Mobilität: Warum ein Tempolimit auch in Deutschland kommen wird

von | 12.01.2021 | Allgemein | 0 Kommentare

Mobilität: Warum ein Tempolimit auch in Deutschland kommen wird
Nicht ob sondern wann. Das ist die Frage beim Thema Tempolimit auf deutschen Strassen! Bild: emobicon

Es ist emotional und regelmässig Thema. Ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Was in unseren Nachbarländern ganz normaler Alltag ist, funktioniert hier angeblich nicht. Die Ausreden und Argumente dagegen sind sehr flach und halten den Fakten längst nicht mehr statt. Dabei ist die Vorbereitung dieser Massnahme längst im vollen Gange und immer wahrscheinlicher ist die Umsetzung. Wir sind uns sicher: Ein Tempolimit kommt. Die Einführung eines allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen wäre ein kurzfristig realisierbarer, kostengünstiger und wirksamer Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen des Verkehrs. Zudem würde auch die Verkehrssicherheit erhöht und die Lärm- und Schadstoffemissionen gemindert. Das sind die nachgewiesenen Fakten. Das sagt auch das Umweltbundesamt.

Der Verkehr CO2 Schleuder Nr. 1

Basierend auf von der Bundesanstalt für Straßenwesen 2019 veröffentlichten Daten zu den mittleren Geschwindigkeiten und Geschwindigkeitsverteilungen auf Bundesautobahnen hat das Umweltbundesamt die Treibhausgaseinsparungen eines Tempolimits auf Autobahnen in Deutschland neu berechnet.

Im Jahr 2019 verursachten Pkw und leichte Nutzfahrzeuge auf Bundesautobahnen in Deutschland Treibhausgasemissionen in Höhe von rund 43,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2-Äquivalente). Durch die Einführung eines generellen Tempolimits von 120 km/h auf Bundesautobahnen würden die Emissionen um jährlich 2,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente reduziert. Selbst ein Tempolimit von 130 km/h würde die Treibhausgasemissionen bereits um 1,9 Millionen Tonnen, ein Tempolimit von 100 km/h sogar um 5,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr mindern. 

„Es gibt kein Recht auf Rasen.“

Die Agumente sind flach, wenn es um das „Rasen“ geht. Man tut es, weil man es kann ohne an Konsequenzen zu denken. Die Situation ist hoch emotional und nur die wenigsten Fahrer sind bereit Fakten sprechen zu lassen. Oft eingebracht wird der Einwand, es würde eine Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten mit sich bringen. Ist das nicht ein bisschen zu billig, ja sogar absurd? Wie kann man regeln und einwirken?
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil will einen „Schlussstrich“ unter die Tempolimit-Debatte und hat selbst ein Limit genannt. Der dpa sagte er:  „Ich kenne auch die Gegenargumente zu einem Tempolimit, aber Erfahrungen aus anderen Staaten zeigen auch, dass ein Limit von Tempo 130 den Verkehrsfluss verbessern kann“. Weiter heisst es: „Ich finde, wir könnten nach der jahrzehntelangen Diskussion um eine Tempobegrenzung auf den Autobahnen endlich einen Schlussstrich ziehen“.

eMobilität von emobicon

Was bringt das Tempolimit für die Sicherheit?

Eine Menge, denn für die vielen Verkehrstoten auf deutschen Autobahnen ist überhöhte Geschwindigkeit eine Hauptursache. Allein auf deutschen Autobahnen sind laut statistischen Bundesamt zuletzt über 400 Menschen ums Leben gekommen. Fast 200 Verkehrstote und damit fast die Hälfte starb demnach auch wegen einer nicht angepassten Geschwindigkeit. Insgesamt starben 71 Prozent der Autobahn-Todesopfer auf Strecken ohne Tempolimit.

Allerdings liegt laut der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) der Anteil von Strecken ohne Geschwindigkeitsbegrenzung am gesamten Autobahnnetz bei rund 70 Prozent. Somit wird der hohe Anteil der Unfalltoten auf Strecken ohne Tempolimit etwas relativiert.

Aus dem Statistischen Bundesamt heisst es weiter, dass eine unangepasste Geschwindigkeit auf Abschnitten ohne Tempolimit für 45 Prozent der Verkehrstoten verantwortlich ist (135 von 301 Unfalltote). Aber bei Streckenabschnitten mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung spielte sie bei 50 Prozent der tödlich Verunglückten (61 von 123 Unfalltote) eine Rolle.

Wussten Sie… ?

… das es Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht erst seit der Erfindung des Autos gibt?
Deutschland führte bereits im 18. Jahrhundert zum Schutz der Fußgänger eine Schritt- und Trabgeschwindigkeit für Pferdekutschen ein. 2007 haben die Gesundheitsminister der Länder beschlossen, Passivraucher zu schützen, indem sie das Nichtraucherschutzgesetz erlassen haben. Alle öffentlichen Einrichtungen und Behörden, Kindertagesstätten, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Sportstätten und die Gastronomie wurden so über Nacht rauchfrei. Nach jahrelangen Diskussionen weiss man heute wie und das es geht mit Veränderungen Änderungen zu ermöglichen.
Man tut es einfach. 

Jeder weiss, dass in benachbarten Ländern Tempolimit und übrigens weitreichende Massnahmen beschlossen und teils jahrelange Praxis sind. Wir fügen uns, weil wir es müssen und haben damit kein Problem.

Argument Freiheitsberaubung – wirklich?

Ist Rasen Freiheit? Leben alle Nachbarn ohne Freiheit oder will man nicht sehen, dass deren Unfallzahlen deutlich geringer sind, weil nicht gerast wird? Warum stemmt sich jeder der Verkehrsminister – übrigens CSU Minister gegen dieses Thema? Weil der reale Ausstoss von CO2 nicht gemessen wird? Im vergangenen Jahr wurde zwar ein Tempolimit abgelehnt – liefern tut der Verkehr aber weiterhin kaum, wenn es um Senkungen der Unfallzahlen und Senkung des CO2 Ausstosses geht.

Ob Niederlande, Schweiz, Österreich oder Dänemark. Es wird sehr teuer wenn man auch nur geringfügig über dem Limit ist. Bei uns rast man selbst in einer 60 Zone einer Autobahnbaustelle 100 und das nicht als Ausnahme, sondern fast als Regelfall. Verkehrsteilnehmer, die sich z.B. in Schweden nicht an Vorschriften für die maximal erlaubte Geschwindigkeit halten, müssen mit deutlich höheren Strafen rechnen. Wer bis zu 10 km/h zu schnell fährt und geblitzt wird muss schon tief ins Portemonnaie greifen. In der Regel liegt die Geldbuße hierfür nämlich bei mindestens 150 Euro., ab 20 km zu schnell kann die Strafe schon ein Monatsgehalt sein – bei mehr als 22 km zu schnell kann es zur Beschlagnahmung des Fahrzeuges kommen.

Das könnte auf uns zukommen

  • Zum 1. Januar 2022 auf allen Autobahnen eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h.
  • Auf zweispurigen Landstraßen ein Tempolimit von 80 km/h.
  • Innerorts ein Limit von 30 km/h. Darüber allerdings sollen die Kommunen selbst entscheiden dürfen, was nicht wenige heute bereits schon tun.

Es wird zur CITYMAUT kommen, Fahreinschränkungen und deutlichen Verteuerung von Parkplätzen sind in Planung – so oder so ähnlich wie wir es heute schon aus dem benachbarten Ausland kennen. Auch eine Autobahnmaut ist längst Thema, auch wenn deutsche Verkehrsminister zuletzt damit gescheitert waren! Auf europäischer Ebene ist sie Thema. Deutschland wird sich dem nicht mehr verweigern können!

Individuelle Mobilität wird unattraktiver

Längst ist klar, das gerade Deutschland immer wieder auf der Bremse tritt. Maut, Tempolimit – all das findet hier (noch) nicht statt. Angeblich geht es nicht und angeblich schadet es der Wirtschaft. Nie hört man aber davon welchen Vorteil es bringen kann. Klares Ziel ist es aber, dass es durch die „Hintertür“ kommen wird. Mitte 2020 hatte der Sachverständigenrat für Umweltfragen, der die Bundesregierung und das Umweltministerium berät gesehen, dass diese und weitere Massnahmen unerlässlich seien, um eine individuelle Pkw-Nutzung unattraktiver zu machen. 

So oder so: Die Massnahmen sind alle in der Planung und in der Prüfung sollen sie mehr Gerechtigkeit in die Mobilität bringen. Was sind ein paar Jahre? Nichts und bekanntlich ist nach der Bundestagswahl – vor den Massnahmen der Zukunft!

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Über mich: eMobil Experte | Coach | Projekt Planer bei emobicon®

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Autor: Harald M.

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