Mobilität: Das Tempolimit kommt, weil es ohne Alternative ist

von | 28.12.2019 | Allgemein | 0 Kommentare

Die Diskussion ist ziemlich daneben, mühselig und sinnlos, denn fest steht: Ein Tempolimit auf deutschen Strassen wird ganz sicher kommen. Keine Gründe, die dagegen sprechen, dafür viele Gründe, die die Vorteile aufzeigen. Es wird niemanden was genommen. Ein emobicon Kommentar

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Liest man sich in Foren, auf Social Media Kanälen die lange Diskussion vom #Tempolimit einmal durch, dann merkt man eines: Es gibt keine vernünftigen Gründe gegen das Tempolimit, aber viele vernünftige Gründe dafür. Es war schon immer so: Alles was neu ist, wird in der Theorie zerrissen. Das kennen wir in der ewigen Diskussion bei der Elektromobilität auch. Aber diese Themenfelder gab es beim Computer und dem Vergleich zur Schreibmaschine, beim Mobilfunk, beim Tierschutz, beim Klima, bei der Energie. Festzustellen ist: Poltern tun die einen und das meist unsachlich und ohne Grund. Wir werden damit zurecht kommen, weil niemand einen Nachteil hat. Schade um die verschwendete Energie und das Aufzeigen von viel Dummheit.

Hysterie wegen nichts

Es ist eine Mischung aus Satire und Hysterie, denn wegen nichts aufzuregen ist schon ziemlich bezeichnend. Des deutschen liebstes Kind soll in die richtigen Bahnen und da es keine Nachteile gibt darf man fragen, warum eine solche Diskussion überhaupt geführt wird

Um was geht es eigentlich? Die Union sieht die Forderung nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen als „Hysterie“, denn ihr passt die Diskussion nicht. Das liegt auch daran, weil sie keine vernünftigen, wissenschaftlichen Fakten liefern kann, um die Diskussion damit zu beenden. Ihr Plan scheint schief zugehen, sich einen grünen Anstrich zu geben, denn Fakt ist, dass  in Zeiten des Klimanotstands dieser Vorschlag, der wenig kostet, aber viel bringen wird nicht von Ihr kommt. Dafür ist sie zu einseitig aufgestellt und auch immer noch in Ihrer Lobbyfunktion, die all das verhindert, was der Automobilindustrie angeblich schadet. 

Klar ist: Wenn es je eines Beweises bedurft hätte, wie anachronistisch die Unionsparteien in Sachen Klimaschutz unterwegs sind, dann wurde er jetzt erbracht. Alles nur Makulatur und das grüne Gewissen der Union existiert eben nicht.

 

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Verlust von Freiheit existiert nicht

Ist es zumutbar, wenn ein Tempolimit Wirklichkeit wird? Ja, weil eine solche einfache Maßnahme ein zumutbares Verbot ist und ein möglicher Verlust von Freiheit nicht existiert. Es sind vorgeschobene Billigargumente und das hat nur den Grund: Man nicht sehen will, dass in den meisten Ländern, übrigens auch in Europa, viel grundsätzlicheren Veränderungen bewältigt werden sollen und müssen, die jetzt auf uns zu kommen. Denn tatsächlich bedroht der Klimawandel unsere gesamte industrielle Lebensweise.

Viel Doppelmoral in der Diskussion

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Ein Tempolimit hat nur Vorteile. Es gibt nichts, was dagegen steht. Es braucht keine Diskussion, dass das Fahren auch sicherer und unendlich entspannter sein wird. Das behaupte ich nicht – ich weiss es. Zuletzt erlebt über tausende Kilometer, die ich elektrisch nach Portugal gefahren bin. Frankreich, Spanien, Portugal. Europa im Tempolimit und niemand regt sich auf. Dafür spricht alles. 

Zwar gehören die deutschen Autobahnen zu den sichersten Straßen der Welt, aber dennoch sind auf ihnen im vergangenen Jahr 425 Menschen bei Unfällen gestorben und fast 6000 schwer verletzt worden. Als Unfallursache Nummer eins nennt das Statistische Bundesamt „nicht angepasste Geschwindigkeit“. An einem 62 Kilometer langen Abschnitt der A24 in Brandenburg ließ der zuständige Landesbetrieb untersuchen, was ein Tempolimit daran ändert. Ergebnis: Nachdem die 130-Schilder aufgestellt waren, halbierte sich in den folgenden drei Jahren die Zahl der schweren Unfälle.
Und in Deutschland ist man für das freie Rasen für freie Bürger? Viel Doppelmoral würde ich sagen.

Immer die gleichen die gegen alle Veränderungen sind

Grenzenlose Geschwindigkeit auf deutschen Autobahnen – dass die erhalten bleibt, dafür hat bislang immer eine konstant verlässliche Koalition aus dem CSU-geführten Verkehrsministerium, dem ADAC und der Autoindustrie gesorgt. Ein Autofahrer – Club, der sich im Wind dreht und keine Meinung hat, oder die kaum mehr ernst zu nehmen ist, so widersprüchlich wie man sich dort benimmt. Ein CSU geführtes Bundesverkehrsministerium, dessen Minister in den Jahren nichts vollbracht haben, aber aus denen Abgasskandal, vergeigte und teurer Mautflop und das Desaster der Bahn geworden sind. Und sicherlich so manches mehr. Und eine Autoindustrie, die  sich jetzt um weitere Fründe sorgt, weil sie das Thema alternative Antriebe rund um die Elektromobilität verschlafen hat und jetzt weit hinterher hängt. Sie machen Stimmung wegen nichts.

Die Mehrheit ist für ein Tempolimit

Tempo und PS beweisen, aber für wen? Weil die dicken SUV und überwiegend die in Baustellen Bereichen auf der Autobahn immer die linke und damit die meist schmalste Spur nutzen, um zu überholen, oder weil man sich selber was beweisen muss? Gefährlich ist es und verboten übrigens auch. 

Doch die letzte Bastion freien Rasens in der Welt bröckelt. Und das in Deutschland. Längst überfällig, zeigt sogar eine aktuelle Umfrage kurz vor Weihnachten, dass  zwei Drittel der Bevölkerung klar für ein Tempolimit sind. Dabei fanden die meisten eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern richtig. Gut so. 

Aber der Bundesverkehrsminister will die Diskussion lieber beenden, denn ihm fehlen die Argumente – wie allen Gegnern. Er und die anderen müssten sich eingestehen, wie dämlich deren vorgeschobenen Gründe sind. Nach und nach bricht nun die Basis weg und schon gibt es für den (Noch) Minister Scheuer neue Probleme, nach dem teuren Desaster rund um die Maut, der uns über eine halbe Milliarde Euro kosten wird. Aber auch die ist damit nicht vom Tisch.

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Die Politik und deren Widersprüche

Dabei wäre der Deutschen Politik sogar zuzutrauen, dass man die sinnlose Raserei zum nationalen Kulturgut erklärt. Kann man das Verkaufen? Nicht wirklich und wäre an Idiotie kaum zu vermitteln. Aber was und wie will man das noch verhindern? Dann müsste die Union mit der AfD zu einem Konsens kommen – die wollen das auch – sind sie doch sowieso gegen alles und jeden und jede Veränderung wird sowieso zerrissen.

Tempolimit auch gut für das Klima

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Die Einführung eines Tempolimits kostet fast nichts. Und sogar das Klima profitiert – im kleinen Rahmen, aber immerhin. Es geht um etwa drei Millionen Tonnen CO₂ jährlich. „Die Einführung eines allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen wäre ein kurzfristig realisierbarer, kostengünstiger und wirksamer Beitrag zur Reduzierung der CO₂-Emissionen und des Kraftstoffverbrauchs“, schreibt das Umweltbundesamt. 

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen setzt in einem Sondergutachten zudem auf Folgewirkungen eines Tempolimits: Motorenleistung und Gewicht von Neuwagen würden demnach voraussichtlich abnehmen, Energieverbrauch und CO₂-Ausstoß damit sinken, und das eben nicht nur auf Autobahnen, sondern überall auf der Welt, wo diese leichteren Autos fahren. Denn grosse Motoren sind genau so sinnfrei, wie das Rasen. Warum poltert man nun, redet sich um Kopf und Kragen und erfindet Lügen und Ausreden? Weil es bequem ist und einfacher erscheint, dabei ist längst entschieden das ein Tempolimit kommen wird, wetten?

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