulativ und widersprüchlich an der veränderten Mobilität zu arbeiten. Was wird passieren?

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Eher unverändert in der Wahrnehmung ist längst ein Überlebenskampf der Autobauer im vollen Gange. Nicht nur die Politik ist durch die Klimakatastrophe aufgeschreckt und sucht händeringend nach Auswegen, um die Erderwärmung zu stoppen. Auch die Automobilindustrie muss sich komplett umstellen. Schneller als gedacht sind neue Antriebskonzepte nötig. Weg von den immer neuen SUVs die sich in Grösse und Gewicht überbieten. Elektromobilität ist dabei ein Baustein der Zukunft. Aber ist es nicht schon zu spät? Die Zeiten sind heiss und unerbittlich.

Dynamik der Elektromobilität völlig unterschätzt

Für Experten steht derweilen fest, dass von acht westlichen Herstellern nicht mehr als sechs übrig bleiben werden. Einigster Ausweg ist, dass die Hersteller jetzt schnell und in grossen Stückzahlen Elektrofahrzeuge liefern müssen. Das ist aber kaum in Sicht. Zum einen liegt es am mangelndem Know How, zum anderen an der ausreichenden Lieferung von Akkuzellen oder Batteriemodulen. Zudem verdienen die Hersteller noch genug an der Verbrennungsfahrzeugen und die schärferen CO2 Ziele der EU sind noch nicht aktiv. 

Klar erkennbar ist unter dessen, das jeder Hersteller die Dynamik der Elektromobilität völlig unterschätzt hat. Richtig Fahrt nahm die Thematik erst nach dem Abgasskandal im Herbst 2015 auf. Bis dahin wurde zum Beispiel TESLA  als Pionier in der eMobilität eher ignoriert – eher belächelt. Jetzt steht man um so mehr unter Druck, denn auch der Schutz der Regierungen schwindet – ein „Weiter so“ gibt es nicht mehr.

Derzeit sortiert sich jeder Hersteller und sondiert mögliche Kooperationen mit anderen Herstellern. Meistens im Thema Fahrzeugbau oder in der Elektromobilität. Viel zu spät, denn nicht umsonst können die meisten Hersteller nur mit Ankündigungen punkten. Marktreife wird erst in vielen Fällen in 2020 geben.

Veränderungen kommen schneller als gedacht

So wollte Nissan und Renault die Kooperation ausbauen, FIAT will Verschmutzungszertifikate von Tesla kaufen und der italienisch-amerikanische Autobauer hat in den vergangenen Jahren wiederholt an die Türen potenzieller Partner geklopft, zuletzt beim französischen Rivalen Renault. Während dessen kooperieren Daimler und BMW beim autonomen Fahren und Volkswagen bietet seine elektromobile Plattform auch anderen Herstellern an. Ausserdem wird eine Kooperation mit Ford ganz offensichtlich.

Dazu kommen weitere Änderungen und auch Steuerungen – zum Beispiel mit einer CO2 Steuer, die die Mobilität weiter beschleunigen wird. Bislang war es immer so: Wenn es den Leuten ans Geld geht wird gehandelt – eher meistens nicht. 

Welche Unternehmen übrig bleiben, ob es zu Zerschlagungen kommen wird. Ob Kooperationen helfen werden und wie sich die veränderte Mobilität auswirken wird ist derzeit noch ziemlich offen. fest steht, so VW Chef Diess, dass Volkswagen mit dem Abbau von rund 10 Prozent aller Arbeitsplätze rechnet.  

Deutsche Hersteller enttäuschen

Die Entwicklung und der Bau von Elektrofahrzeugen ist was völlig anders als bei Verbrennungsfahrzeugen. Experten der Branche glauben kaum das die meisten Hersteller es sich leisten können eigene Elektroplattformen zu erstellen. Sie brauchen dazu unbedingt Partner. So haben PSA zusammen mit Opel die neue Plattform entwickelt, die sich natürlich besser nutzen lässt – damit auch aus Kostensicht ein gewinn darstellt. Während Opel mit dem e-Corsa auf den Markt kommen wird, wird Peugeot mit dem e-208 auf den Markt kommen. 

Und die deutschen Premiumhersteller?

Daimler machte zuletzt mit Gewinnwarnungen von sich reden und ist eher, so unsere Einschätzung, noch in der Testphase wenn es um die eMobilität geht. Der EQC, der frisch den Markt erobert ist aber kaum der Rede wert. Sehr schade, das man hier sehr am Markt vorbei agiert hat und nicht das liefert, was der Markt wünscht. Der Transporterbereich von eVito, eSprinter und Co wird erst im nächsten Jahr Thema sein. Der eVito konnte bislang kaum überzeugen.

BMW trifft die Änderungen von allem wohl am Härtesten. Der i3 – einst elektromobiles Flaggschiff verblast immer mehr und Nachschub mit neuen Modellen lässt auf sich warten.

AUDI – im Sumpf des Abgasskandals hatte zuletzt mit dem „e-tron“ versucht zu überzeugen. Es gelingt Ihnen nur mässig. Das Fahrzeug, von emobicon getestet, ist völlig überzeichnet. Zu teuer für das was er kann, zu hoher Verbrauch. Für uns eine Enttäuschung.

Zukunft vieler Hersteller scheint ungewiss

Die Entwicklung neuer Fahrzeuge kostet viel Geld, die einer neuen Fahrzeugplattform kostet noch mehr. Das Know How der eMobilität ist sehr teuer, auch weil man es kaum in den eigenen Reihen findet. Die Frage also: Was lohnt sich für die Hersteller? Akkuzellen bzw. Batteriemodule kommen aktuell überwiegend aus Asien.

e.Go Mobile aus Aachen wird künftig auch mit Volkswagen zusammenarbeiten, und der Streetscooter der Post tut sich aktuell am Markt ziemlich schwer. Die Zukunft scheint hier ungewiss zu sein. Offensichtlich sucht man hier einen Käufer.

Ob der kalifornische Pionier Tesla in diesem Umfeld überleben kann, ist aktuell offensichtlich ungewiss. Da kommt die Nachricht wohl zur rechten Zeit. Möglicherweise könnte Tesla Übernahmekandidat sein. So soll u.a. Volkswagen Interesse zeigen, was zunächst wieder dementiert wurde. 

Für Tesla geht es zwar auch um den Bau von Elektrofahrzeugen – aber der Aufbau von Dienstleistungsstrukturen wird scheinbar immer wichtiger. Die Frage ist also: Wem gelingt es, die Veränderungen in der Mobilität am Besten zu meistern? Es wird eine spannende Zeit: Für die Hersteller, das Klima, die Nutzer und die Zukunft.

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