Ladeinfrastruktur: Wenn TESLA seine Supercharger für alle öffnet

von | 16.11.2021 | Ladeinfrastruktur | 0 Kommentare

Ladeinfrastruktur: Wenn TESLA seine Supercharger für alle öffnet

Die Ankündigung war wie ein Paukenschlag und verursacht für so manchen ziemliche Bauchschmerzen. Künftig soll es möglich sein, dass Tesla Supercharger auch von anderen Fahrzeugen anderer Marken genutzt werden können. Viele Tesla Fahrer liefen Sturm, denn die Befürchtung ist, dass Tesla Fahrer an den Charger warten müssten, weil Fremdmarken die Schnelllader blockieren. Aber wäre das so? Fest steht: In den Niederlanden wird an einigen Standorten getestet was die Zukunft sein soll und klar scheint: Fremdmarken müssen mit höhere Preisen für das Laden rechnen. Warum es gar nicht so schlimm ist.

Tesla öffnet seine Supercharger auch für die Fahrer anderer Automarken. So die Ankündigung von CEO Elon Musk per Tweet. Die ersten zehn dieser für alle offenen Standorte befinden sich in den Niederlanden. Die Benutzung funktioniert nur mit der Tesla-App – Tesla hat dafür den Menüpunkt „Nicht-Tesla aufladen“ in die App integriert. Das Aufladen funktioniert nur bei Fahrzeugen mit CCS-Ladeanschluss. Der amerikanische Elektroautohersteller nutzt die Chance und macht über die App gleichzeitig kräftig Werbung. Tesla muss aber aufpassen, wenn er Fahrzeuge aus eigener Produktion nicht benachteiligt, denn genau das wird unter anderem befürchtet. So soll es keine Engpässe geben die dazu führen würden, dass Tesla Fahrzeuge an Supercharger Standorten warten müssen, während Fahrzeuge von Fremdmarken aktuell laden. Ein weiteres Problem könnte aufkommen, wenn Fremdmarken-Fahrer quer vor den Ladesäulen parken und somit mehrere Ladeplätze blockieren, weil sich der Ladeanschluss dieser Fahrzeuge an einer anderen Stelle befindet und das Auto sich anders gar nicht laden lässt. Deshalb gibt die App auch Warnhinweise aus, dass Querparken vor den Superchargern untersagt ist. Strafgebühren für das Blockieren von Ladesäulen erhebt Tesla bei Nicht-Teslafahrern und Teslafahrern in gleicher Höhe. Und diese sind mit rund 1 Euro pro Minute nach dem Laden empfindlich hoch.

Andere Marken – andere Ladepreise

Bisher dürfen nur Fremdmarken-Elektroautofahrer mit Wohnsitz in den Niederlanden an den markenübergreifenden Superchargern laden, später sollen auch ausländische Nicht-Teslafahrer die Ladestationen nutzen können. Die Pilotversuch-Standorte befinden sich in Apeldoorn Oost, Breukelen, Duiven, Eemnes, Hengelo, Meerkerk, Naarden, Sassenheim, Tilburg und Zwolle. Aktuell verlangt Tesla von Nicht-Teslafahrern 57 Euro-Cent pro Kilowattstunde. Der Hersteller begründet die im Vergleich zum niedrigeren Teslafahrer-Preis höheren Kosten mit einem erhöhten Aufwand beim Laden von Fremdprodukten. Nicht-Teslafahrer sollen in Zukunft aber auch ein Abo abschließen können. Dieses Abo kostet dann pro Monat 13 Euro und senkt den Kilowattstundenpreis auf 24 Euro-Cent.

Die Unterscheidung der Preise beruhigt, denn ein gleichwertiger Preis könnte zu einem Problem werden. Die DC und HPC Preise anderer Anbieter sind höher als für Tesla Fahrer an den Superchargern zahlen. Einzelne Marken mit eingeschränkten Modellen zahlen zumindest zeitlich begrenzt sogar noch weniger – z.B. an den HPC Ladern von IONITY. Dort kann man mindestens ein Jahr für nur 0,29 € pro Kilowatt somit so ähnlich und nicht günstiger. Tesla Fahrer müssen dort mehr zahlen, ein anderer Ladezugang ist nötig.. Einzig einige Flatrate Anbieter können günstigere Ladepreise aufrufen, EnBW nimmt für das „Hochpreis Angebot“ aktuell 0,79 € je Kilowatt bei IONITY.

Mit 0,57 € pro Kilowatt Energie wie an den Superchargern in den Niederlanden wäre das Aufladen sehr lukrativ, wenn man sich Preisentwicklung anschaut. Spannend wird sein, wie sich der Energiepreis in Deutschland entwickelt und welchen Preis Tesla hier aufrufen wird. Fast egal für viele, denn das „Erlebnis Supercharger“ lockt auch viele Nutzer von Fremdmarken und ohnehin ist längst bekannt, dass die Supercharger Standorte von Tesla sehr zuverlässig funktionieren. Insgesamt steht aber fest, dass Tesla damit wieder das schaffen dürfte, was andere Anbieter und Hersteller nicht leisten. Tief sitzt zudem der Frust über die nicht zu akzeptierten Preise von IONITY, die im Standard 0,79 € pro Kilowatt kosten. Spätestens mit Öffnung der Supercharger für alle ist mit sinkenden Preise an DC und HPC Stationen zu rechnen.

Tesla vor Freigabe anderer Fahrzeugmarken für seine Supercharger

Laden für alle soll mit den Superchargern einfacher werden

An den US-Standorten können also noch in diesem Jahr auch die Fahrer anderer Marken ihre Autos an Teslas Superchargern aufladen. Allein in den USA betreibt Tesla aktuell an fast 1.000 Standorten Supercharger – die Zahl der Ladepunkte dort hat Tesla nicht veröffentlicht. Hinzu kommt, dass Tesla zu Thanksgiving (einer der wichtigsten Feiertage der USA, immer am vierten Donnerstag im November), Weihnachten und weiteren Stoßzeiten, in der Nähe von Verkehrsknotenpunkten mobile Megacharger aufstellt – an denen es dann aber trotzdem oft zu langen Staus kommt. Und um das Aufladen noch sicherer zu machen.

Deutlicher Ausbau der Standorte geplant

Auch deutsche Kunden können sich bald freuen: Auf Twitter gab CEO Elon Musk bekannt, dass Tesla mit der Zeit sämtliche Supercharger in allen Ländern für die Fahrzeuge fremder Marken öffnen will. Einen konkreten Zeitplan gibt es aktuell noch nicht. Musk, bekannt für Überraschungen wird sich dafür sicherlich etwas besonderes einfallen lassen. In Deutschland betreibt Tesla aktuell an 90 Standorten Supercharger mit insgesamt 1.000 Ladepunkten.

Fest steht aber: Die Öffnung der Supercharger wird nicht über Nacht passieren. Das zeigt eine Meldung aus Norwegen. Dort hat der Verwaltungsrat der Provinz Vestland ganz offensichtlich über Zuschüsse für den Bau von 5 Superchargern beraten und die Leistungen an bestimmte Bedingungen geknüpft. Unter anderem daran, dass die Supercharger bis spätestens Ende 2022 auch von Nicht-Tesla-Fahrern genutzt werden können. Laut dem Protokoll einer Ratssitzung der Vestland fylkeskommune, das electrek.co vorliegt, hat Tesla dies bereits bestätigt. Norwegen ist wegen der extrem hohen Verbreitung von Elektroautos der bevorzugte Testmarkt für diverse Autobauer.

Tesla will die Größe seines weltweiten Schnellladenetzwerks innerhalb der kommenden zwei Jahre verdreifachen. Das Supercharger Netz soll künftig schneller wachsen als die Zahl der eigenen Elektroautos. Das bedeute zwar höllisch viel Arbeit für das eigene Team, sei aber erforderlich, weil die Öffnung für andere Elektroautos sonst keinen echten Nutzen habe.

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Plug and Charge vorerst nur für TESLA Fahrzeuge

Technisch bietet sich Europa für eine schnelle Freigabe der Supercharger an, weil Tesla hier alle Standorte auf den CCS-Stecker-Standard umgerüstet hat und praktisch alle neuen Elektroautos mit Schnellladefunktion CCS-Anschlüsse besitzen. Fahrzeuge mit geringer Ladeleistung wie eGolf und e-up, 500e von Fiat oder e208 von Peugeot gehören ohnehin nicht zur Zielgruppe. Sie können technisch zwar die Supercharger nutzen, allerdings ist die Ladeleistung fahrzeugbedingt eher gering. Anspruchsvoller und anders ist es beim Thema Abrechnung der Ladevorgänge. Schliesst man ein TESLA Elektrofahrzeug an den Supercharger an, kommuniziert das Fahrzeug mit dem Charger und gibt den Ladevorgang frei. Keine Ladekarte, keine App, keine Kompatibilitätsprobleme. Man nennt es „Plug and Charge“ Nur wenige andere Hersteller können das aktuell mit Ihren Modellen. Fest steht. Tesla will darauf nicht warten. Deshalb wurde die Tesla App diesbezüglich ergänzt. Mit der Anmeldung und Zahlungsinformationen dort kann jedes andere Elektrofahrzeug mit CCS Anschluss an den Superchargern laden. Die Freigabe wird über die Tesla App organisiert. Dieses Vorgehen kennen die meisten Nutzer von Elektrofahrzeugen durch andere Anbieter.

Ladepreise könnten variieren

Bei der Preisgestaltung wird Tesla sicher einen anderen Weg gehen, denn klar ist längst, dass die Zeit von Einheitspreis zu jeder Tageszeit zu Ende gehen wird. Die Auslastung der Supercharger ist dabei ein Kriterium. Wer zu Randzeiten lädt, spart Geld. Wer zu Stoßzeiten laden will (oder muss), bezahlt einen Aufschlag. Wir werden diese Regelung sicher auch im gesamtem Leben hinnehmen und eigentlich ist es nichts anderes als bekanntlich an Tankstellen, dessen Preise sind viele Male am Tag teils deutlich unterscheiden.

Tesla und die für alle offenen Supercharger wird Realität. Warum es Angst machen soll ist somit nicht bekannt. Sicherlich wird auch das System im Einzelfall an Grenzen stoßen. Kommt man auf einer Urlaubsreise nicht auch ab und an die Grenzen an einer Tankstelle, wenn man lange Schlangen hinnehmen muss? Der Vorteil für Tesla kann noch ergänzt werden, denn die Führungsrolle bei der Ladeinfrastruktur wird man dem amerikanischen Autobauer auch deshalb nicht so schnell nehmen können.

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Autor: Harald M.

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