Ladeinfrastruktur: Kommt die Kartenzahlung für die Ladesäulen?

von | 14.04.2021 | Allgemein, Ladeinfrastruktur | 0 Kommentare

Ladeinfrastruktur: Kommt die Kartenzahlung für die Ladesäulen?

Der Zugang zur Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge wird immer wieder kritisiert. Zurecht, wenn man häufig mehrere Ladekarten und Zugänge per App benötigt, um Strom zu erhalten. Oft wird behauptet, dass eine mögliche Lösung das Laden per Bank oder Kreditkarte sei. Ist das so? Insbesondere Banken sehen hier ein Geschäftsmodell. Aus unserer Sicht ein deutlicher Nachteil, durch hohe Gebühren für kleine Beträge. Nutzt man heute schon die Möglichkeiten wird meistens pauschal abgerechnet – nicht nach Kilowattstunde, sondern pro Ladevorgang – egal wieviel Strom geflossen ist. Grundgebühren für Kartenlesegeräte und die Konnektivität – Unsicherheiten, die auch nicht geklärt sind. Statt das Roaming zwischen den Anbietern zu vereinfachen und klare Regeln aufzustellen, wird eine neue undurchsichtige Lösung schöngeredet, die keine Lösung sein wird. Das rechtliche vorgeschriebene Eichrecht ist zudem nicht darauf eingestellt. Es wird schwierig…

Gewinner die Banken – Verlierer der Nutzer?

Warum sollten sich Ladesäulenbetreiber die Butter vom Brot nehmen lassen und warum soll man mit einem aufgeblähten Apparat an Kostenstrukturen durch Kartenzahlung einen weiteren möglichen Preisanstieg an den Ladesäulen in Kauf nehmen? Weil die Banken ein mögliches Geschäft wittern. Stattdessen hat der Nutzer aktuell aber den Vorteil z.B. in Verbindung mit einem Stromvertrag den öffentlichen Ladevorgang günstiger ausführen zu können. Klare Transparenz pro Kilowattstunde Strom.  Bei Aktivierung des Ladevorganges per Kreditkarte kennt man in der Regel weder Preisstruktur des Anbieters, noch die wahren Kosten für den Ladevorgang. Es würde unübersichtlich.

Verzögerungen beim Ausbau wahrscheinlich

Zudem sind die Änderungen mitten in der Hochphase des Ausbaues der Ladeinfrastruktur ein neues mögliches Risiko. Was passiert mit über 40.000 öffentlichen Ladestationen, die diese Möglichkeit nicht haben? Weder die Backendsysteme der Anbieter zur Abrechnung noch die Hardware sind dafür ausgelegt und auch die Förderbedingungen sehen meistens keine Verpflichtung für Kartenlesegeräte vor. Experten gehen zurecht davon aus, dass solch eine Vorgabe als Konsequenz eine erneute Verzögerung des Ausbaues zur Folge haben würde. Nur wenige Anbieter sagen: Zahlungen per Bank und oder Kreditkarte an Ladesäulen sind die Zukunft. Warum hat es sich also nicht längst etabliert?

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3 Varianten – keine Lösung

Bislang sieht der Referentenentwurf für die neue Verordnung zwar vor, dass man an jeder öffentlichen Ladesäule auch mit einem „gängigen Kreditkartensystem“ zahlen können muss. Allerdings werden dafür drei unterschiedliche Möglichkeiten eingeräumt. Dazu gehören ein Kartenlesegerät, derzeit häufig abgeschaltet, oder ein Gerät zum kontaktlosen Bezahlen oder browserbasiert, also eine mobile Webseite ohne eine echte Registrierung. Letzteres ist die einfachste Lösung, zum Beispiel für das sogenannte „Ad-hoc-Laden“. Spielt auch der „E-Euro“ künftig eine Rolle?

Druck durch die Zentralbank?

In Europa soll, in Konkurrenz zu Bitcoin & Co der sogenannte E-EURO etabliert werden. Der digitale Euro soll in einer Art virtueller Geldbörse aufbewahrt werden. Das Geld wird etwa beim Kauf eines Brötchens beim Bäcker mittels eines einfachen Verfahrens, zum Beispiel durch eine App oder einen QR-Code, in die Schatulle des Verkäufers wandern. Dies soll sowohl online als auch offline möglich sein, ohne Internet etwa durch Bluetooth oder andere technische Lösungen. Das Verfahren ist also sehr einfach und auch viel schneller als die klassische netzbasierte Zahlung mit der Bankkarte. Aus Sicht der Währungshüter verknüpfen sich mit dem E-Euro zahlreiche Vorteile gegenüber anderen elektronischen Zahlungsmitteln. Zentral ist dabei vor allem die Sicherheit. Denn dem E-Euro kann nichts passieren, selbst dann nicht, wenn die Geschäftsbank durch eine Krise in Schieflage gerät, weil am Ende eben die EZB dahinter steht. Davon erhofft man sich auch deutlich mehr Vertrauen als in Zahlungsmethoden wie ApplePay oder GooglePay, hinter denen nicht Zentralbanken, sondern große Konzerne stecken, deren Solidität in Krisenzeiten nicht immer gesichert ist.

Noch ist das ganze Projekt aber nicht von höchster Stelle abgesegnet. Der EZB-Rat beschäftigt sich zwar immer wieder auf seinen Sitzungen mit dem Thema – eine Entscheidung, ob das Projekt umgesetzt wird, soll aber erst Mitte des Jahres fallen. Eine Rolle dabei dürfte auch spielen, ob sich das Ganze überhaupt rechnet. Die Einführung könnte dann 2025 möglich sein.

Weniger als 10 Prozent nutzen Zahlung mit Bankkarten

Die meisten Hersteller von Ladeinfrastruktur haben derzeit keine technische Möglichkeit Kartenlesegeräte zu integrieren. Unabhängig von der Software ist auch problematisch, wie man das derzeit gültige Eichrecht ändern müsste. Frühestens 2024 würden dazu Genehmigungen von Behörden vorliegen. Und dann? Nicht auszuschließen ist bis dahin, dass Anbieter die Preise deutlich anheben müssen und der Ausbau stockt, denn zwangsläufig würden Unternehmen darauf warten wie eine technische Änderung final aussieht. Heute weiß man außerdem, dass die meisten Nutzer Ihren Anbieter nutzen (EnBW, Maingau, Stadtwerke über das Ladenetz, EWE u.a.) Nur ca. fünf Prozent der Ladevorgänge fallen auf sogenanntes „spontanes Laden“, bei dem der Nutzer noch keine Abrechnungsmöglichkeit mit dem Betreiber hat. Wir selber haben es einmal testhalber genutzt. Eine einfache Lösung, die dann funktioniert, wenn die Konnektivität steht. Aber was ist bei einem Defekt eines Lesegerätes?

Müssen Ladesäulen wieder abgeschaltet werden?

Wäre es nicht sinnvoller das Roaming, also den gegenseitigen Zugang der Anbieter, zu vereinfachen und so zu gestalten das eine Anbieter-Karte für verschiedene Ladesäulen nutzbar ist? Nutzerfreundlich geht auch einfach, aber eben nur dann, wenn es praktikabel ist. Zwar braucht man heute in der Regel nicht mehr so viele Anbieter-Karten, um laden zu können. Dennoch geraten gerade nicht erfahrene Nutzer regelmäßig an Ihre Grenzen, wenn Sie an Ladestationen ankommen und dort das Laden nicht funktioniert. Zurecht ein Ärgernis. Die Kartenzahlung wird keine echte Hilfe sein, aber die Ladeinfrastruktur verteuern, technisch anspruchsvoller machen als ohnehin schon und schließlich auch den einzelnen Ladevorgang verteuern, denn die höheren Investitionskosten werden zu Preissteigerungen führen. Das Desaster, wie bei Einführung des Eichrechts in 2019, darf sich nicht wiederholen. Damals wurden zahlreiche, geförderte Ladesäulen abgeschaltet, weil diese ohne Eichrecht nicht mehr genutzt werden durften.

Schulungen, Coaching und Workshops von emobicon

Im Visier: IONITY

Wichtiger wäre es doch aber klare Spielregeln zu definieren. Auch die Beschwerde von emobicon in 2020 beim Kartellamt über den Anbieter IONITY führt jetzt dazu, dass die Behörde endlich reagiert. Nun wurden Fragebögen an die Anbieter verschickt, um Wettbewerbsprobleme aufzudecken. Durch die Forderung nach detaillierten Informationen von den genauen Standorten der Ladesäulen über beanspruchte Fördermittel bis hin zu den berechneten Strompreisen und Abrechnungsmodalitäten bei Wettbewerbern will man sich einen Überblick verschaffen.

Das Roaming ist dabei das Ärgernis, nämlich dann, wenn einzelne Anbieter, wie zuletzt besonders auffällig bei IONITY, Kosten aufrufen, die ein Fahrer zahlen muss, während andere Nutzer zu deutlich günstigeren Kosten aufladen können. Und dass, obwohl IONITY staatliche Förderungen in dreistelliger Höhe erhält, um ein Ladenetz aufzubauen.

Die Politik läßt zu, was eigentlich verboten ist

Das kann und darf so nicht sein. Während die Politik hier am Rädchen drehen wird, werden Anbieter wie IONITY offensichtlich geschont, obwohl das Förderrecht solch eine Situation eigentlich ausschließen sollte. Auch der Verband der Automobilindustrie schreit regelmäßig Forderungen heraus mehr Ladeinfrastruktur aufzubauen, während deren Hersteller, als Beteiligte am Verbund IONITY selbst dafür verantwortlich sind, dass diese ungerechte Handlungsweise auf ziemlich viel Unverständnis stößt.

Natürlich kennen wir die Verbindungen der Politik zur Automobilindustrie und so lässt sich nicht ausschließen, dass die jahrelange Verbundenheit zu der einen oder anderen „Verbindung“ führte, die möglicherweise zum „Rein-Waschen“ zwischen Anbieter und Politik führte. Wir kennen ja die Machenschaften im Maskenskandal der CDU und CSU.

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Über mich: eMobil Experte | Coach | Projekt Planer bei emobicon®

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Autor: Harald M.

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