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… und wieder neues von e.GO Life: Das Fest zur Eröffnung der Aachener Produktion

Ein kleines Elektroauto, ein strahlender Prof. Schuh, bestes Wetter: Ein guter Tag für die Eröffnung der e.Go Life Fahrzeugproduktion  in Aachen

Es gab so viel Zustimmung und so viel Lob. Günther Schuh stellte am Ende der Veranstaltung tatsächlich fest: „Das ist Affengeil!“ und „Das ist nach meiner Hochzeit der zweitbeste Tag meines Lebens.“

von Micha / emobicon

 

Ein grosses Fest bei strahlendem Sonnenschein. Das Elektroauto e.GO Life zum Anfassen, Besichtigung der Produktionshallen, Probefahrten und vieles mehr. Wir waren LIVE vor Ort und erlebten die Schlüsselübergabe hautnah mit !



Stuttgart, München, Wolfsburg. Das sind die Städte, die meistens genannt werden, wenn es um deutsche Automobilstandorte geht. Jetzt kommt ein Ort dazu: Aachen. Am alten Philips Standort wurde in einer Rekordbauzeit von nur 15 Monate das Produktionsgebäude für den neuen e.Go Life hochgezogen.

Chinesisches Tempo

Günther Schuh hat aufs Tempo gedrückt, es gibt gerade keine Zeit mehr zu verlieren, sagt er. Schon die Vorzeigefabrik sei nahezu in „chinesischem Tempo“ entwickelt und erstellt worden. „Unser Konzept ist einzigartig, wir stellen hier ein grundsolides, hochwertiges und günstiges Auto her.“ In 17 Stunden entsteht so ein Fahrzeug. Kosten werden minimiert, in dem man sich zum Beispiel aus den Regalen der Zulieferer vorhandener Komponenten bedient.

Für die Zukunft gewappnet

Das Stadtauto geht ab Herbst diesen Jahres in Serie. Die ersten Modelle werden Ende des Jahres ausgeliefert. Zunächst im Einschichtbetrieb sollen jährlich in der 16.000 Quadratmeter großen Halle 10.000 Fahrzeuge gebaut werden. Mit einer zweiten Schicht soll dann etwa in einem Jahr auch die Kapazität verdoppelt werden. „Das ist ein großartiges Geschenk für Aachen“, sagt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) in einer Podiumsrunde.




Produktion 4.0

Eine teure Lackierstraße ist nicht notwendig, weil für die Außenhaut der Stadtflitzer robuste Thermoplastmaterialen benutzt werden, die auch einen Parkrempler vertragen, sagt Schuh. Der neue Industrie Park 4.0 habe noch einen Vorteil: Innerhalb weniger Monate lassen sich hier Modellverbesserungen umsetzen. „Wir wollen etwas schaffen für die Mobilitätswende“, sagt „Missionar“ Günther Schuh, dem die Begeisterung an diesem Tag aus allen Poren strahlt.

Eine saubere Fabrik ist da an der Lilienthalstraße entstanden. Vor ein paar Jahren wurden in der ehemaligen Philipshalle noch Bildröhren gefertigt. Jetzt wird hier an der Zukunft geschraubt. Die gesamte Energie für die Produktion wird über Panele auf dem Fabrikdach umweltfreundlich gewonnen.

In nur 17 Stunden ist das ganze Auto gebaut

Möglicherweise ist die Produktion sogar weltweit einzigartig. Immer wieder blickt man bei seinen Vergleichen nach Fernost. 15 Monate nur habe der Bau der Halle gedauert, so schnell geht das sonst nur in China. Auf dem Dach des ehemaligen Fertigungszentrums für Philips-Bildschirmröhren wurde eine Fotovoltaik-Anlage installiert, die 750 Kilowatt bringt. Auch die Produktion sei mindestens so effizient wie in China. Er lobt das „Zwei-Touch-System“, bei dem jedes Teil nur zwei Mal von Mitarbeitern angefasst werden müsse. Einmal beim Auspacken nach der Anlieferung, das zweite Mal beim Einbau. 17 Stunden brauche die Montage eines kompletten Autos. Entwickelt und gebaut werde der e.GO wie eine Software. Man baut, während man gleichzeitig testet und entwickelt. Industrie 4.0 heißt der hippe Terminus, soll heißen: höchste Performance bei höchster Effizienz.

Mehr als 3000 Vorbestellungen

Mehr als 3000 Vorbestellungen gibt es für den „Life“, den die wenigsten neuen Autobesitzer schon einmal gesehen haben. Am Eröffnungstag wird für die meisten Besteller aus dem „blind date“ eine erste Kontaktaufnahme mit dem neuen Gefährt(en): Integriert in das neue Werk ist auch ein Präsentationsraum.

Zu den ersten Bestellern, die nun in der Warteschleife sind, gehört übrigens auch der Ministerpräsident. Armin Laschet sagt den Tausenden Zuhörern in der neuen Halle etwas, das klingt wie: „Später wird man sich in an diesem Tag erinnern, als der große Schub begonnen hat in Aachen.“ Vielleicht hat Laschet auch gesagt: „Später wird man sich an diesem Tag erinnern, als der große Schuh begonnen hat in Aachen.“





Der Preis des e.Go Life ist zu gut um war zu sein ?

Die Basisversion bringt 20 kW mit einer Reichweite von rund 104 Kilometern, die 40-Kw-Version schafft 124, der e.GO Life 60 immerhin 158 Kilometer. Sein Preis ist allerdings erstaunlich: Er liegt je nach Modell zwischen 15.900 und 19.900 Euro. Das ist in etwa in Hälfte von dem, was das bislang günstigste Elektroauto, das Modell 3 von Tesla, kostet. Dabei kann man noch BAFA Förderung abziehen. Unter Umständen gibt es weitere Fördermöglichkeiten , sodass der Preis weiter sinken könnte.






Und so ist an diesem Tag in Werk vielfach von einem Wunder die Rede, von einem großen Tag, sogar für die ganze Republik. Eine Unternehmensgründung in der Automobilbranche, die in Deutschland mit großen Playern wie Daimler, Volkswagen und BMW eigentlich als gesättigt galt, und die nun den Markt aufmischen soll. Wie ist das möglich? Und wer hat das geschafft?

Die Antwort ist ein groß gewachsener Mann, der im weißen Hemd und dunkelblauer Anzughose rastlos durch die Produktionshalle läuft und den knapp 2.500 Gästen seine Mission von der günstigen E-Mobilität schildert: Günther Schuh, Ingenieur, Professor für Produktionssystematik an der RWTH Aachen und nun auch Start-up-Gründer. Was er will: ein günstig produziertes Elektroauto für die Stadt, mit dem er nichts weniger als die Mobilitätswende einläuten will.

Aachen soll zum „Engineering Valley“ werden

Die Idee, dass Uni-Professoren ihr Know-how nutzen, um nebenbei selbst Firmen zu gründen, ist in Deutschland eher verpönt. Doch das sei überholt, sagt Armin Laschet. Auch der NRW-Ministerpräsident war zur Eröffnung gekommen. „Man muss die Exzellenz der Uni nutzen und anwenden.“

Für den Politiker ist Schuh ein Glücksfall. Die Region, in der im Moment noch monströs große Schaufelradbagger Braunkohle aus der Erde fördern, müsse die Energiewende nutzen und zu einem „Engineering Valley“ werden. Während sich das kalifornische Silicon Valley auf reine Softwareplattformen wie Facebook, Google und Airbnb spezialisiert habe, müsse sich der Raum Aachen auf physische Entwicklungen, auf deutsche Ingenieurskunst konzentrieren. Zum Beispiel brauche Deutschland dringend eine eigene Batteriezellproduktion, damit etwa auch der e.GO nicht mehr von chinesischen Zulieferungen abhängig sei, fordert Laschet. Dafür wolle er sich nun bei der Bundesregierung einsetzen.

TIPP: Die ersten Fahrzeuge für Kunden wird eine „First Edition“ sein. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie HIER.





„Wir haben in Deutschland viel mehr Ideen, als wir Geld finden“

Prof. Schuh will an diesem Tag nicht nur ein Auto präsentieren, er will eine Botschaft senden: „Deutschland kann viel mehr und muss mehr wollen.“ Er frotzelt vor allem über das Verhalten des deutschen Eigenkapitalmarkts. Die „Sparkassen-Mentalität“ sei für „hochdynamische Entwicklungen“ ein Hemmschuh. Wer in Deutschland Geldgeber für eine vielleicht zunächst riskant klingende Idee suche, der müsse viel Geduld aufbringen. Bei der letzten Kapitalisierungsrunde habe das Ziel zwischen 20 und 50 Millionen Euro gelegen. Bei der nächsten Runde aber brauche er schon 300 bis 400 Millionen Euro, um seine Visionen umzusetzen.  Im Gegensatz zu den USA fehle es hierzulande an Mut und Entschlossenheit, auch mal was Verrücktes zu versuchen. „Wir haben in Deutschland viel mehr Ideen, als wir Geld finden“, sagt Schuh. Das betreffe nicht nur Start-ups, sondern auch etablierte Player. „Ein Unternehmen wie Amazon hätte man sich hier gar nicht denken können. Bevor die groß geworden wären, hätte man die schon totgetrampelt.“

Risikofreudigere Geldgeber hofft Ingenieur Schuh in Fernost zu finden. Erst einen Tag vor der Eröffnung ist er aus China zurückgekehrt, wo er neun Tage lang mit dem e.GO auf Werbetour war und Investoren gesucht hat. „Wir müssen uns internationalisieren. Und der wichtigste Markt im Bereich der Elektromobilität ist China.“

Doch eigentlich will Schuh die Energie- und Mobilitätswende vor der eigenen Haustür vorantreiben. Nur dürfe sie eben nicht ideologisch-dogmatisch vonstatten gehen. Etwas ungehalten reagiert er auch auf die Politik in Brüssel. Es werde so getan, als sei die CO2-Emmission der Autos das Kardinalproblem beim Umweltschutz. Dabei seien es die Stickoxide, um die man sich Gedanken machen müsse. Schuh nennt sie das eigentliche Gift. Bis etwa ein Diesel bei der Abgas-Katalyse seine Höchstleistung vollbringt, brauche er fünf Minuten. Bis dahin pumpe er „einfach Gift“ in die Luft. „Da muss man ansetzen.“ Deshalb wünsche er sich von den politischen Entscheidern auf EU-Ebene mehr Rationalität in der Debatte und nicht einfach nur Verbote und Bevormundung. „So kann man doch nicht mit den Menschen umgehen.“

Der Produktionsstart des e.Go Life verschiebt sich: Informationen dazu gibt es HIER

 

WIR WÜNSCHEN FÜR DIE PRODUKTION DES e.Go Life ALLES GUTE !

Fotos: emobicon

 

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