Mobilität: Warum Kraftstoff teurer werden muss und Strom günstiger

von | 10.06.2021 | Allgemein, Energiewende | 0 Kommentare

Mobilität: Warum Kraftstoff teurer werden muss und Strom günstiger

Wir sind satt, bequem und dumm. So kann man zusammenfassen, wie die reale Reaktion auf notwendige Änderungen von uns allen aussieht. Natürlich geht alles nicht, aber ein Vorschlag für das WIE gibt es auch nicht. Der kleinste gemeinsame Nenner wird zur Farce und es scheint so zu sein, dass man zunächst die Wahlen abwartet und weiter lügt. In dem man nicht die Wahrheit sagt und sich rausredet. Es kommt einem bekannt vor. Das Thema der Zeit wird kleingeredet und verkommt zu einer Randerscheinung. Das ist nicht nur peinlich, sondern gefährlich. Fest steht: Fossile Energie wird teurer werden. Will man weiter nichts ändern wird es noch unbequemer und noch teurer. Und warum saubere Energie zu teuer ist, versteht sich von selbst. Sie wird auf dieselbe Stufe gestellt wie klimaschädlicher Dreck. Das bewegt weder zum Nachdenken, noch motiviert es Änderungen durchzuführen. Dabei war zum Beispiel die EEG-Umlage für den Klimaschutz erdacht worden…

Die Fakten werden von allen ignoriert

Von Widerspruch zu Widerspruch und das Rausreden ist Standard geworden. Dabei ist es doch absurd. Klimawandel? Nicht wirklich spürbar. Es tut uns nicht weh und langweilig ist es ohnehin. Dabei kommen auch bei uns die Einschläge näher. Die Wälder sterben und auch bei uns schlagen immer mehr Wasserversorger Alarm. Die Trinkwasserversorgung ist nicht mehr auf Dauer zu gewährleisten. Die Pole schmelzen, das Wetter und das Klima ändern sich. Gleichzeitig steigen die Meeresspiegel, aber der Strandurlaub zeigt bislang noch nicht so wirklich was auf uns zukommen wird. Wetterphänomene passieren zu selten, um eine Gefahr abzuleiten. Die Bevölkerung würde auf die Politik zeigen und fragen welche Maßnahmen sie trifft, wenn auf einmal kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt oder Küstenregionen unter Wasser stehen. Dann wäre es spürbar – aber so? Für die meisten ist das uninteressant. Und typisch Politik, die allen nur was vormacht, sich selbst belügt und meint, dass sich alle Probleme von selbst lösen. Tun sie nicht. Die Probleme sind größer geworden, so auch der Handlungsdruck von Allen. Die Überhitzung ist nicht nur real, sondern gefährlich, aber scheinbar zu weit weg ist die Tatsache, dass das Ökosystem aus dem Gleichgewicht kommt.

Oberflächlich betrachtet ist die Welt noch bunt. Grüne Bäume, blühende Pflanzen, ein paar Insekten in der Luft und genau das ist die scheinbare Sicherheit, die der Realität weichen muss, wenn man heute schon weiß: In wenigen Jahren wird der Wald nicht mehr sein, wie wir ihn kennen. Insektensterben ist längst Realität und auch das Wasser wird knapp werden – bei uns. In anderen Teilen der Welt ist das längst und schon Jahre Realität. Immer mehr Wasserversorger schlagen auch bei uns Alarm.

Der Klimawandel verändert alles – es kommt aber kaum bei uns an, denn sonst wäre das nicht nur eine ignorierte Randerscheinung. Ist doch klar: Alle sollen was ändern, aber keiner bei sich. Nur wenige sind bereit zu sehen, was man sehen muss.

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Lenkung durch Maßnahmen

Freiwillig tut kaum einer etwas. Es wird sich gewindet und rausgeredet. Das kann man an vielen Beispielen erkennen. Wasser sparen? Kennen wir nicht, nachhaltig einkaufen? Eine Randerscheinung. Verzichten weil es helfen würde? Kann jeder machen, ich aber nicht. Es wird uns auf die Füße fallen und die Konsequenz werden alle spüren, nicht nur irgendwie, sondern ganz sicher. Und große Unternehmen versprachen uns in der Vergangenheit, wie großartig sie aufgestellt sind, wie klimafreundlich sie agieren und welche glänzende Zukunft für uns alle möglich ist. Fakten sagen aber häufig was anderes. So behauptet der Player RWE so viel grüne Energie zu produzieren. Fakten sind aber andere. Nur gut 20 Prozent der Stromproduktion von RWE ist CO2 freie Energieproduktion. Fast 80 Prozent der Energieproduktion wird fossil produziert. Und damit ist das Geschäftsfeld eine der größten CO2 Verursacher – weltweit. Und die Politik redet auch das noch schön. Und das Desaster rund um die Ladestationen von innogy macht die gesamte Situation nicht besser.

Die Bequemlichkeit steht über allem, vorgeschoben als alternativlose Tatsache, weil man sich aus der Gewohnheit ein Recht abgeleitet hat. Und gerade die, die am meisten schreien, die größten Ausreden haben, sollten als erste handeln.  Was wirkt da besser als zu lenken. Das wird aber häufig ignoriert. Das kennen wir schon aus unzähligen Gesprächen rund um die E-Mobilität. Denn die meisten behaupten ja, dass sie jeden Tag 1000 km am Stück fahren müssen, angeblich nur 4 Liter auf 100 km verbrauchen und das der Diesel ja so schön billig ist. Mehrfache Widersprüche und ziemlich dumm obendrein. Die Fakten, die das Widerlegen kennen die meisten, aber man ignoriert sie, weil sie in vielen Fällen Denkfehler und Dummheit aufzeigen.

Die Politik und Ihre Ignoranz

Glaubt jeder ernsthaft Maßnahmen würde niemanden treffen und glaubt jeder, dass er eine Ausnahme sein kann? Wie dumm ist es zu glauben, dass sich nichts ändern muss? Direkt wird es ohnehin die meisten treffen und zur Wahrheit gehört: Es wird teurer, für jeden und das ist gut so, denn nur dann wenn man es spürt werden die meisten nachdenken, sich mit der Sachlage und den Fakten beschäftigen. Jeder Tag Verzögerung ist einer zu viel und weil die Bundesregierung so getan hat und bis heute behauptet viel für Klimaschutz getan zu haben, deshalb ist es heute um so dringlicher einzugreifen. Was auffällt: Gerichte entscheiden, scheinbar nicht mehr die Politik. Der Fehler liegt also im System.

Die Politik ist Weltmeister im Aussitzen, Rausreden, Ignorieren und Schönreden von Fakten – insbesondere im Jahr der Bundestagswahl.  Es wird gelogen und Fakten verschwiegen. Die Darstellung des Erreichten wird so aufgebläht, dass einem schwindlig werden kann. Hinter der Fassade sieht es dann doch anders aus. So war es in den letzten 15 Jahren immer. Aussitzen können sie – in Perfektion. Im Handeln widerspricht man sich selbst und was ist schon das Geschwätz von gestern wert? Zeit für Druck, auch von anderen Seiten.

Wir brauchen einen Anstieg des CO2-Preises, und der muss zugleich sozial gerecht sein.

Der Beschluss, die Sachlage ist eindeutig und nicht länger zu ignorieren. Der Green Deal für Deutschland ist unumkehrbar. Der Plan insgesamt ist ambitioniert, aber machbar. Immer wieder Ziele zu hinterfragen, zu korrigieren, einen Kompromiss zu schnüren, der das politische Ansehen verbessert, nicht aber die Situation kann nicht das Ziel sein. Bitte nicht die ewig gleiche Theorie und viel heiß Luft mit: „Wir wollen und wir werden… TUN! Und dabei ist wichtig, nicht immer wieder neue Ziele festzulegen, sondern endlich und schnell Maßnahmen zu definieren, die man erreichen kann. 

Nur so erreicht man Akzeptanz und Planungssicherheit für langfristige Investitionen die notwendig sind. Kaum einer kann heute sicher sagen, wie sich Maßnahmen auswirken. Klimaneutralität bis 2040 – ist das realistisch? Ja und nein. Es gibt jetzt den Green Deal und das Urteil des Verfassungsgerichts. Aber noch viel Unkonkretes was die Maßnahmen sind. Der CO2 Preis ist EIN Baustein, aber eben nur ein Punkt in einer ganzen Reihe von notwendigen Veränderungen. Jetzt geht es an die Umsetzung, aber bitte nicht so, dass es zu einem Überbietungswettbewerb kommt, der nur für wieder heiße Luft ist. 

Fest steht aber: Ein CO2-Preis kann sozial gerecht gestaltet werden. Wenn wir echte Ziele erreichen wollen, muss dieser Preis deutlich steigen. Und für mich steht fest, dass wir nicht bei 25 Euro pro Tonne, sondern bereits bei 50 Euro einsteigen könnten. Und sollten die Ziele bis dahin verfehlt werden, sollte er automatisch steigen. Ökonomen und Experten sind sich sogar sicher, dass der Preis am Ende des Jahrzehnts schon deutlich über 130 Euro liegen könnte. Da hilft auch kein Stöhnen. Sehr bewusst sein muss uns, aber auch dass ein solcher Preispfad für die Bürger mit erheblichen Belastungen verbunden wäre.

Die heutigen Maßnahmen hätten zur Folge, dass man im Moment davon ausgeht, dass der Kraftstoffpreis um rund 0,36 € pro Liter steigen wird. 

Höhere CO2-Preise belasten die kleinen Einkommen stärker als die großen. Wer wenig verdient, wohnt meist zur Miete in einem unsanierten Altbau. Er fährt mit einem kleinen Benzinauto zur Arbeit und gibt einen größeren Teil seines Einkommens für energieintensive Produkte aus. Deshalb sollte die Politik die CO2-Einnahmen den Bürgern zurückerstatten, und zwar nach sozialen Gesichtspunkten.

Änderungen bei der EEG-Umlage notwendig

Allein die Annahme das jedes Fahrzeug elektrisch sein wird ist unrealistisch. Der 1:1 Tausch ist absurd und sicher auch nicht zielführend. Aber die Annahme, dass Elekromobilität grundsätzlich teurer ist, ist ebenso falsch. Wir machen solche Rechen Modelle für Unternehmen. Und das sind keine theoretischen Zahlen, sondern praxisbezogene einfache und verständliche Überblicke, die schlussendlich auch verstanden werden müssen. Wenn der CO2 Preis für fossile Kraftstoffe steigt, warum kann nicht gleichzeitig die EEG-Umlage beim Strom abgesenkt, im besten Fall gestrichen werden? So könnte eine der Maßnahmen sein die EEG-Umlage nicht mehr über den Strompreis finanzieren, sondern aus den Einnahmen der CO2-Bepreisung. Denn das senkt den Strompreis deutlich und entlastet die kleineren Einkommen stärker als die großen.

Auch das Laden von Elektrofahrzeugen würde kostengünstiger. Unabhängig von den technischen Möglichkeiten der Zukunft, den produzierten Ökostrom dann zu laden, wenn er verfügbar und damit günstiger wäre. Ein Elektrofahrzeug ist nichts anderes als ein rollender Energiespeicher. Hier könnte man sehr viel lenken.

Gleichzeitig sollten im Verlauf der nächsten Jahre die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung als Pauschalbetrag zurückerstattet werden; das würde ebenfalls den Beziehern geringer Einkommen zugutekommen, wie Berechnungen von Experten zeigen. Wenn wir es richtig machen, kann Klimaschutz sozial gerecht sein und eine weitere Spaltung der Gesellschaft verhindert werden.

CO2 Preis muss verstanden werden

Der CO2-Preis kann gut mit einem sozialen Ausgleich gekoppelt werden. So können auch weniger gut gestellte Schichten auf höhere CO2-Preise reagieren. Vor allem, wenn man einbezieht, dass es dabei weniger auf die kurze als auf die lange Frist ankommt. Wenn die Bürger wissen, dass sich der CO2-Preis mit der Zeit verdoppelt, werden sie sich vielleicht nicht morgen ein Elektroauto kaufen. Aber möglicherweise in fünf Jahren, wenn es mehr und billigere Modelle gibt. Der CO2-Preis setzt für Wirtschaft und Verbraucher das entscheidende Signal, dass wir nicht mehr so viel Kohlendioxid ausstoßen dürfen wie bisher. Es muss dabei einfach gestaltet werden, dass man versteht, wie es funktioniert und welchen Vorteil jeder einzelne hat. Ein „Ja aber…“ kann nicht mehr die Maßgabe sein.

CO2-Grenzwerte für die Fahrzeugflotten der Hersteller verschärfen

Muss es immer der schwere SUV sein? Nein. Mehr verbrauchen, heißt mehr zahlen – der Sinn der CO2 Preises ist ja den Verbrauch zu reduzieren und wir wissen doch alle: Die theoretischen Angaben der Verbrauchswerte stimmen meistens nicht. Wenn es das Modell sein muss, was einen überdurchschnittlichen Verbrauch hat muss ich das eben zahlen. Die Entscheidung hat jeder selbst – auch die Konsequenz, die sich automatisch ergibt. Ganz klar, es führt zu einer Verteuerung und würde vor allem Bezieher geringerer Einkommen belasten. Eine Verschärfung macht nur bedingt Sinn. Die Alternativen müssen die Gegenüberstellung von Werten sein – auch als Entscheidungsgrundlage bei Anschaffung oder dem Finden von Alternativen. Außerdem erzielt der Staat dann keine Einnahmen, die er den Bürgern zurückgeben kann. Auch der Effekt fürs Klima ist begrenzt, wie sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat. Und die Erkenntnis gab es bereits in der Vergangenheit: Die Emissionen im Straßenverkehr sind in den vergangenen Jahren gestiegen, denn der Durchschnitt aller Fahrzeuge ist schwerer geworden. Zudem wurde mehr gefahren. Die Emissionen werden nur sinken, wenn Grenzwerte durch CO2-Preise ergänzt werden.

Der Staat könnte Verbrenner – Autos verbieten

Ich bin nicht dafür Verbrenner zu verbieten. Wir sehen heute schon den Effekt, das alternative Antriebe kommen, auch weil immer mehr verstehen: Ich fahre günstiger. Das können wir bei emobicon bestätigen. Die Kostenstruktur ist eine andere als beim Verbrenner. Zudem wissen wir, dass die Meisten nicht wissen, wieviel die individuelle Kostenstruktur wirklich ist. Der CO2Preis beim Tanken wird die Situation noch einmal deutlich beschleunigen. Zudem planen viele Kommunen längst Szenarien, zum Beispiel durch City Maut, Einfahrverboten für Verbrenner u.ä. Bin ich mit einem Antrieb eingeschränkter als mit der Alternative sieht auch der letzte wie vorteilhaft es ist darüber nachzudenken. Einfach lenken – das hilft.

Und schaut man sich die Datenlage an weiß man mittlerweile, dass der jährliche Rohstoffbedarf für PKW in Deutschland bis 2035 um 56 Prozent gegenüber 2020 sinken kann, wenn bis dahin der Anteil der elektrischen PKW an den Zulassungen in Deutschland auf 100 Prozent steigt, so das Öko Institut.

Der CO2Preis gibt staatliche Maßnahmen vor

Es braucht Rahmenbedingungen, begrenzte Förderungen und angepasste Grenzwerte, die lenken. Der CO2-Preis muss dabei im Zentrum stehen, weil er die langfristigen Erwartungen und Einstellungen von Verbrauchern und Unternehmern prägt. Manche empfehlen, mit staatlichen Vorgaben zu beginnen und nur dann auf CO2-Preise zurückzugreifen, wenn das nicht reicht. Ich bin für die umgekehrte Rangfolge.

Es würde deshalb funktionieren, weil wir fossile Kraftwerke früher abschalten. Das war nicht die Konsequenz des Kohleausstiegsgesetztes. Das kam später. Denn der Ausstieg aus der Kohle ist den steigenden CO2 Preisen im europäischen Emissionshandel zu verdanken. Die Zertifikate werden immer teurer – es rechnete sich immer weniger – Alternativen mussten her. Es zeigt deutlich, welches Potential in höheren CO2 Preisen liegt.

Die Annahme, dass es niemanden betrifft und sich damit nichts ändern muss oder nur einige wenige Maßnahmen, die nichts kosten sollen, helfen ist grundsätzlich falsch. Falsch ist aber auch das wir jede Härte ausgleichen müssen, weil viele Glauben es betrifft sie nicht. Auch das muss die Politik begreifen. Jedes Problem ist lösbar – wenn man will. Die Wahrheit muss die Wahrheit bleiben. Zu lange haben wir weggesehen und geglaubt: Alle müssen etwas ändern – nur wir nicht!

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Über mich: eMobil Experte | Coach | Projekt Planer bei emobicon®

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Autor: Harald M.

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