Mobilität: Es gibt keine sauberen Verbrenner! Punkt!

von | 26.09.2020 | Allgemein | 0 Kommentare

Mobilität: Es gibt keine sauberen Verbrenner! Punkt!
Bild: emobicon

Verbrenner sind sauber? Ist mir neu. Hoch toxisch ist fossiler Kraftstoff der aus Rohöl mit viel Energieaufwand raffiniert zu Kraftstoff wird. Egal ob 1, 2 oder 6 Liter – das spielt keine Rolle. Warum vom „modernen Verbrenner“ gesprochen wird ist mir auch schleierhaft. Aber Hersteller und Politik hängen dran. Mal mehr, mal weniger. Spätestens, seit dem letzten Autogipfel, wo auch Förderung für Verbrenner gefordert wurde und Kalifornien, einer der wichtigsten Absatzmärkte für Fahrzeuge das Ende des Verbrenners angekündigt hat, wird die Absurdität erkennbar. Das Ende ist längst eingeleitet und selbst Hersteller schwenken um zu alternativen Antrieben. Aber zu langsam. Der Klimawandel zwingt zu weiteren drastischen Massnahmen. Die Dramatik wird immer deutlicher.

Statt nach vorn wird zurück geschaut

Tesla war längst da – rein elektrisch, modern und zukunftsorientiert, aber das kleine Start up wurde weder ernst genommen noch genau hingeschaut. Weit vor dem Dieselskandal im Herbst 2015 zeigte uns damit ein Unternehmen die Zukunft. Die deutschen Hersteller, satt, die Politik mit der Lobbyarbeit im Griff und der Rubel rollte. Als dann BMW mit dem i3 kam, Renault das Elektrofahrzeug ZOE auf den Markt brachte hatte man erkannt, dass man diese kleine Nische eben mal elektrifizieren sollte. Nebenbei, nicht ambitioniert und eilig verpassten die deutschen Autobauer ein paar Karosserien Batterie und Elektromotor. Es gab kaum Ladeinfrastruktur, kein Elektromobilitätsgesetz oder die Ladesäulenverordnung, wie man sie heute kennt. Bereits damals hatte Kalifornien eine Quoten für den Verkauf von „Null-Emissions-Autos“ angekündigt. Zunächst wurde aber nichts draus. Bis jetzt. Aber Norwegen, die Niederlande, Irland, Kroatien und andere haben sich festgelegt. Ab 2025 bis 2030 wird es nicht mehr möglich sein Verbrenner zu verkaufen. Aber es war noch weit weg. Keine Zeit für Eile. Und jetzt? Man hechelt hinterher. Und die Politik stützt die Vergangenheit, statt in die Zukunft zu schauen. Das wird keinen Job retten. 

Söder will ein Ende des Verbrenners – aber auch eine Prämie für Verbrenner

Wie weit die Politik denkt ist nicht ganz klar und das war es nie, aber erstaunlich ist dann doch, dass ausgerechnet der bayrische Ministerpräsident Söder auf dem virtuellen CSU-Parteitag gesagt hat, es müsse ein Zeitpunkt überlegt werden, ab dem keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden sollten. „Wir sollten da ein Enddatum definieren“. Das in Kalifornien festgelegte Jahr 2035 nannte Söder dabei „ein sehr gutes Datum“. Auch er spricht von Förderung für „moderne Verbrenner“ Es sind Verbrenner und nicht modern. Die Werte gefaket und das ist der Widerspruch zu den CO2 Vorgaben und Zielen der EU. Auch er weiss genau, dass der Verkehrssektor der ist, der in der Vergangenheit am wenigstens zur Reduzierung beigetragen hatte.

Plug in Modelle sind absurd

Und weil man so spät dran war wurde eilens was neues erfunden. Der Plug in Hybrid. So sauber, so modern und vor allem: Er verbrennt. In Europa ein Renner, aber nur weil er aus Deutschland kommt, hier absurder Weise (noch) gefördert wird. Der tote Gaul wird weiter geritten. Und das ganz schön viel und viel mehr als man verspricht. Falsch die Annahme, gelogen die Verbrauchsangaben und das wissen Hersteller und Politik genau. Insbesondere dann, wenn dieser Antriebsmix ganz einfach falsch genutzt wird. Den Herstellern ist es egal, denn sie haben das so konzipiert, das sie die selbe Produktionslinie nutzen kann, wie beim Verbrenner auch. Und auch hier der volle Machtbeweis. Die Politik machte Plug in Modelle zu Elektrofahrzeugen. Mit den selben Vorteilen wie reine Stromer. Selbst die meisten Nutzer erkennen das Drama – sie nehmen es hin. Tief in der Falle des Selbstbetrug.

Plug in ist ein Desaster

Steuerlich, mit „E“ Kennzeichen und ohne die Verpflichtung Plug in Modelle so zu nutzen, dass der mögliche Vorteil auch ausgereizt wird. Absurd ist das ohne hin, denn Plug in Modelle werden oft nicht geladen und damit verbrauchen sie deutlich mehr Kraftstoff als versprochen. Sauber ist was anderes.

Experten sprechen von 250 – 400 Prozent Mehrverbrauch. Und damit tragen sie nicht zur CO2 Reduzierung bei.  Ein Desaster und sowas wie Betrug. Nur wenige nutzen die Vorteile dieses Antriebes richtig. Man muss es ja auch nicht. Noch nicht. Es ist aber einfacher sich den scheinbaren grünen Anstrich zu geben. Noch. Plug in Fahrzeuge sind zwar noch gefördert, aber auch das steht längst zur Disposition. Ähnlich wie in den Niederlanden, wo man die Förderungen längst eingestellt hat und damit der Absatz der Plug in Modelle fast zum Stillstand kam. Schaut man sich die weiteren Nachteile an, dann offenbart sich die Situation in Deutschland , dass bereits in 2021 die KfZ Steuer steigt, Kraftstoffpreise sowieso steigen und schlussendlich jeder Vorteil aufgefressen wird. Auch die Maut ist wieder Thema – diesmal auf europäischer Ebene und Kommunen denken an eine Citymaut – alles andere als eine bequem Mobilität. Mit dieser Emotionalität wird auch argumentiert. Dusch mich, aber mach mich nicht nass. Viel Doppelmoral auf allen Seiten.

Das Thema Klima und Verkehr wird nun mit harten Bandagen geführt. Immer mehr Staaten machen ernst mit einer starken Umwelt- und Klimagesetzgebung, Norwegen ist so weit, die Niederlande, Dänemark. Irland arbeitet daran, auch Slowenien. Wenn die fünftgrösste Volkswirtschaft der Welt, Kalifornien in den USA das Ende erklärt, dann bedeutet es was – viel mehr, als wir und  heute vorstellen können.

CO2 Werte sollen noch weiter runter

Und die EU Kommission geht noch einen Schritt weiter. Noch deutlicher und noch schneller als geplant sollen die CO2 Emissionen runter. Besonders heftig wird es die Automobilindustrie treffen. Die Vorgaben für die Hersteller zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes sollen massiv gesteigert werden. Bislang gilt, dass die Hersteller den Ausstoß ihrer Neufahrzeuge von 2021 bis 2030 im Schnitt um 37,5 Prozent senken müssen. Nun peilt die Kommission „rund 50 Prozent“ weniger an. Es darf nicht vergessen werden, dass schon etliche Hersteller Schwierigkeiten haben werden, den Zielwert für 2021 zu erreichen. So wird etwa spekuliert, dass Daimler den Wert verfehlen wird und damit Strafzahlungen riskiert. Und warum? Weil der Verbrenner so sauber ist und so wenig CO2 ausstösst wie behauptet? Zumindest die deutsche Kanzlerin lehnt Prämien für Verbrenner ab.

Absurdistan ist aber auch das die Fahrzeuge immer dicker, schwerer und durstiger werden. EIN Fahrzeug dieser SUV Klasse stösst das vielfache des Grenzwertes aus und das soll noch gefördert werden?

Es hilft nichts. Die Preise müssen steigen und das tun sie stetig. Wenn Hersteller nachrechnen, dann gehts los mit Mega Rabatten für alternative Antriebe. Auch, weil es günstiger ist die Rabatte zu gewähren, statt die hohen Strafen zu zahlen.

Immer wieder werden lang angekündigte Markteinführungen von Elektrofahrzeugen verschoben. Zwar meistens nicht gesagt, aber ein offenes Geheimnis ist, dass es an Akkus fehlt. Eine schlichte falsche Planung und das zu späte reagieren auf den Markt und seine Erfordernisse. Dabei hies es immer wieder: Alles gut? Komisch, dass wir jetzt in der Situation sind.

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Wasserstoff oder e Fuels als Alternative?

Ist ebenfalls kein Thema – zurecht, denn mit bis zu 4 x mehr Energieaufwand als Stromer haben sie keine Chance. Gut, das selbst die Player wie VOLKSWAGEN und DAIMLER Tschüss gesagt haben. Es ist schlicht zu teuer und hat gegenüber der Batterietechnik keine Chance mehr und die weiteren Nachteile und Eindrücke zum Wasserstoff können Sie HIER nachlesen.

Jetzt soll E-Fuels den Verbrenner retten. E-Fuels, das sind synthetische Kraftstoffe, die sich aus erneuerbaren Energien gewinnen lassen. Der Verbrennungsmotor würde so klimafreundlich, rein theoretisch und die Behauptungen der Automobilindustrie. 16 kWh Primärenergieaufwand um einen Liter zu produzieren, so der Testlauf einer Anlage in Sachsen. Wahnsinn.

Dazu kommt, dass, rein praktisch, genau diese Kraftstoffe künftig  auch Schiffe und Flugzeuge betreiben sollen, dass sie mutmaßlich viel teurer sein werden als konventionelles Öl, und dies umso mehr, wenn die ganze Welt danach dürstete, das verschweigen die Strategen des Verbrenners. Und wieder: Sie verbrennen, aber was genau ? Auch wieder ein typisch deutscher Irrglauben. Es wird in einer Nische enden, oder eingestellt, bevor es los geht.

Es ist zu Ende. Neben Schadstoffen, zu viel Dreck, praktisch Gift ist es eben auch eine Frage des CO2, des Klimas und der Vernunft. Das die Politik hin und her gerissen ist, ist klar. Es geht um Jobs und gekaufte Lobbyarbeit. Dabei wissen alle genau was auf dem Spiel steht. 

Der Knall kam mit dem Abgasskandal

Wer je einem Verbrennungsprozess beigewohnt hat, und dafür muss man nicht nach Kalifornien reisen, weiß um die Absurdität dieser Wortkombination. Aus dem letzten Jahrhundert stammt die Technik. Perfektioniert durch deutsche Ingenieurskunst, auf dem Höhepunkt mit dem Abgasskandal 2015 gekrönt als dreckige Mobilität. Und das war schon viel länger klar, denn die Abgasmessungen zeigten die Gefährlichkeit lange auf. Und was kam dann? Ein Rechtsstreit der bis heute läuft, Milliardenzahlungen der Autobauer und auch der Benziner könnte einen Abgasskandal bekommen, mit all den Folgen, die es bereits gibt.

Natürlich wird die jüngste Ankündigung aus Kalifornien die Autobauer beflügeln, denn fest steht, dass auch andere Staaten dem Beispiel folgen werden. Und die Politik? In Deutschland halten Politik und Industrie am Verbrennungsmotor fest, als gäbe es kein Morgen. Das es schädlich ist, ist jedem klar. Zumindest helfen Förderungen der Elektromobilität. Das sieht man deutlich an den Zulassungszahlen der vergangenen Monate. Damit stützt man auch das Klima, denn der Anteil erneuerbarer Energien im Netz nimmt immer weiter zu.

Der Drops ist gelutscht

 Die Batterietechnik ist unendlich weit und längst nicht am Ende. Die Entwicklung ist stark, der Ausbau der Infrastruktur schreitet voran. Die Mythen haben sich überholt und nur Theoretiker holen sie noch raus. Einfach, wenn man mit einem Argument auf Elektromobilität haut, die Begleiterscheinungen von Öl, Verbrennungsmotoren, Umweltkatastrophen, Abgasskandal, falschen Abgas -und CO2 Werten haben gern verdrängt und diese keine Rolle spielen.

 Zeit in die Zukunft zu schauen, denn nur das kann Jobs retten oder schaffen. Nicht umsonst entstehen bei alternativen Antrieben neue Jobs, während grosse Hersteller Ihren Stellenabbau vorantreiben.

Wichtiger ist aber: Nur die neuen Antriebe, ein Umdenken in der Mobilität insgesamt kann zur Reduzierung der CO2 Emissionen führen. Auch deshalb werden Städte umgebaut werden. Eine deutliche Reduzierung des (Innenstadt) Verkehrs, wieder mehr Platz für Menschen, Fussgänger, Radfahrer. Der Lebensraum wird neu organisiert.
Die Veränderungen werden gewaltig sein. Und das viel schneller als die meisten glauben.

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