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Elektromobilität: Bei Lithium Kobalt und Co tut sich was

Immer wieder die Frage und sehr viele Mythen: Woher kommen die Rohstoffe der Zukunft? Zertifizierung beim Kobalt und ein deutsch-bolivianisches Umweltprojekt bei Lithium soll die Versorgung absichern

von Thorsten Bär | emobicon - Cover Bild: FAZ

Der Bedarf an Batteriekapazität wird sich weltweit deutlich erhöhen. Wo es im Jahr 2015 noch rund 70 Gigawattstunden waren, erwartet man im Jahr 2025 rund 535 Gigawattstunden. Doch was ist mit den Schlüsselrohstoffen der Elektromobilität, also Lithium, Kobalt und Nickel?

Gemeinschaftsunternehmen nimmt die Arbeit auf

Über drei Jahre Vorbereitungszeit sind seit dem vergangen. Aber nun hat ein neues Gemeinschaftsunternehmen, was kürzlich in Berlin vorgestellt wurde, seine Arbeit aufgenommen. Mit dem bolivianischen Staatsunternehmen YLB will die Schmutz-Firma ACISA Lithium aus dem Salar de Uyuni gewinnen. Lithium gehört zu den wichtigsten Rohstoffen für die Zukunft von Elektrofahrzeugen. Für die Funktionalität des Speicherakkus ist der Rohstoff derzeit unersetzlich. 

300 Millionen Euro werden in eine Anlage investiert, die dann von 2022 an bis zu 40 000 Tonnen Lithiumhydroxid produzieren soll. Diese Menge würde für 800 000 Autobatterien reichen. Das ist eine grosse  Menge, doch allein in den Fabriken des Volkswagen- Konzerns sollen 2025 rund 2,5 Millionen Elektroautos gebaut werden. Deshalb sind weitere Anlagen auch in Bolivien im nächsten Jahrzehnt höchst wahrscheinlich. Allein im Salar de Uyuni gibt es rund zehn Millionen Tonnen Lithium.

Wirtschaftspolitiker der EU forcieren das Thema - auch bei Förderung

So sind längst Unternehmen wie BYD und CATL aus China auf dem heimischen Markt aktiv, aber auch in der Nähe von Erfurt (CATL) soll eine neue Fabrik entstehen. In Polen und Ungarn investieren Samsung, SKI sowie LG Chem in Fertigungsanlagen und in Schweden arbeitet bereits ein Konsortium namens Northvolt an einer Fabrik. In Deutschland lockt die Politik mit einer Milliardenförderung und in Frankreich könnte eine Gruppe rund um Total/SAFT eine Zellfertigung in Angriff nehmen. Die Wirtschaftspolitiker der EU forcieren das Thema und versprechen große Förderspielräume. Man erkennt endlich die Notwendigkeit in die Zukunft zu investieren.

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China hat die Oberhand

Den wichtigen Rohstoff Lithium gibt es reichlich in der Salar de Atacama in Chile, in Australien und Bolivien. Das Kobalt stammt vor allem aus dem Kongo, Nickel zunehmend aus Russland, aber auch aus Skandinavien. Problematisch ist aktuell vor allem die Verfügbarkeit von Kobalt. Hier wird sich der Weltmarktanteil des im Kongo gewonnenen Kobalts von heute 60 auf voraussichtlich 80 Prozent Mitte der 2020er Jahr steigern. 

Die einen sagen: Eine Abhängigkeit vom KONGO – andere sehen das aber als Chance in dem Land politisch aber auch wirtschaftlich einiges in Bewegung setzen zu können. Aktuell gibt es eine strategische Abhängigkeit vom Kongo, wo zudem China die Hand auf der Kobaltförderung beziehungsweise der Weiterverarbeitung hat. Aber es tut sich was. Mit Zertifizierung von Rohstoffen in den Förderländern will man aktiv sein. Ein mühevolles Unterfangen, aber man gibt noch nicht auf.

Kathoden sind kostengünstiger

Und da die Entwicklung der Zellen rasant voran schreitet, wird bereits längst eingeschätzt, dass das heute überwiegende Lithiumcarbonat mit der Zeit verdrängt wird. Grund dafür sind immer leistungsstärkere Kathoden mit hohem Nickelgehalt. Diese wiederum können nur mit Lithiumhydroxid (LHM) hergestellt werden. Dazu kommt, das diese Kathoden kostengünstiger sind und das knappe und teure Kobalt kann zu einem erheblichen Teil durch reichlich verfügbares Nickel ersetzt werden, heißt es bei der Schmutz-Firma ACISA. Die Entwicklung ist besonders hier sehr spannend und wird fortlaufend beobachtet.

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) argumentiert ähnlich. So heisst es hier, das der Kathodenmechanismus entscheidend für die Gesamtkobaltnachfrage ist. Möglicherweise, so die DERA, hat der absehbare Trend weg vom Kobalt auch schon Einfluss auf die Rohstoffbörse gehabt. Der Preis für eine Tonne Kobalt hat sich in den vergangenen Monaten fast halbiert und das obwohl die Nachfrage weiter steigen wird. Man spricht von aktuell 117 000 auf 225 000 Tonnen in 2026.

Kobalt hauptsächlich aus dem Kongo

Gut vier Fünftel des Kobalts wird nicht im Kleinbergbau gewonnen, wie oft behauptet wird, sondern in ganz normalen Industriekomplexen von internationalen Bergbaukonzernen so die DERA. Ein Fünftel entfalle auf den mehr oder weniger legalen Abbau mit Hacke und Schaufel, der häufig von den Behörden geduldet werde. Bis zu 200 000 Menschen arbeiten seiner Schätzung dort. Kinder, wie sooft behauptet wird sieht man dort aber in der Realität kaum. Aber fest steht: Ganze Familien im Kongo arbeiten in der Kobaltgewinnung. Das ist ebenso unstrittig, aber auch nachvollziehbar, denn eine Tonne Erz enthält gerade mal zwei Prozent Kobalt. Bei einem Kobaltpreis von gut 50 000 Dollar wie im Jahr 2016 bleiben also gut 500 Dollar hängen. Aber diesen Preis gibt es nicht mehr.

Sehr auffällig ist die Dominanz chinesischer Unternehmen in der Weiterverarbeitung des Kobalts, der Raffinadeproduktion. Außer der finnischen Freeport Cobalt mit einem Anteil von 15 Prozent, der belgischen Umicore (drei Prozent) und des russischen BASF- Partners Nornickel (zwei Prozent) ist der Weltmarkt in chinesischen Händen. Da die Chinesen ein besonderes Eigeninteresse an stabilen Lieferbeziehungen hätten, müsse man keine Angst haben. Ängste, die es einmal gab, sind längst verschwunden. Das sieht man besonders an der Preisentwicklung bei seltenen Erden in den letzten Jahren. 

Wenn man nun heute mit Vorurteilen spielt, das Elektroautos und deren Akkus für das Elend dieser Welt verantwortlich sind, ist das kaum nachvollziehbar. Bereits seit Jahrzehnten und weit vor dem Akku und dem Elektroauto spielt Lithium als Rohstoff eine wichtige Rolle in vielen Produkten die praktisch jeder in seinem Alltag nutzt.

Diese Doppelmoral aus wollender Unkenntnis vieler sollte, anhand von FAKTEN, von jedem hinterfragt werden. Jetzt sind Akkus dazu gekommen.

Jeder der ein Smartphone und Laptop oder sonstige Geräte mit Batterien nutzt, eine Klimaanlage, auch im Auto hat, Medikamente nimmt, GLAS  hat, eine Wohnung mit Fensterscheiben, ein Auto fährt, was auch Schmiermittel braucht sollte vielleicht mal drüber nachdenken.

Quelle: Bundeswirtschaftsministerium

Veränderter Rohstoffbedarf in der Zukunft

Da sich die Technik und Innovation bei den Batterien stetig verändert wird sich auch die Zusammensetzung und damit der Rohstoffbedarf ändern. Von 2020 an erwartet man einen zunehmenden Anteil von Batterien mit einem Kathodenmaterial im Verhältnis 8:1:1 – 80 Prozent Nickel und jeweils zehn Prozent Mangan und Kobalt. Heute haben die gebräuchlichsten Batterien ein Verhältnis von 5:3:2 – der Anteil von Mangan und Kobalt würde sich also halbieren – sofern sich die Technologie durchsetzt.

Der Chemiekonzern BASF setzt darauf. So will man  Milliarden in die Herstellung von Kathodenmaterial investieren und bezieht das Nickel dafür vorrangig aus Russland. Um die erforderlichen Mittel zu generieren, verkauft BASF in diesem Jahr seine Öl-und Gas- Tochter Wintershall/DEA. Ein neuer Rohstoff ersetzt einen alten.

4 Gedanken zu „Elektromobilität: Bei Lithium Kobalt und Co tut sich was

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