Ladeinfrastruktur: Der Murks mit dem Laden per Kreditkarte

von | 20.09.2021 | Allgemein, Ladeinfrastruktur | 0 Kommentare

Ladeinfrastruktur: Der Murks mit dem Laden per Kreditkarte

2023 geht es los. Das neue Chaos beim Laden von Elektrofahrzeugen. Die Annahme, dass mit der Zahlung der Bank oder Kreditkarte alles gut wäre ist falsch. Der Schein trügt gewaltig. Der staatliche Eingriff ist überflüssig – und wird das größte Problem der Elektromobilität sogar noch verstärken. Ein Dienst für die Bankenlobby welches zum Drama für Nutzer von öffentlicher Ladeinfrastruktur führen könnte…

Das gesetzliche Chaos ist vorprogrammiert

Es klingt logisch und einfach. Die kontaktlose Zahlung des Ladestroms an der Ladesäule. Auch, weil es an jeder Tankstelle geht. Komplexer ist die Situation an den Ladesäulen die jetzt praktisch überreguliert wurde. Ab 2023 müssen an neu gebauten Ladesäulen Terminals für die Bezahlung mit Kreditkarte oder Girocard installiert werden. Damit ist klar: Der Gesetzgeber richtet damit einmal wieder mehr Schaden an, als dass er den Bürgern helfen wird. Der Vorteil existiert nicht. Wir hatten schon im letzten Jahr darüber berichtet, wie das mit der Kreditkarte an der Ladesäule läuft.

Es wird teurer und intransparenter werden

Ein System, welches sich entwickelt, wird nun mit neuen Belastungen zu kämpfen haben, die weder Betreibern noch den Nutzern hilft – im Gegenteil. Das Chaos beginnt damit, dass weit mehr als 50.000 Ladestationen keinen Zugang zum Laden per Kredit – oder Bankkarte haben und diesen technischen Anspruch auch zum Glück nicht nachrüsten müssen. Ohnehin wäre das auch nur sehr selten technisch möglich gewesen. Das angeblich einfache Laden wird jetzt doppelt kompliziert. Vielleicht oder vielleicht auch nicht wird eine Ladestation gefunden, die das Laden per Kreditkarte ermöglicht. So oder so wird es sehr lange dauern, bis die Mehrzahl der Ladestationen das Laden ermöglicht. Muss ich heute laden muss ich ohnehin eine roamingfähige Ladekarte oder einen Zugang per (Anbieter) App haben oder die bisherige Lösung des Ad hoc Ladens nutzen, dass Strom in mein Elektrofahrzeug fließt.

In der heutigen Entwicklung der Ladeinfrastruktur ist es normal, wenn sich ein Markt entwickelt, ausprobiert und mit unterschiedlichen Ideen den Markt flutet. Ein angebliches Chaos sehen wir als jahrelange Nutzer längst nicht mehr. Man braucht heute weder eine Collection von zig Ladekarten noch alle möglichen Lade Apps. Viele machen sich das deutlich schwerer als es ohnehin längst ist. Die Annahme, dass bei jedem Anbieter alles gleich kosten muss, kommt ohnehin nicht – Marktwirtschaft. Und was das Laden an der Station kostet, die man ausgewählt hat, verrät in der Regel der Anbieter dessen Ladezugang ich nutze. Die Transparenz gibt es in der jeweiligen Anbieter App oder in den Vertragsbedingungen. Ladepreise kosten unterschiedlich durch unterschiedliche Anbieter und deren Verträge, dem Nutzungsverhalten, Verbindungen mit anderen Begleitgeschäften etc. Das ist völlig normal.

Ich fahre jetzt über 8 Jahre voll elektrisch, habe über 1 Million elektrische Kilometer hinter mir. Ich kenne also die Entwicklung. Vom Anfang des Chaos mit 35 Ladekarten bis zur Situation heute: 2 Zugänge – fertig. Wozu brauche ich eine Kreditkarte zur Autorisation? Und das sage ich auch, weil ich sonst fast ausschließlich per Kreditkarte zahle.

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Europäische Lösung unwahrscheinlich

Dasselbe Chaos kennen wir – in anderer Form. Das Eichrecht. Eingeführt im April 2019. Es soll Transparenz liefern. Man zahlt 10 Kilowatt Energie – dann soll das auch im Fahrzeug Akku ankommen. Ein Alleinstellungsmerkmal, denn bei den europäischen Nachbarn gibt es das nicht und selbst heute gibt es so viele „illegale“ Stationen. Verwunderlich, dass diese Regelung jetzt so aufgeweicht ist, praktisch geduldet wird. Die Zeit der Übergangsregelungen ist eigentlich vorbei. Betrachtet man den europäischen Markt dann sieht man, dass dieses Eichrecht nirgendwo in Europa gilt. Ein Europa und ganz unterschiedliche Regelungen? In diesem Fall wird das auch hingenommen.

Ein ähnliches Desaster scheint diese durch die Bankenlobby durchgesetzte Regelung zu werden. Eine europäische Lösung ist auch in diesem Fall sehr unwahrscheinlich und fährt man ins europäische Ausland sieht man auch hier: Nur in Ausnahmefällen kann man mit Kreditkarte an Ladesäulen zahlen. Dort wo man es kann, ist das deutlich teurer als die Autorisation eines Ladevorganges mit der Anbieter App. Selbst das Roaming ist meistens günstiger. Es gibt auch das eigene Interesse der Anbieter, aus gutem Grund.

Ladeinfrastruktur: Die große Lüge mit der Deckelung des Ladepreises

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Endlich. Könnte man meinen. Endlich kommt Bewegung in den Aufbau von Ladeinfrastruktur mit einem großen Fördervolumen von rund zwei Milliarden Euro. Für die Ausschreibung, die Mitte September startet gibt es aber einen Haken, der stutzig macht. Pro Ladepunkt wird eine Preisobergrenze von 44 Cent pro Kilowattstunde festgelegt. Bitte was? Mit der heutigen Kostenstruktur, den zahlreichen Abgaben und Steuern ist das kaum auf Dauer durchzusetzen. So viel Realität muss sein. Begründet wird der Maximalbetrag damit, dass das Fahren mit dem Elektroauto nicht teurer sein soll als mit dem Benzin- oder Dieselfahrzeug. Ein Dieselpreis von 1,35 Euro entspreche einem Preis von 45 Cent pro Kilowattstunde für den Strom am Ladepunkt. Die Anbieter werden erfinderisch sein – sogar mit Wissen der Politik.

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Die Waffen der Betreiber sind stärker als jede Kreditkarte

Schaut man sich den Markt an erkennt man folgendes: Unterschiedliche Anbieter, unterschiedliche Tarife, unterschiedliche Angebote, die aber ermöglichen sollten, dass per Roaming auch an anderen Stationen geladen werden kann. Fast immer funktioniert das mittlerweile gut. Da sich auch das Entwickeln darf kann man nicht von einer Perfektion ausgehen. Aber werden sich die einzelne Ladesäulenbetreiber und Netzwerke die Butter vom Brot nehmen lassen? Sicher nicht – warum sollten sie auch. Ihre Waffen sind im Zweifel stärker, denn das Betreiben von Ladesäulen und das Netzwerk, in dem sich die Ladesäulen befinden, können noch mehr als eine Kreditkarte je können wird.

Die Verbindung zu anderen Produkten, möglichen Rabatten, Kundenkarten etc. Schon heute kann man den Haushaltstrom mit der Ladekarte verbinden und dadurch den Ladepreis vergünstigten. Oder Anbieter mit Ladestrom – für zu Hause und unterwegs. Man nennt es „Vorteilspreis“. Ladeflats sind ebenso nicht mit der Kreditkarte möglich und Bonus für das Shopping – angerechnet an Ladeguthaben – geht so auch nicht. Auch Fahrzeughersteller geben eigene Ladekarten und Zugänge aus bei denen das Laden sehr attraktiv ist – all das wird der Zugang per Ladekarte nicht bieten können. Im Flottengeschäft macht auch der Zugang einer Ladekarte Sinn. Mehr Transparenz über die Ladevorgänge – ein definierter Preis – auch das kann die Kreditkarte nicht bieten. Bonuskarten an der Tankstelle oder Verbindung von Tank und Ladekarte als RFID Zugang – zum Beispiel bei Plug-In Modellen. Flottenbetreiber haben ohnehin ganz andere technische Möglichkeiten.

Dazu kommt aber auch die weitere Entwicklung. Der Strommarkt ist im Umbruch. Der Einheitspreis heute wird bald Geschichte sein. Unterschiedliche, von Anfang an transparente Preise nach Angebot, oder zu bestimmten Tageszeiten können nur per App abgebildet werden, nicht aber bei Zahlung der Kreditkarte.

Förderung: Erste Plug in Hybride werden nicht mehr subventioniert

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Es wird durchgewischt und damit kommt Bewegung in die Förderung von Plug-In Hybriden. Schon länger angekündigt sind Streichung von Subventionen für „bestimmte Modelle“ vorgesehen. Nun werden die ersten Plug-In Hybrid Fahrzeuge von der Förderliste gestrichen. Als erste Modelle trifft es Audi Q8, Volvo XC90, VW Touareg, Jaguar Modelle u.a. Diese und weitere Fahrzeuge als Plug-Ins werden Stand jetzt ab dem kommenden Jahr nicht mehr mit der Kaufprämie subventioniert. Nach Informationen von emobicon könnte auch das Vorrecht mit „E“ Kennzeichen entfallen, wenn die erste große Auswertung über den Ladestatus und Kraftstoffvergleich von Plug-In Modellen vorliegt und durch die EU-Kommission bewertet wird.

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Kreditkartenzahlung an Ladesäulen wird teurer sein

Technisch möglich ist vieles, aber sinnvoll? Das sehe ich bei der Zahlung mit Kreditkarte nicht. Im Zweifel wird diese Zahlungsart immer die teure sein. Jetzt könnte man meinen: Besser so, als gar nicht laden zu können. Stimmt. Aber da war doch was: Das Ad hoc laden. Das gibt es schon. Per QR Code und Web App kann man das schon ohne die Hardware und Software Lösung zu haben eine klassische kontaktlose Kreditkarte nutzen. Das funktioniert.

Die neue Hardware Lösung wird teurer werden – man spricht von rund 600 € pro Station. Die Software muss angepasst werden und wie sich eine Transparenz darstellt ist noch nicht bei jedem Betreiber klar.

Technisch überholte Gedankengänge der Politik

Alle Betreiber von Ladepunkten wollen möglichst viel Strom verkaufen. Das ist ihr Geschäft. Deswegen werden sie aus Eigeninteresse dafür sorgen, dass das Bezahlen so einfach wie möglich wird. Auch die Hersteller werden sich darum kümmern, schließlich wollen sie Elektroautos nicht nur digital-affine, sondern auch ganz normale Kunden. Fest steht längst: Wäre ein Kartenterminal die Lösung, dann würde es ihn schon überall geben. Bis das aber in der Fläche und bei neuen Stationen technisch umgesetzt ist, ist es auch schon wieder technisch überholt, denn künftig werden Karten, Pins und Apps wohl ganz verschwinden.

Die ersten Elektroautos kommunizieren schon direkt mit der Ladesäule. Der Fahrer schließt das Kabel an, alles andere – inklusive der Abrechnung – läuft automatisch. Die Zahlungsart – meist die Kreditkartendaten sind im Server des Anbieters hinterlegt. Auch deswegen ist der Gedanke an Zapfsäulen wohl der Auslöser für diese Entscheidung, die keinen Mehrwert bringt, aber Mehrkosten und Verwirrung stiften wird.

Heute wissen wir das weit unter 10 % aller Ladevorgänge per Ad hoc Laden stattfindet. Ein wenig mehr wird es werden, aber auch das Geschäftsmodell „Elektroauto laden“ wird künftig ganz anders aussehen. Der Verlierer steht ohnehin fest: Die Kreditkarte.

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Autor: Harald M.

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