Mobilität: Warum Plug in Hybrid Fahrzeuge die Klimaziele gefährden

von | 22.01.2021 | Allgemein | 1 Kommentar

Plug-in-Hybrid beim Laden
Bild: emobicon®

Das Problem „Plug in Hybrid“ wird immer deutlicher. Und das mitten im Boom der Elektromobilität. Förderungen und Vorteile mitnehmen, aber das Laden im täglichen Betrieb erst gar nicht ausführen – zumindest das kommt häufiger vor, was natürlich kaum zugegeben wird. Dabei bestätigt sich genau diese Annahme bei vielen Leasingrückläufern. Man nutzt überwiegend den Verbrennungsmotor und dadurch emittieren Plug in Modelle deutlich mehr CO2 als für die Berechnungen der deutschen Treibhausgasemissionen im Jahr 2030 bisher angenommen wurde. Das ist das Ergebnis einer Studie von ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung, Öko-Institut und „Transport & Environment“ im Auftrag des Bundesumweltministeriums. Es wird Konsequenzen haben – schnell!

Viel höhere Emissionen als auf dem Papier

„Unsere Berechnungen zeigen, dass wir angesichts der Marktprognosen von bis zu 4,3 Millionen Tonnen zusätzlichen CO2-Emissionen im Jahr 2030 für den Verkehrssektor durch Plug-in-Hybride ausgehen müssen, wenn die elektrischen Fahranteile so niedrig bleiben wie heute“, so Ruth Blank, Senior Researcher am Öko-Institut. Dabei sind sie eigentlich dafür gedacht. Fahren – Laden – Fahren – Laden – soweit es geht und ganz normal im Alltag möglich. Schon oft haben wir darüber berichtet was es mit Elektrofahrzeugen auf sich hat. Die Bequemlichkeit oder die Ignoranz wird bald Konsequenzen haben. Für Nutzer und Hersteller, denn in den bisherigen Szenarien zur Entwicklung der CO2-Emissionen des Verkehrssektors sind diese höheren Emissionen meist nicht enthalten, da hier mit den Emissionen nach Typgenehmigung gerechnet wird. Das Ergebnis erschreckt, denn die realen Emissionen liegen – insbesondere bei schweren Plug-in-Elektrofahrzeugen – oft um ein Mehrfaches über diesen Werten. Die ohnehin herausfordernde Erreichung des Klimaschutzziels 2030 wird so noch schwieriger.

Viel mehr Verbrauch als versprochen

Eine Ursache, so die Studie, sind vor allem fehlende wirtschaftliche Anreize zum elektrischen Laden und (gerade bei Dienstwagen) eine oftmals hohe tägliche Fahrleistung. Hinzu kommt, dass zu Hause und am Arbeitsplatz oftmals keine Lademöglichkeiten vorgesehen werden. Fatal, obwohl es einfach und mit Förderungen umsetzbar wäre. Zudem haben Plug-in-Hybride wegen Bauform, Motorisierung und Gewicht oft einen überdurchschnittlichen Energiebedarf. Etwa ein Drittel der neu zugelassenen Plug-in-Hybride sind SUVs oder Geländewagen. Aus ausgewiesenen 2,1 oder 2,9 Litern werden auch schnell 10 Liter Kraftstoffverbrauch – und mehr. Kein Vorteil auf der Kostenseite – im Gegenteil. Auch die EU hat das längst erkannt. Regulierungen kommen – teure Strafen drohen – Einschränkungen für Plug in Hybride inklusive.

Rahmenbedingungen von Plug in Modellen unzureichend

So werden bereits seit Monaten die realen Verbrauchswerte übermittelt, ebenso der Anteil des elektrischen Ladens. Das kann böse enden. Strafzahlungen für den Hersteller – ebenso geplant ist den Förderanteil davon abhängig zu machen, ob das Plug in Modell auch so genutzt wird, wie vorgesehen. Längst bekannt ist, dass ab 2022 ein „Aus“ für die Förderung möglich ist.

Auch ein Grund dafür ist, dass in vielen Fällen bei solch schweren Fahrzeugen der Akku für die Tageskilometer nicht ausreicht. Schlimmer noch: Bei schnellem Fahren oder starker Beschleunigung schaltet sich der Verbrennungsmotor auch dann zu, wenn der Akku noch voll ist. Das liegt daran, dass der Elektromotor meist nur einen Anteil von etwa einem Drittel an der maximalen Motorleistung hat und dieser kann nicht genug Antriebskraft liefern. Werden die Fahrzeuge mit CO2-armem Strom betankt, defensiv gefahren und sind überwiegend im elektrischen Fahrmodus unterwegs, sinken die CO2-Emissionen dagegen deutlich.

Weiter heißt es in der Studie: Für einen mittleren Plug-in-Hybriden im Jahr 2030 ergeben sich real etwa 130 Gramm CO2-Emissionen pro Kilometer (g/km), während der zu erreichende Flottenmittelwert bei ungefähr 60 g/km liegt. Auch das ist ein Grund, warum die EU die Plug in Modelle deutlich ausbremsen will. Verschiedene Länder haben das in der Vergangenheit getan. Man strich die Förderung. Dadurch wurden sie für die meisten Interessenten uninteressant.

Klar ist schon länger, auch bestätigt durch die Studie: „Bei derzeitigen Rahmenbedingungen gefährdet der weitere Markthochlauf von Plug-in-Hybridfahrzeugen die deutschen Klimaziele 2030 im Verkehrsbereich. Aus umweltpolitischer Sicht sollte die Förderung aus Kaufprämie und Steuervorteilen dringend überprüft werden“, so Studienleiter Julius Jöhrens vom ifeu.

Ladedisziplin eingefordert

Wann lade ich – wie und am besten? Es ist leicht, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Zu Hause, in der Firma, beim Einkaufen. Jedes Fahrzeug steht mehr, als es fährt – Zeit zum Laden zwischendurch. Ladedisziplin zahlt sich insbesondere für die CO2 Bilanz aus.  Für die Studie ist klar: Gelänge es, alle privaten Plug-in-Hybride täglich aufzuladen, so würden diese Fahrzeuge ungefähr so viele CO2-Emissionen einsparen, wie in den Emissionsberechnungen für das Jahr 2030 bisher angenommen wurde. Leider ist dem nicht so.

Plug in Dienstwagen mit viel zu hohem CO2 Ausstoß

Erschreckend ist aber eine Erkenntnis bei teilelektrischen Plug in Hybriden, wenn diese als Dienstwagen genutzt werden: Die realen CO2-Emissionen bleiben hingegen auch unter sehr optimistischen Annahmen für die Ladedisziplin in 2030 etwa doppelt so hoch wie in den Standard-Testverfahren. Vor allem hier wären zur Verbesserung der Situation deutlich höhere elektrische Reichweiten notwendig. Unter den (Förder-) Bedingungen heute ist das kaum zu ändern. Auch deshalb will die EU die realen Zahlen aus der Praxis, um entsprechende Zwangsmaßnahmen zu beschließen. Reine Stromer funktionieren längst – auch als Dienstwagen für Unternehmen.

Förderungen an Bedingung des Aufladens knüpfen

Auch die ifeu Studie kommt zu dem Ergebnis: „Vergünstigungen für Plug-in-Hybride sollten an harte Kriterien für die elektrische Reichweite, die elektrische Leistung und den Nachweis einer regelmäßigen Lademöglichkeit geknüpft sein“, erklärt Julius Jöhrens. Zudem sollte elektrisches Fahren für die Nutzer finanziell attraktiv gemacht werden.

„Bei unveränderter Förderung laufen wir Gefahr, über viele Jahre hinaus eine große Menge an Plug-in-Hybridfahrzeugen mit sehr geringer realer elektrischer Reichweite im Bestand zu haben, die auch bei diszipliniertem Laden nur begrenzte elektrische Fahranteile erreichen können“, so Jöhrens.

1 Kommentar

  1. Rüdiger Mühlhausen

    Das Emobicon-Team spricht mir mal wieder aus dem Herzen. Das ist das Ergebnis, wenn die Lobbygruppen sehr stark sind. Da belibt dann der gesunde Menschenverstand auf der Strecke!

    Antworten

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Autor: Stefan Blome

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