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Autobauer: Wegen Elektromobilität „in großen Schwierigkeiten“

Autobauer: Wegen Elektromobilität „in großen Schwierigkeiten“ | emobicon

Wegen der revolutionären Veränderungen hin zur Elektromobilität befinden sich deutsche Autobauer in grossen Schwierigkeiten. Das sagt der Vorstandschef von Brembo und ist trotzdem gelassen

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Der Vorstandsvorsitzende und größter Anteilseigner des italienischen Bremsenherstellers Brembo, Alberto Bombassei, hat in einem Interview in der WELT über den Stand der europäischen Automobilindustrie gesprochen. Den hiesigen Herstellern sagte er dabei schwere Zeiten voraus.

Hybride technisch sinnfrei

Für ihn ist klar: Die deutschen Autobauer sind zwar weiter Weltmarktführer in ihrer Branche, aber sie befinden sich wie viele andere europäische Produzenten in großen Schwierigkeiten wegen der revolutionären Veränderungen hin zur Elektromobilität, die unser Markt gerade durchläuft. 

So die klare Einschätzung von Bombassei. Und er weiss von was er spricht, denn schliesslich gehören Fahrzeughersteller wie BMW, Mercedes und Volkswagen zu seinen Kunden.

Die deutschen Autohersteller hätten zwar viele neue teil- und vollelektrische Modelle in der Vorbereitung, so Bombassei, er habe dennoch den Eindruck, dass eine klar definierte Richtung fehle. Hybride sind bei den deutschen Herstellern offenbar immer noch Allheilmittel obwohl sie technisch längst als sinnfreien gelten. „Sie werden dazu gezwungen, alle möglichen alternativen Energien abzudecken, ohne zu wissen, wie der Markt in fünf, zehn oder 20 Jahren aussehen wird“, so der 78-Jährige. Man ist optimistisch bis pessimistisch.

Alle Automobilhersteller in Europa haben Probleme mit der Elektromobilität – die deutschen Hersteller tun sich allerdings damit am schwersten. So hat die Europäische Union es nicht geschafft, ihre Schlüsselindustrie durch die Gesetzgebung „gegen den Angriff der Elektroautos“ zu schützen. Immerhin ist das ein weiteres Beispiel dafür, dass die EU „ein Gigant in der Industrie, aber ein Zwerg in der Politik“ ist.

Elektroautos haben viele Vorteile

Der Brembo-Chef ist Fan von Dieselmotoren. Für ihn sind das die wahren Kunstwerke. Was klar ist, dass bei der Produktion von Elektroautos rund 50 Prozent des Fahrzeugwertes künftig außerhalb der EU entstehen werden. Das ist gar nicht gut sagt der Teilehersteller. Das ist insbesondere mit Blick auf die in der Produktion von Dieselmotoren Beschäftigten ein echtes Problem. Eine Frage hat er dazu:  „Was wird mit ihnen geschehen, wenn es keine Dieselautos mehr gibt?“ Wenn man in die Technik von Elektrofahrzeugen schaut, dann kann jeder sofort erkennen, das Elektroautos deutlich simpler als Verbrenner aufgebaut sind. Sie erfordern weniger Wartung und verschleißen in vielen Bereichen viel geringer. Letzteres gilt insbesondere für die Bremsen. Für Bombassei ist das aber dennoch kein Problem: Sein eigenes Unternehmen ist durch den  erwarteten E-Auto-Boom trotzdem nicht bedroht: In Teslas Elektroautos etwa seien „seit der ersten Minute“ Brembo-Bremsen verbaut. In wenigen Jahren wird es speziell für Elektrofahrzeuge eigene Bremenmodelle geben.

 

Kooperationen und Zusammenarbeit ist wichtig

Aber wie geht es dann weiter? Nur durch Kooperationen und der Grösse wegen haben die Autobauer eine Chance, so Bombassei. Um den Herausforderungen in der veränderten Welt der Mobilität der Zukunft entgegentreten zu können hätten FCA und Renault ihre Zusammenlegung vorantreiben sollen, damit sie sich gemeinsam dem globalen Markt stellen können“, sagte der Brembo-Chef.  Viele Automobilhersteller, der auch Zulieferer haben nicht die Mittel, um diese Aufgabe erfolgreich zu bewältigen.“ Spannend wird die nächste Zeit sein – spätestens dann wenn deutsche Hersteller wie Volkswagen den Markteintritt haben werden.

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