Mobilität: Die EU geht Plug in Hybriden mit Umweltauflagen an den Kragen

von | 20.03.2021 | Allgemein, Autobauer | 0 Kommentare

Mobilität: Die EU geht Plug in Hybriden mit Umweltauflagen an den Kragen
Foto: emobicon®

Plug-In Hybride sind beliebt und gleichzeitig umstritten. Angeblich sind sie sauber und klimafreundlich. Das Problem ist die Technologie als Ganzes, Verbrenner und Elektroantrieb und deren Nutzung. Autokonzerne, die sie schönreden, Nutzer, die sie oft ganz bewusst nicht laden und die steuerlichen Vorteile beanspruchen. Der Widerstand wächst und so plant die EU härtere Umweltauflagen. Und das besondere hierbei: Selbst Fahrzeuge in der Nutzung könnten deutliche Nachteile haben. Grund ist eine Klimastudie und die Tatsache, dass die EU bereits heute Fahrdaten sammelt. Diese beinhalten Fahr – und Ladedaten im laufenden Betrieb. Klar ist längst, dass Plug-In Hybride nicht die Grenzwerte von 95 Gramm je Kilometer einhalten. Es ist quasi eine Mogelpackung. Die EU-Kommission hatte dafür eine effektive Überwachung der Autohersteller beschlossen. Damit will man einen neuen Abgasskandal verhindern. Nach langem Ringen über das Thema steht fest: Nicht die Hersteller oder Behörden werden die Daten sammeln, sondern mit einer Direktübertragung im Fahrzeug. Konsequenzen sind sehr sicher…

Echte CO2 Daten beim Verbrauch werden verlangt

Die EU hatte also nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit ein massives Überwachungssystem scharf geschaltet, denn es befindet sich bereits an Bord von jedem Neuwagen. Das könnte vor allem für Hersteller von Plug-In-Hybriden problematisch und brisant werden. Noch hat der Nutzer keine Konsequenzen zu befürchten, aber die realen Fahrdaten betreffen zunächst nur Regelungen und mögliche Konsequenzen für Hersteller, Zulassung und Förderungen. Alle Fahrdaten sollen den realen, die Geschwindigkeit und die Nutzung von Modellen aufzeigen.

Diese On Board Technik funktioniert so, dass die EU-Verordnung vom 5. November 2018 vorschreibt, dass „Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge mit einer Einrichtung zur Überwachung des Kraftstoff- und/oder Stromverbrauchs ausgestattet sein müssen. Die Hersteller haben sich bis zuletzt massiv dagegen gewährt. Nun gilt eine Pflicht, dass jeder einzelne Neuwagen, der entweder mit einem Verbrennungsmotor fährt – egal, ob mit Benzin, Diesel oder Ethanol betrieben, wobei Erd- oder Autogas als Kraftstoff interessanterweise nicht erwähnt werden – sowie für Plug-In-Hybride, also Fahrzeuge mit einer Kombination aus Elektro- und Benzinmotor inklusive einer extern aufladbaren Batterie Daten sammeln und melden müssen.

Software Pflichtelement an Bord

So speichert das OBFCM (On Board Fuel Consumption Monitoring) als Hard- und/oder Software-Element den Kraftstoffverbrauch, die zurückgelegte Strecke, damit den Durchschnitt des Kraftstoffdurchflusses, die Geschwindigkeit. Interessant ist auch das Verhältnis von Motorkombinationen wie bei Plug-In Hybriden. Hier wird gemessen werden, wie hoch der Anteil der elektrischen, elektrisch unterstützen Strecken sind und wie der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch im Mix der Antriebe auf der Straße ist. Ferner kann dadurch festgestellt werden, wie oft nachgeladen wird. Beim Erreichen der Flottenziele hat allen Herstellern der Boom von Plug-in-Hybriden geholfen. Eher erschlichen, so Kritiker, denn in 2020 wurden rein statistisch nicht alle Modelle berücksichtigt. Plug-In-Hybride gehen derzeit nicht mit dem tatsächlichen Kraftstoffverbrauch in die Statistik ein. Das soll sich nun ändern.

Hersteller und Nutzer werden Probleme bekommen

Der EU sind die „Traumwerte“ der Hersteller ein Dorn im Auge. Angebliche 32 Gramm CO2 je Kilometer sind nicht realistisch. Das hat die EU längst erkannt. Denn die Hersteller unterstellen, dass die theoretische elektrische Reichweite von mittlerweile bis zu 100 Kilometern auch tatsächlich genutzt wird. Die Praxis sieht allerdings häufig anders aus: Werden die schwereren Fahrzeuge nur im Verbrennermodus gefahren, sind die Verbräuche wesentlich höher als etwa bei den sparsamsten Nur-Dieseln. Aus 2,3 Litern werden nicht selten 10 Liter und mehr pro 100 Kilometer Strecke. Elektrofahrzeug oder elektrifiziertes Modell, das ist die Frage. Alle (deutschen) Hersteller setzen auf eine massive Ausweitung des Plug-In-Anteils und hoffen so, ohne Strafzahlungen auch bei den anstehenden Verschärfungen der CO2-Flottengrenzwerte davon zu kommen.

Förderungen werden an Bedingungen geknüpft werden

Die Strategie der Hersteller könnte nun aber nach hinten losgehen. Denn die bislang geltenden theoretischen Werte könnten nun gekippt werden. Und das schneller als ursprünglich geplant. Nach Informationen von emobicon sehen Planungen vor die Privilegien für die Technologie mit den zwei Antrieben in 2022 zu kippen. Der Grund ist einfach: Die EU-Regulierung unterstellt, dass Plug-In-Hybride zu 70 Prozent im Elektro- und zu 30 Prozent im Verbrennermodus gefahren werden. Dieser sogenannte Nutzungsfaktor ist in der einschlägigen WLTP-Verordnung festgeschrieben. Erste Studien zeigen nun aber auf, dass Privatleute im Schnitt nur auf einen E-Anteil von 43 Prozent kommen, Dienstwagenbenutzer, die womöglich nur eine Tankkarte haben, nutzen den E-Antrieb nur zu 18 Prozent.

Nach der Bundestagswahl ist vor der Änderung

Der Druck ist hoch. Alle Hersteller kennen die Problematik. Selbst Lobbyisten der Hersteller wissen, dass die EU-Regulierung kommen wird. Von VW heißt es dazu: „Für eine Diskussion der Nutzungsfaktoren erwarten wir gegenüber heute deutlich veränderte reale Fahrdaten.“

Klimaschützer mobilisieren gegen die immer größeren SUV-Modelle unter den Plug-In-Hybriden. Nicht selten werden die CO2 Grenzwerte deutlich überschritten. Fest steht bereits, dass die Kommission die realitätsleere Nutzungsverordnung für Plug-In-Hybride relativ leicht anpassen wird. Sie muss dafür nicht einmal ein neues EU-Gesetz machen. Die Problematik für viele wird der laufende Betrieb sein. So plant die EU sogar rückwirkend Änderungen. Damit wird jeder theoretische Vorteil kassiert. Damit könnten auch die Steuern deutlich steigen, Fahreinschränkungen drohen, Vorteile versagt werden. Den Mitgliedsländern würden bei einer derartigen Operation nicht die vollen Mitspracherechte zustehen.

Das Plug-In Privileg wird fallen

Sehr wahrscheinlich ist, dass dieses Thema sehr schnell angegangen wird. Ohnehin plant man auf EU Ebene, dass die CO2-Flottenziele für die Jahre 2025 und 2030 noch einmal verschärft werden. Kurzfristige Lösungen, die ab 2022 gelten könnten, sind in der Abstimmung. Nach bisherigem EU-Gesetz soll der Ausstoß von 2021 bis 2030 im Schnitt um 37,5 Prozent gesenkt werden. Dieser Wert soll auf 50 Prozent erhöht werden und dazu wird im Juni einen Gesetzgebungsvorschlag vorlegt. Im Zuge dessen, so die Erwartung in Brüssel, dürfte das Privileg für Plug-In-Hybride fallen. Die Hersteller müssen sich dann etwas Neues einfallen lassen. Streicht man Förderungen und Privilegien wird sich die „Mobilitätssteuer“ insbesondere bei Plug-In Modellen auswirken, denn der Verbrauch ist meistens viel höher, als gedacht. Damit werden die Modelle deutlich unattraktiver.

Elektromobilität von emobicon

Strafzahlungen der Hersteller könnten steigen

Und jede Änderung wird problematisch für die Hersteller. Nach Überprüfung durch die zuständige Typgenehmigungsbehörde der EU wird man die sofort verfügbaren Daten nutzen. Es geht hierbei um die Berechnung der durchschnittlichen spezifischen CO2-Emissionen des jeweiligen Herstellers und der Bewertung. Damit drohen durch die EU-Flottenvorgaben höhere Strafzahlungen. Das Gutachten führt dazu aus: „Die nach dem beschriebenen Verfahren von den nationalen Behörden festgestellten und an die Kommission gemeldeten Unregelmäßigkeiten wirken sich auf die von einem Hersteller zu erhebende Abgabe wegen Emissionsüberschreitung nach Art. 8 der Verordnung (EU) 2019/631 aus.“ Strafen von mehreren tausend Euro, pro Fahrzeug scheinen sicher.

Der komplizierte Weg zur Förderung für Unternehmen

EU-Flottenvorgaben sind Pflicht

Abweichungen der Strafzahlungen für Autohersteller sind möglich, nämlich dann, wenn die EU-Flottenvorgaben nicht erfüllt werden. Das Problem für die Hersteller ist aber, dass mögliche Änderungen bereits ab dem kommenden Jahr gelten könnten. Jede Planung scheint damit derzeit nur sinnvoll, wenn sie über das Maß der aktuellen Regelung gilt. Das wirkt sich dann deutlich auf die Attraktivität von Plug-In Modellen aus. Nach Information von emobicon könnten Hersteller verpflichtet werden nicht abschaltbare Modi einzubauen, die den Zwang des Aufladens Nachdruck verleihen. Bislang sind diese Möglichkeiten freiwillig. Nur wenige Hersteller nutzen die Technologie. Förderungen könnten nur unter Auflagen gewährt werden. Und das bereits ab dem Herbst 2021. Die derzeitig geplanten Maßnahmen und Vorgaben reichen längst nicht mehr aus, heißt es von der Kommission.

Auch der Verbraucher soll geschützt werden

Es geht auch darum, uns Verbraucher zu schützen. So sollen Kunden bei betrügerischem Vorgehen von Autoherstellern besser geschützt werden und mehr Möglichkeiten für Schadensersatz haben. 

Mit sehr viel Mühe erklärt der Verband der Automobilindustrie (VDA) regelmäßig wie modern und zukunftsweisend die Plug-In Hybrid Technologie ist. Aber das Problem bleibt: Die Verbrauchs Daten stimmen nicht automatisch, die Schwächen sind längst bei der EU-Kommission angelangt und Plug-In Hybride werden demnach zurecht oft als Mogelpackung bezeichnet. Tatsache ist, dass Plug-In Hybride oft nicht zum Nutzungsprofil passen und dass das regelmäßige Nachladen der Batterie nicht erfolgt. Der VDA warnte zuletzt immer wieder vor „Verunglimpfung“. Heftigen Gegenwind gibt es von der Deutschen Umwelthilfe, die aufzeigt, wie die Realität ist. 

„Plug-In-Hybride leisten einen erheblichen Beitrag zur CO2-Reduzierung, wenn sie bestimmungsgemäß genutzt werden. Wer die elektrische Reichweite ausschöpft und täglich Ökostrom lädt, kann nahezu 100 Prozent klimaneutral fahren. Wir beobachten vor allem bei Privatkunden, dass sehr viel elektrisch gefahren wird.“ – so der VDA. Bei den wichtigeren Geschäftskunden sieht das erfahrungsgemäß aber anders aus. Dabei macht der VDA vor allem Flottenverantwortliche mit verantwortlich und setzt auf Anreize, zum Beispiel durch Ladekarten. Beim Vertrieb wird das, gerade bei Plug-In Hybriden, oft vernachlässigt oder klein geredet. So die Erfahrungen von emobicon. Es sieht nicht gut aus für eine Technologie, die als Zwischenlösung gedacht war, der Realität aber nicht standhält. Mal wieder hat die Automobilindustrie nicht das gehalten, was sie versprochen hatte. Die Plug-In Technologie ist längst entzaubert…

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Autor: Stefan Blome

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