Mobilität: Fühlen sich die Veränderungen gut an?

von | 25.03.2020 | Allgemein | 0 Kommentare

Es ist komisch. Ich kann nicht mehr so wie ich will und ob es immer nötig war Mobil zu sein ist irgendwie eine andere Frage. Im Hinterkopf ist häufig noch: Es wird wieder so sein, wie es war. Klar, die Angst um den Job ist da – unbestritten. Ich glaube aber, dass dieses Virus uns alle ziemlich verändern wird. Wie sooft: Den einen mehr, den anderen weniger. Fest steht: Der Verkehr hat spürbar abgenommen. Fliegen, Strasse, ÖPNV. Und irgendwie geht es bei bei vielen die jetzt Homeoffice machen müssen – bei uns übrigens auch. Kann das Neue eine Gewohnheit werden und damit ganz normal? Ich finde über die Veränderungen darf man reden. Und hoffentlich bleibt zumindest ein bisschen davon im Alltag hängen. Aus gutem Grund…

von Harald M. Depta | emobicon – CoverBild: emobicon

Es kam so plötzlich – aus dem Nichts. Mit Ansage. Ich darf vieles nicht mehr und ich muss mich den neuen Regeln beugen. Ein Schlag und eine innerliche Panik. Stück für Stück. Und nun? Nicht eine, nicht zwei, nein viele Dinge verändern sich. Neue Probleme entstehen u d die meisten wünschen sich dort zurück wo alles normaler erschien. Weil wir es einfach taten ohne an Konsequenzen zu denken. Es ist Zeit zu reden über das was kommt, denn ganz falsch wäre es einfach so in „Das Vorher“ zurück zu kehren“. Das darf man sagen und auch denken.

Chancen aus der Pandemie nutzen

Corona. Ein Virus legt uns lahm und zwingt zu Massnahmen die kaum einer auf dem Schirm hatte. Während die Ungeduld zu Frust führt ist die Angst da. Der Job, Gesundheit, der nächste Urlaub – einfach das normale Leben, so wie wir es kannten. Mein Thema ist aber der Verkehr, die Umwelt, das zwangsweise anders tun. Während in Italien die ersten Tankstellen geschlossen werden, atmet auf der anderen Seite die Natur auf. Die Luftwerte sensationell gut. Die Ruhe schon fast himmlisch. Aber was kommt dann ? Hilft die jetzige Situation dem Klima? Fest steht: Es darf nicht vernachlässigt werden – nie. Das müssen wir uns bewusst machen. Ja, die Situation ist schwierig und ja, es ist aber auch eine Chance – für so vieles. Mobilitätswende, Klima, CO2, Abgasskandal und vieles weitere spielt einfach eine Rolle die trotz allem besprochen werden sollen. Nicht akzeptabel erscheint auf den Egoismus zu bauen. Es hilft niemanden.

Nutzen für Wirtschaft und Klimaschutz sollten zusammengebracht werden

Es geht um was anderes: Das Falsche lassen und zugleich das Richtige tun und an Morgen denken. Diese Aussagen von Wirtschaftsexperten haben Potential, denn diese Handlungsempfehlungen sehen vor, dass kurz- wie langfristig Nutzen für Wirtschaft und Klimaschutz zusammengebracht werden kann. Dabei warnen sie davor drängende Aufgaben im Angesicht des Klimawandels zurückzustellen. Richtig ist, dass mit Milliardenhilfen die Corona-Pandemie und seine wirtschaftlichen Folgen bekämpft werden müssen. Es geht darum kurzfristig soziale und wirtschaftliche Verwerfungen aufzufangen. Aber wenn nicht jetzt, wann dann sollte man beim Aufbau einer zukunftsfähigen Wirtschaft langfristig denken? Aus meiner Sicht braucht Deutschland einen neuen, grünen Marshallplan. Und nicht nur in der Theorie sind Massnahmen sinnvoll sondern sehr konkrete Vorschläge liegen auf dem Tisch.

Homeoffice kann in den normalen Alltag integriert werden

Homeoffice könnte in vielen Fällen eine praktikabel Alternative werden – mit vielen Vorteilen. Ich muss nicht mehr ins Büro fahren, kann zu Hause bleiben. Der Verkehr wird verringert und damit Emissionen und Feinstaubbelastung. Und darum geht es eben auch.

Nicht zu unterschätzen ist dabei das digitale Zusammenarbeiten und damit die Effizienz. Dieses kleine Detail einfach als Chance zu sehen macht aus unserer Sicht viel Sinn. Auch wir von emobicon denken jetzt verstärkt an diese Alternative die Alltag werden könnte. Bislang läuft es bei uns gut und die Überlegungen gehen jetzt in die Praktikabilität.

Auch das Thema Dienstreisen steht bei uns auf der Agenda. Es geht um das andere denken und der Versuch umzustellen was es ermöglicht eher digital zu kommunizieren. Nicht in jedem aber in vielen Fällen kann man das. Im Moment läuft es gut und es ist normal, dass man mehr telefoniert und mehr in E-Mails erklärt. Die Reisetätigkeit ist deutlich verringert und das muss ja nicht zwingend ein Nachteil sein.

Auch die Dienstreise per Flugzeug muss auf den Prüfstand. Corona und die Enge in einem Flieger muss sowieso überdacht werden und auch hier spielt die digitale Kommunikation eine wichtige Rolle. In unserer Feststellung ist das persönliche Gespräch oft erwünscht, aber es ob es tatsächlich nötig ist wird meistens zu spät beraten. Die Gewohnheit ist der Treiber.

Das Fliegen wird weniger, anders und teurer

Immer billiger – das wurde normal und der Gedanke an den Klimaschutz war bei Fliegerei bei den wenigsten ein Thema. Ja, die Luftverkehrsbranche trifft die Krise besonders hart. Dabei fordert der Berufsverband Cockpit e.V. bereits eine Verschiebung der Erhöhung der Luftverkehrsabgabe, deren Einführung für den Klimaschutz eigentlich als beschlossen gilt. Aber warum das? Das FÖS fordert jedoch von einer Verschiebung abzusehen, um dem Luftverkehrsaufkommen nach Beendigung der Krise mit höheren Flugpreisen entgegen zu wirken. Langfristig sollte noch stärker in die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien investiert werden.

Feinstaub und Verkehr hängen eng miteinander zusammen. Forscher vermuten sogar einen Zusammenhang von Luftverschmutzung und dem Verlauf von Lungenkrankheiten bei Covid-19-Patienten. Das zumindest könnte eine Erklärung für die hohe Todesrate in Norditalien sein. Dazu kommen Abgase aus dem Verkehr mit Verbrennungsmotoren, also NOx und Co.

Feinstaubbelastung Schuld am Corona?

Auf einer Karte der Karte der Europäischen Umweltagentur EEA ist das eindeutig, denn Italien hat im Vergleich zu anderen westeuropäischen Staaten die am stärksten belastete Luft. Vor allem die Region Norditalien, die besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen ist, hat eine historisch hohe Luftverschmutzung aufzuweisen. Die EEA nimmt für ihre Berechnung der Luftverschmutzung Stickstoffdioxid (NO2), Feinstaub und bodennahes Ozon zusammen – alles Faktoren, die im stark industrialisierten und eng besiedelten Norden Italiens zu finden sind.

Alternative Mobilität nicht unterschätzen

Zwar lägen noch keine Forschungsergebnisse zu Covid-19 und Luftverschmutzung vor, es sei jedoch naheliegend, dass es eine Verbindung geben könnte, da die überwältigende Mehrheit der Studien beweist, dass Luftverschmutzung eine große Rolle dabei spielt, ob eine pneumatische Erkrankung mild oder schwer verläuft.

Wie vermutet ist die Situation aber auch unterschiedlich zu bewerten. Der enge Raum in Metropolen macht das Fahrrad wieder attraktiv, denn der Nahverkehr erscheint vielen keine Alternative zu sein, denn Abstand ist in Bus und Bahnen kaum möglich. Das Ansteckungsrisiko ist gefühlt höher. In vielen Städten wurden Strassen zu Fahrradstrassen – bereits vor Corona. Bei uns tut man sich sich schwer. Alles für das Auto – bisher. Bereits mittelfristig sollte mehr für die alternative Mobilität getan werden. Denn ein verstärkter Umstieg vom privaten Auto auf das Fahrrad und öffentlichen Nahverkehr indes würde die Luftqualität in Städten erheblich verbessern und damit Vorerkrankungen bei Menschen mindern.

Alternative Energie endlich fördern statt blockieren

Seit Monaten wird über die Aufhebung des Förderdeckels bei über 52 Gigawatt diskutiert, doch im Wirtschaftsministerium wird aktuell auf die dringenderen Probleme der Corona-Krise verwiesen.  Dabei könnte kurzfristig wie langfristig eine Aufhebung des PV-Deckels in Deutschland als wahre Konjunkturspritze wirken, wie das FÖS noch einmal deutlich macht. Darüber hinaus kommt es wegen Liefer- und Personalengpässen im Zuge der weltweiten Pandemie zu Verzögerungen beim Bau von Solarparks. Nach geltendem Recht drohen den Projektierern deswegen Strafzahlungen. Der Bundesverband Solarwirtschaft fordert in der aktuellen Krise von der Großen Koalition eine Aufhebung dieser Regelung. Die Bundesregierung will dies prüfen.

Bei den aktuell niedrigen Erdölpreisen sehen Experten aber auch große Chancen um klimaschädliche Subventionen abzubauen. Höchstwahrscheinlich ist es, dass es kurzfristig zwar dazu führen könnte, dass Anstrengungen im Bereich der Energieeffizienz zurückgehen. Sicher erscheint aber die Möglichkeit für den Abbau milliardenschwerer Subventionen für Kraftstoff und Automobilhersteller. Zulässt wuchs die Akzeptanz massiv – das muss erst wieder „erarbeitet“ werden. Die freigewordenen Milliarden aus den gestrichenen Subventionen könnte die Konjunktur antreiben.. Dazu gehört ganz sicher der Ausbau erneuerbarer Energien.

Bei den hohen Inventionen, Förderungen und Unterstützungen darf die Alternative nicht vernachlässigt werden.Es bleibt die Hoffnung, dass man die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt. Zu tief war der Graben zwischen Lobby und Realität – zwischen Nutzen und Zwang.

Alle Gelder müssten darauf geprüft werden, ob sie neben ihrer kurzfristigen Wirkung auch langfristigen gesellschaftlichen Nachhaltigkeitszielen wie Klima- und Artenschutz dienen. Das Konjunkturprogramm muss weitsichtig sein und die Inventionen sollten dabei auch die sozial-ökologische Transformation unserer Wirtschaft verbinden. Das schafft Arbeitsplätze, sozialökonomische Sicherheit und Klimaschutz – all das was jetzt am dringendsten ist.

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Über mich: Der Experte rund ums Thema eMobilität.

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Autor: Harald

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