Ladeinfrastruktur: Wenn EnBW dem Anbieter IONITY Paroli bietet

von | 26.03.2020 | Ladeinfrastruktur | 1 Kommentar

Es wäre so einfach und so gut. Kunden anderer Anbieter können über Roaming das Schnellladenetz von IONITY nutzen. Das geht auch immer noch aber zu Preisen die auch aus unserer Sicht nicht marktgerecht sind. Nun ist klar, dass EnBW Kunden nicht mehr an den Ultra Schnellladern von IONITY laden können. Hintergrund sind offenbar gescheiterte Preisverhandlungen zwischen den beiden Unternehmen. EnBW sieht sich aber gut aufgestellt und baut sein Ladenetz weiter aus.


von Harald M. Depta | emobicon – CoverBild: emobicon

Die EnBW will nach eigenen Angaben das das größte Schnellladenetzwerk für Elektroautos in Deutschland installiert haben. Sogenannte HPC Lader werden nur ergänzend oder zusätzlich an den bisherigen Standorten aufgebaut. Mit zahlreichen weiteren Standorten prescht EnBW vor und verdichtet sein Netz deutlich. Man sucht nach geeigneten Standorten. Geld scheint genug da zu sein. Bis zum Sommer sollen weitere 55 Standorte mit zusätzlichen 140 Ladepunkten hinzukommen. Der Druck scheint gross zu sein und gleichzeitig kann ich als Elektroautofahrer nur begrüssen, was gerade passiert. Denn die Enttäuschung über IONITY hält sich in der Community hartnäckig.

Eingeschränktes Roaming durch überhöhte Preise

720 Ladepunkte an 120 Standorten wurden in knapp 18 Monaten installiert. Die Planung und Umsetzung der Projekte erfolgt dabei komplett intern. Durch die Zusammenarbeit mit dem Bereich Elektromobilität und der 100 prozentigen Tochtergesellschaft Netze BW konnte EnBW im Schnitt einen Standort pro Woche mit Ladeinfrastruktur ausstatten.

Rückblick: Der Ladesäulenbetreiber Ionity, an dem die Automobilkonzerne Volkswagen, Daimler, BMW, Ford und Hyundai beteiligt sind, hatte zuletzt bereits mit der Erhöhung des Fahrstrompreises für Nicht-Vertragskunden für Aufregung gesorgt. Seit Februar zahlen Privatabnehmer beim ad-hoc-Laden 79 Cent pro Kilowattstunde. Wie es scheint, hat das Unternehmen in diesem Zusammenhang auch die Preise für Businesskunden angehoben.

Erstaunlich scheint, dass auch der sogenannte Grosshandelspreis für Anbieter, die sich per Roaming in das IONITY System einbinden wollten deutlich zu hoch liegt. Rechnet man deren Kosten dazu sind bis zu einem Euro pro Kilowattstunde möglich. Hammer und nicht akzeptabel. Fahrer von Elektrofahrzeugen regieren sensibel wenn es um die Preisfindung an Ladestationen geht. zurecht. Denn zuletzt war viel Wildwuchs entstanden. Und bekanntlich kann nur eine Enthaltung dafür sorgen, das die Ladepreise marktgerecht werden.

Das eigene Ladenetz im Focus

Nun ist klar: EnBW mag nicht mehr und spricht davon, dass man sich mit IONITY nicht einigen konnte. Nun treibt man mit der eigenen Infrastruktur die Mobilitätswende auch innerhalb des Unternehmens voran. Die eigene Ladeinfrastruktur für Mitarbeiter steht ebenso im Focus. Auch Gäste des Unternehmens können an den Standorten die Infrastruktur nutzen.

Ob Mobility-Kunden von EnBW auch auf Dauer nicht an Ionity-Säulen tanken können, bleibt aber abzuwarten. EnBW betont zwar ein reges Interesse, künftig wieder einen Zugang zu den DC-Schnellladern bieten zu können, die vor allem auf Autobahn-Raststätten zu finden sind. Aber derzeit ist es nicht mehr möglich. Ich finde es auch nicht schlimm. Das Netz wächst, unabhängig von IONITY und ehrlich gesagt vermisse ich es auch nicht. Die Frage ist, ob sich IONITY damit einen Gefallen tut. Intern heisst es, dass man „verhindern“ will, das TESLA Fahrzeuge dort laden. Waren es doch gerade die Model 3 die für einen Pauschalbetrag von 8 Euro die meist grossen Akkus schnell nachladen konnten.

Preisüberwachung durch Behörden

Der Markt ist heftig in Bewegung. Nicht nur um die Standorte wird gerungen, sondern auch um Tarife, Zugänge und Roaming. Dieses Durcheinander macht es schwer, wenn man eine klare Linie braucht um Ladesicherheit zu erhalten. Marktgerecht ist der Preis der IONITY Stationen nicht. Wichtig ist aber, dass Schnellladestationen einen zentralen Punkt bilden, um Elektromobilität sicher zu machen – also Ladesicherheit geben soll.


Spannend ist in dem Zusammenhang auch, dass Wettbewerbshüter bereits drauf schauen, wie sich Tarife und Ladeinfrastruktur entwickeln.

So wurde New Motion von SHELL bereits abgemahnt, weil die Preisangaben nicht korrekt oder unvollständig waren. Ob IONITY und seine Preispolitik richtig sind, wird derzeit auch von der Wettbewerbszentrale überprüft. ich selbst hatte dazu die Wettbewerbszentrale eingeschaltet. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor.

Da es aber Alternativen gibt, muss man sie nur nutzen. Am Besten mit Apps die diese Stationen finden. Vorteilhaft sind auch noch Autostrom Altverträge – zum Beispiel Flatrates, so wie man das von einem Smartphone Tarif kennt. Ein Preis pro Monat ohne sich Gedanken über den Preis pro Kilowattstunde zu machen. In wie weit sich diese Modelle wieder durchsetzen bleibt abzuwarten und hängt davon ab, wie sich die Preise an den Ladestationen entwickeln werden.

Keine Angst von IONITY

EnBW hat keine Angst von IONITY. Aus gutem Grund. EnBW operiert bundesweit und verfügt nach eigenen Angaben über das größte Netz an Ladepunkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Insgesamt betreibt man mehr als 30.000 Schnell- und Normalladepunkte. Angaben zur Kundenzahl macht EnBW nicht. Ionity hat aktuell rund 200 moderne Schnellladesäulen in Deutschland in Betrieb, meist an prominenten Plätzen. Das Netz soll zudem zügig wachsen.

1 Kommentar

  1. Tina

    sehr wertvoller beitrag!
    liebe grüße

    Antworten

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Über mich: Der Experte rund ums Thema eMobilität.

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