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Mobilität: Das Auto von morgen kommt aus China

Für die deutschen Hersteller ist der chinesische Markt nicht nur der grösste, sondern auch der wichtigste. In China wird nicht nur verkauft, sondern auch entwickelt. Auch deshalb sind die Autobauer hier so aktiv. Klar ist: Die Technologie der Zukunft kommt aus China.

von Thorsten Bär | emobicon - Cover Bild: emobicon

Nicht erst seit gestern setzen die deutschen Autobauer bei Forschung und Entwicklung immer stärker auf China. «Wir bauen stetig unsere Aktivitäten aus», sagte der angehende Daimler-Konzernchef Ola Källenius auf der Automesse in Shanghai. Ähnlich sieht es VW-Chef Herbert Diess, der China als Maßstab für alle anderen bezeichnete. Und nicht nur als grössten Absatzmarkt.

Das Know How liegt in China

Bereits rund die Hälfte der rund 20.000 Entwicklungsexperten von Volkswagen sei mit der Erforschung von Technologien, Produkten und Autodesigns für China befasst. Nur ein Teil dessen wird den Weg nach Europa finden. Funktionen für das automatisierte Fahren, Vernetzung oder die Sensorik könnten vermehrt direkt aus China entwickelt werden, denn hier ist der Markt und hier hat man sowohl das Know How, als auch die Käufer der Zukunft.

China entwickelt sich zum Technologieführer

Auch zahlreiche Analysten sehen die Volksrepublik als künftiges Zentrum der Industrie. «Das Auto von morgen kommt aus China», sagte der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer der Nachrichtenagentur dpa.

Nicht nur sei der Markt so groß, dass kein Hersteller mehr an ihm vorbeikomme. Das Land entwickle sich auch zunehmend zum Technologieführer. Nicht nur beim Fahrzeugbau, sondern insbesondere bei den zahlreichen Technologien und in der Vernetzung der Mobilität. Einen grossen Vorsprung hätten sich die Chinesen bei Elektroautos erarbeitet. Auch Dank staatlicher Subventionen, Einschränkungen für Benziner auf den Straßen und Produktionsquoten könnten laut Dudenhöffer in diesem Jahr bereits mehr als zwei Millionen Autos mit E-Antrieb in China verkauft werden. 2020 sollen es bereits drei Millionen Elektrofahrzeuge werden.

Focus liegt in der Elektromobilität

Symptomatisch für die wachsende Bedeutung Chinas für Autos ist, dass sowohl BMW als auch Daimler die elektrisiert fahrenden nächsten Generationen ihrer Kleinwagenserien Mini und Smart mit Partnern in China bauen und von dort aus auch exportieren werden. Erst vor kurzem gab Daimler die Zusammenarbeit mit Geely bekannt, denn hier reagiert man schneller und der Focus liegt ganz klar in der Elektromobilität.

Chinas große Autobauer wie BAIC, Geely oder BYD haben schon seit Jahren Elektroautos im Angebot. Die größten Innovationstreiber sind aber zunehmend junge Firmen wie Nio oder Byton, die ausschließlich Elektroautos produzieren. Auch die chinesische Automarke «Weltmeister» gehört dazu. Mit dem Namen versucht die Firma, vom immer noch ausgezeichneten Image deutscher Hersteller in China zu profitieren. Auch beherrscht China den Markt für Batterien eindrucksvoll. 35 Prozent der weltweit produzierten Zellen für Elektroautos kamen im vergangenen Jahr von den beiden großen chinesischen Herstellern. Die europäischen Hersteller haben hier klar das Nachsehen, denn viel zu lange hat man auf diesen Trend nicht reagiert. jetzt wird hastig versucht aufzuholen, was aber nur eingeschränkt gelingt. 

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Erhebliches Potential für deutsche Hersteller in China

Der Verband deutscher Automobilhersteller (VDA)  sieht «Erhebliches Zukunftspotenzial» bei Elektroautos in China. Man sei zuversichtlich, dass sie ihren bislang noch kleinen Marktanteil in dem Segment von derzeit fünf Prozent ausbauen werden, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes in Shanghai.

Auch beim zweiten großen Zukunftsthema, der Vernetzung des Autos, sieht Experte Dudenhöffer die Chinesen vorn. So sei der Netzwerkausrüster Huawei Technologieführer beim schnelleren mobilen Internet 5G. In Europa noch in der Planung ist man im Reich der Mitte schon einige Schritte voraus. Der Suchmaschinenkonzern Baidu arbeite an einem selbstfahrenden Roboterauto, das mit hoher Wahrscheinlichkeit zuerst in China den Marktdurchbruch feiern dürfte. Ob es überhaupt nach Europa kommt ist derzeit noch offen. 

In Shanghai gaben sich die deutschen Hersteller zuversichtlich, dass die derzeitige Wachstumsschwäche auf ihrem wichtigsten Markt bald überwunden ist. Man sei aber «vorsichtig optimistisch», sagte Daimler-Entwicklungschef Ola Källenius. Nach Wachstum im ersten Quartal rechne der Konzern auch für das Gesamtjahr mit Zuwächsen. Selbst der Handelsstreit mit den USA wird nicht mehr so kritisch gesehen.

Bis zu zehn Prozent Wachstum erwartet

Ähnlich äußerte sich auch BMW-Finanzchef Nicolas Peter. Auf dem wichtigsten Einzelmarkt China werde das Unternehmen trotz der aktuellen Marktschwäche mehr Autos verkaufen. Man sieht hier wieder mehr Potential. «Wir werden zwischen fünf und zehn Prozent in diesem stagnierenden Markt wachsen und damit Segmentanteile gewinnen», sagte Peter in Shanghai.

«Wir haben leichte Signale, dass sich die Bedingungen am chinesischen Markt in den kommenden Wochen, vielleicht schon im Mai, deutlich entspannen könnten», hatte VW-Chinachef Stephan Wöllenstein. Und das, obwohl  Volkswagen als Hersteller von kleinen und mittleren Fahrzeugen am stärksten von der derzeitigen Kaufzurückhaltung in China betroffen ist.

Erst im vergangenen Jahr hatte der chinesische Automarkt zum ersten Mal seit mehr als zwanzig Jahren einen Rückgang verzeichnen müssen. Vor allem der Zollstreit zwischen den USA und China verunsicherte Verbraucher und ließ sie beim Kauf zögern. Zudem warteten Kunden zuletzt auch auf eine angekündigte Mehrwertsteuersenkung zum 1. April, und die nicht mehr so rasant wachsende chinesische Konjunktur dämpfte die Kauflust spürbar. 

«Immer, wenn die Steuern für Verbraucher nach unten gehen, ist das grundsätzlich positiv», kommentierte Källenius. Die genauen Auswirkungen seien aber schwer vorherzusagen, aber die Veränderungen seien spürbar.

Quelle: dpa

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