Elektroauto: Neue Regelungen für den elektrischen Dienstwagen

von | 10.11.2019 | Flottenmanagement | 10 Kommentare

Elektroauto: Neue Regelungen für den elektrischen Dienstwagen

Der Deutsche Bundestag hat das Gesetz zur künftigen steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften beschlossen. Das betrifft unter anderem die Besteuerung von elektrischen Dienstwagen, aber auch die Steuerbefreiung für das kostenfreie Laden von Elektroautos am Arbeitsplatz. Wir haben uns das mal genau angeschaut. Eine Pauschale in Höhe von 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises, die bereits schon länger im Gespräch war, kommt, allerdings wird diese nicht für alle Stromer gelten. Viele Fahrer müssen weiterin 0,5 Prozent monatlich versteuern. Fahrer von Elektrofahrzeugen als Firmenwagen müssen ihre privaten Strecken nur noch pauschal mit einem Viertel der Bemessungsgrundlage versteuern, 

also 25 Prozent des Bruttolistenpreises, sofern der Fahrzeugpreis unter 40.000 Euro netto liegt. Das hat der Bundestag nach dem Autogipfel im November 2019 beschlossen, indem er bei der Dienstwagensteuer die Vorschläge aus dem Klimapaket 2030 umsetzt.

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Steuerbefreiung für das Aufladen beim Arbeitgeber bleibt

2018 wurde die begrenzte Begünstigung für Elektrofahrzeuge und Plug in Hybride bei der Dienstwagenregelung eingeführt- Diese war zunächst für nur 3 Jahre vorgesehen. Sie soll nun in zwei Stufen bis zum Jahr 2030 verlängert werden: Von 2022 bis 2024 werden nur Elektroautos und Plug in Hybride begünstigt, die eine Mindestreichweite mit reinem Elektroantrieb von 60 Kilometer oder einen CO2-Ausstoß von maximalen 50 g/km haben. Von 2025 bis 2030 steigt die erforderliche Mindestreichweite auf 80 Kilometer.

Konkret heisst das, dass  Arbeitnehmer, die einen infrage kommenden betrieblichen Stromer auch privat nutzen, bis 2030 monatlich statt einem Prozent des Listenpreises höchstens einen halbierten Satz von 0,5 Prozent als geldwerten Vorteil versteuern müssen. Klar scheint aber, dass bei Elektroautos mit einem Bruttolistenpreis nicht über 40.000 Euro die Arbeitnehmer nur 0,25 Prozent des Listenpreises im Jahr versteuern. Darüber hinaus wurde die Steuerbefreiung für das kostenfreie Aufladen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden im Betrieb des Arbeitgebers bis 2030 verlängert.

Sonderabschreibung kommt

Ebenfalls beschlossen wurden eine Sonderabschreibung für kleine und mittlere Elektro-Lieferfahrzeuge. Sie wird von 2020 bis 2030 gewährt und beträgt einmalig 50 Prozent der Anschaffungskosten. Die Sonderabschreibung gilt auch für E-Lastenfahrräder mit einem Mindest-Transportvolumen von einem Kubikmeter und einer Nutzlast von mindestens 150 Kilogramm.

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Auch die „Mogelpackungen“ werden gefördert – noch

Diese Ausweitung der steuerlichen Förderung ergänzt die kürzlich von Bund und Industrie vereinbarte umfangreichere Unterstützung beim Kauf von Elektroautos und Plug-in-Hybriden. Hier ist wieder ganz offensichtlich, dass die Politik die umstrittenen Plug in Hybride fördern will, obwohl man sehr genau weiss, das diese kaum, eher gar nicht die Unterstützung der Klimaschutzziele im Verkehr unterstützen werden.

Hier ist mehr Mogelpackung statt Realität der Tatsache geschuldet, dass Hersteller bereits heute klar sagen: Wir werden künftig mehr elektrifizieren. Das heisst bei meisten allerdings Plug in Hybrid. Der „Umweltbonus“-als Kaufprämie soll bei Elektrofahrzeugen bis zu einem Nettolistenpreis von 40.000 Euro um 50 Prozent, bei teureren Modellen bis zu einer Grenze von 65.000 Euro um 25 Prozent erhöht werden. Die Hersteller übernehmen weiter die Hälfte des Zuschusses von zukünftig bis zu 6000 Euro. Allerdings stellt sich die Frage nach einer Notwendigkeit, denn gerade bei sehr teuren Modellen,  wie zum Beispiel einem Taycan von Porsche, der weit über 100.000 € kosten soll, sehen wir das sehr kritisch und absolut als nicht notwendig an.

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Zum Teil auch Förderungen für Gebrauchtfahrzeuge

Auch die normalerweise mit 0,03 Prozent pro Entfernungskilometer besteuerten Fahrten zwischen der Wohnung und Arbeitsstätte halbiert sich bei elektrifizeirten Firmenwagen. Denn nicht die Steuer wird reduziert, sondern die Bemessungsgrundlage für diese  Steuer. Das ist der Bruttolistenpreis, der bei Elektroautos und Plug-in Hybriden jetzt nur noch zur Hälfte angesetzt wird.

Die Besachaffung von gebrauchten Elektrofahrzeugen wird unter bestimmten Umständen auch gefördert – darüber informiert sie der Händler.

Der Gesetzgeber spricht hier von „Anschaffung“, nicht „Neuzulassung“, weshalb der verringerte Steuersatz auch für gebrauchte Elektrofahrzeuge gelten soll. Hat das Unternehmen das Auto allerdings bereits 2018 angeschafft, kommt ein Arbeitnehmer nur dann in den Genuss der Steuerermäßigung, wenn der Chef das Auto 2019 erstmals als Firmenwagen einsetzt.

Für ältere Dienstfahrzeuge ändert sich wenig

Änderungen gibt es auch hier: Für 2018 und früher zugelassenen Elektroautos wird zur Bemessung des geldwerten Vorteils weiterhin der von Kaufdatum und Batteriegröße abhängigen Listenpreis angesetzt. So errechnet sich beispielsweise bei den im Jahr 2018 zugelassenen Elektrofahrzeugen der vom Bruttolistenpreis abzuziehende Betrag aus dem Faktor 250 multipliziert mit den kWh der Batterie, maximal jedoch 7.500 Euro.

Wer seinen Firmenwagen nur wenig privat fährt, soll auch weiterhin ein Fahrtenbuch führen können. Auch dann gilt als Bemessungsgrundlage der halbe Bruttolistenpreis. In jedem Fall kommen zur pauschalen Steuer noch die üblichen 0,03 Prozent pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeitsstätte hinzu.

Mit diesen ganzen Neuerungen, Ergänzungen und den Verlängerungen bestehender Förderungen, ist ein Stromer sehr attraktiv und  meistens kostengünstiger.

Steuervorteile beim Aufladen des Stromers beim Arbeitgeber , sowie für die dem Angestellten überlassenen Ladevorrichtungen bleiben ebenso bestehen. Für die Anschaffung neuer rein elektrisch betriebener Lieferfahrzeuge wird darüber hinaus eine interessante Sonderabschreibung eingeführt.

10 Kommentare

  1. Matthias

    Hallo, was gilt den jetzt, um in den Genuss der 0,25%-Regelung zu kommen? Bis 40.000 € netto oder Bruttolistenpreis im Einkauf

    Antworten
    • emobicon | Die eMobil Berater!®

      Hallo Matthias
      Erstmal gilt heute, Ende November nichts. Die Förderungen liegen bei der EU Kommission müssen dort bewertet und genehmigt werden. Wir gehen davon aus, dass Anfang 2020 gestartet wird, bis dato bleibt alles beim Alten.

      Fahrer von E-Autos als Firmenwagen müssen ihre privaten Strecken voraussichtlich ab Beginn 2020 nur noch pauschal mit einem Viertel der Bemessungsgrundlage versteuern, also 25 Prozent des Bruttolistenpreises, sofern der Fahrzeugpreis unter 40.000 Euro liegt. Hier greift § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Einkommensteuergesetz: maßgeblich ist der inländische Listenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich der Kosten für Sonderausstattung einschließlich Umsatzsteuer.

      Gruss von Stefan Blome | Team emobicon

      Antworten
    • Volker Postel

      Im Budesgesetzblatt Jahrgang 2019 Teil I Nr. 48 ausgegeben am 17.12.2019 steht explizit „Bruttolistenpreis nicht mehr als 40.000 €“.

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      • emobicon | Die eMobil Berater!®

        Hallo Herr Postel,

        danke für Ihren Kommentar. Ja, es stimmt, es geht um den Bruttolistenpreis. Aber Vorsicht: Stand heute am 28.12.2019 ist das noch nicht amtlich, sicher und in Stein gemeisselt. Derzeit prüft man bei der EU noch die Vorgaben und wir können heute noch nicht sicher sein, ob es so kommt wie vorgesehen.
        Gruss Stefan Blome | emobicon

        Antworten
  2. Sofian Rejeb

    Hallo Herr Blome,
    mein Arbeitgeber hat mir ein Nissan Leaf als Firmenwagen bestellt der am 20.12.2019 eintreffen soll.
    Der Preis des Wagens lag bei 39.430€ +Überführung + Anmeldung und jetzt stellt sich meine Frage ob ich noch unter 40.000 liege oder zählt die Überführung + Anmeldung auch zum Listenpreis zum versteuern?
    gild die 25 % Regelung auch für das Fahrgeld / Weg zwischen Arbeit und Wohnung?
    Vielen Grüße
    Sofian

    Antworten
    • emobicon | Die eMobil Berater!®

      Hallo Herr Rejeb
      Der NettoPreis des Fahrzeuges + Sonderausstattung – alles was mit dem Fahrzeug zu tun hat gilt. wenn bereits ein Vertrag gilt die alte Regel – die neue erst für Kaufverträge nach Beginn der Neuregelung.
      Grundsätzlich gilt Fahrweg zur Arbeit ist keine Privat Fahrt, also wird voll mit 0,5 % gehandhabt

      Es gilt noch als nicht sicher, da die neuen Bestimmungen noch bei der EU Kommission liegen, die das bewerten, absegnen oder noch Änderungen vornehmen muss

      Gruss Stefan Blome | emobicon

      Antworten
  3. Jens

    Hallo,
    ich möchte die erste Frage noch mal aufgreifen, die mir immer noch nicht ganz klar ist,
    die Grenze für die 0,25% Versteuerung gilt nur für Autos die beim Kauf: unter 40.000€ Bruttolistenpreis oder 40.000€ Nettolistenpreis liegen ???
    Die meißten Informationen sprechen bei dieser Regelung immer von der Grenze des Bruttolistenpreis!

    Antworten
    • emobicon | Die eMobil Berater!®

      Hallo Jens

      Fahrer von E-Autos als Firmenwagen müssen ihre privaten Strecken voraussichtlich ab Beginn 2020 nur noch pauschal mit einem Viertel der Bemessungsgrundlage versteuern, also 25 Prozent des Bruttolistenpreises, sofern der Fahrzeugpreis unter 40.000 Euro liegt. Hier greift § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Einkommensteuergesetz: maßgeblich ist der inländische Listenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich der Kosten für Sonderausstattung einschließlich Umsatzsteuer.

      Das hat der Bundestag nach dem Autogipfel im November 2019 beschlossen, indem er bei der Dienstwagensteuer die Vorschläge aus dem Klimapaket 2030 umsetzt (Drucksache 19/14873). Die gesetzliche Änderung gilt aller Voraussicht nach frühestens ab dem 1. Januar 2020 auch für ab dem 1. Januar 2019 angeschaffte Elektrofahrzeuge (sofern das Gesetz zur weiteren Förderung der E-Mobilität zu diesem Zeitpunkt in Kraft getreten ist).

      Gruss Stefan Blome | emobicon

      Antworten
  4. B. Heppenstiel

    Guten Abend,
    ich spiele gerade folgendes Szenario gedanklich durch: Mein Arbeitgeber schafft 2020 einen gebrauchten Tesla (Brutto-Listempreis Neu 100.000), Kaufpreis gebraucht 55.000 EUR mit einer 56kWh Batterie an und stellt mir diesen 2020 erstmals als Dienstwagen inkl. Privatnutzung / Weg zur Arbeit zur Verfügung. Meine Entfernung zum Arbeitsplatz beträgt 40km einfachs Strecke.Wir würde das Rechenmodell zur Versteuerung aussehen? Vielen Dank.

    Antworten
    • emobicon | Die eMobil Berater!®

      Hallo Herr Heppenstiel,

      gebrauchte Elektrofahrzeuge als Firmenwagen/Dienstwagen machen in der Regel wenig Sinn – auch deswegen beschäftigen wir uns nur eingeschränkt damit
      Allgemein gilt:

      Damit die Fahrer von Firmenwagen nicht auch noch bei der Versteuerung der Privatfahrten tiefer in die Tasche greifen müssen, gibt es eine Sonderregelung. Der Bruttolistenpreis als Basis für die Berechnung des geldwerten Vorteils verringert sich um einen Wert, der vom Zeitpunkt der Anschaffung sowie der Größe der Batterie abhängt. Konkret bedeutet dies: Der vom Bruttolistenpreis abzuziehende Betrag errechnet sich im Jahre 2018 aus dem Faktor 250 multipliziert mit den kWh der Batterie. Die exakte Batteriekapazität des E-Autos steht in Ziffer 22 der Zulassungsbescheinigung Teil 1. Allerdings muss man wissen, dass die Minderung pro Kilowattstunde der Batteriekapazität mit den Jahren geringer ausfällt. Für 2020 gilt ein Minderungsbetrag von nur noch 150 Euro.
      Außerdem ist der Abzugsbetrag gedeckelt. Im Jahr 2018 lag die Obergrenze bei 7.500 Euro, egal ob die Batterie 40 oder wie bei Tesla bis zu 100 kWh groß ist. Dieser Wert sinkt jährlich um 500 Euro bis auf 5.500 Euro im Jahr 2022, wenn die Förderung vorerst ausläuft.
      Bislang galt die Minderungsbeträge für Elektrofahrzeuge sowie für aufladbare Hybridfahrzeuge, die sogenannten Plug-in Hybride. Jetzt hat das Bundesfinanzministerium klargestellt, dass das Schreiben vom 05.06.2014 zur Nutzung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs für private Fahrten, Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte oder erster Tätigkeitsstätte und Familienheimfahrten gleichfalls für Brennstoffzellenautos gilt. Wobei der steuerliche Vorteil wegen der relativ kleinen Speicherbatterie eher gering ausfällt. Ein Brennstoffzellenauto als Dienstwagen zu fahren und es auch privat zu nutzen, bleibt also weiterhin ein teures Vergnügen.
      Mit einem 2019 zugelassenen E-Auto fährt man billiger.
      Wer allerdings noch bis 2019 wartet und dann erst seinen elektrischen Dienstwagen bestellt, spart beim geldwerten Vorteil. Dann entfällt die komplizierte Berechnung per Batteriegröße und Zulassungsdatum. Stattdessen können die Fahrer einfach den halben Bruttolistenpreis für die Ein-Prozent-Regelung ansetzen.

      Mit einem gebrauchten Modell stellen sie sich schlechter – wir dürfen Ihnen da keine konkrete Auskunft im Einzelfall geben – fragen Sie dazu bitte einen Steuerberater.

      Mit freundlichem Gruss

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