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Elektroauto: Haben wir zu wenig oder die falschen Ladesäulen?

Elektroauto: Haben wir zu wenig oder die falschen Ladesäulen? | emobicon

Elektromobilität kommt, daran gibt es keinen Zweifel. Die Frage und das Problem zu gleich ist: Wieviel Ladesäulen brauche ich wirklich und vor allem welche Art der Ladeinfrastruktur ist wichtig? Wir müssen anders denken.

von Heide Simon | emobicon - CoverBild: emobicon

Gefühlt gibt es zu wenig Ladesäulen. Sagt man. Meistens kommt diese Aussage aber nicht von Fahrern mit Elektroantrieb, sondern von denen die bislang kaum Berührungspunkte damit haben. Solche Diskussionen führen wir ständig, denn die Wirklichkeit scheint irgendwo in der Mitte zu sein. JA: wir brauchen mehr Ladestationen. NEIN: Wir brauchen nicht mehr Ladestationen oder anders betrachtet ist die Frage welche Art der Ladestationen man wirklich benötigt. Fest steht: Die meisten Ladevorgänge finden heute zu Hause oder in Unternehmen statt. Wie passt das zusammen?

50 Prozent mehr Ladesäulen - reicht das?

Ja die Zahl der Ladesäulen ist stark gestiegen. In der Tat ist die Situation einfacher geworden aufladen zu können. Jetzt wartet man auf den Durchbruch. Da gibt es Hersteller die ausreichend Elektrofahrzeuge liefern und andere die ankündigen, aber nun endlich – nach Jahren soll es in 2020 soweit sein. Mehr und neue Modelle mit Elektroantrieb kommen auf den Markt. Viele fragen nun aber: Gibt es denn genug Ladesäulen? Aber warum, wenn man die gar nicht braucht oder ist gefühlte Behauptung eine andere? Wir kommen mittlerweile zu recht, denn eines muss uns allen klar sein: Es wird niemals eine Perfektion des Systems Elektromobilität geben – muss es auch nicht und es wird trotzdem prima funktionieren, wetten?

Fest steht heute: „Innerhalb eines Jahres ist es gelungen, die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte von 13.500 auf über 20.650 zu steigern. Das ist ein Zuwachs von über 50 Prozent“, erklärt Stefan Kapferer | Hauptgeschäftsführer des BDEW, des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. 

Mit viel Tam Tam, Förderungen, aber auch dem Druck von Politik, Autobauern und dem örtlichen Automobilhandel betreibt man heute den Grossteil der öffentlichen Ladepunkte. 

Vieles hat man richtig gemacht, aber mindestens genauso vieles ist auch falsch. Statt den öffentlichen Raum mit Infrastruktur zu fluten ist es besser bei Unternehmen, dem Einzelhandel, der Gastronomie und in Parkhäusern anzusetzen. Da wo man sein Fahrzeug gewöhnlich und für kurze Zeit parkt.

Elektromobilität soll Fahrverbote verhindern

Nach dem Henne und Ei Problem trifft man sich nun  offensichtlich in der Mitte. Es gibt immer mehr Ladepunkte – genau das was die Automobilhersteller wollen. Man spielt den Ball nun zurück, denn wichtig sei jetzt, dass die angekündigten Elektrofahrzeug Modelle für breite Käuferschichten rasch auf den Markt kämen. Dann wäre auch das zweite große Problem der elektrischen Revolution gelöst. Meint man. Gleichzeitig, so hofft man, löst man auch ein weiteres Problem. Noch immer drohen Fahrverbote in vielen Städten und Regionen. Mit mehr Elektrofahrzeugen will man die zulässigen Grenzwerte einhalten, um Fahrverbote noch aufhalten zu können. 

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Der BDEW sagt auch:  „Für die aktuell beim Kraftfahrt-Bundesamt gemeldeten Pkw mit elektrischem Antrieb reicht das bundesweite Angebot öffentlicher Ladepunkte vollkommen aus“. 

Also ist doch nun alles gut und alle beteiligten Interessengruppen zufrieden, oder?

Nahezu jeder Hersteller kommt in den nächsten Monaten mit neuen Modellen auf den Markt. Einen Weckruf scheinen sie also nicht zu benötigen.

Schnell oder langsam laden - das ist hier die Frage

Elektrofahrzeuge mit immer grösseren Akkus kommen auf dem Markt. Akkus die man unterwegs schnell laden will, während man zu Hause und in Unternehmen eher langsame Ladeströme als ausreichend ansieht. Und genau hier schien das Problem zu sein.  Die Ladesäulen-Offensive besitzt einen ganz entscheidenden Makel. Sie beschränkt sich zum Großteil auf langsam ladende Stationen, sogenannte Wechselladestationen mit max. 22 kW Ladeleistung. Der Kopf sagt: Das reicht nicht und das, obwohl ein Fahrzeug mehr steht, als es fährt. Die Statistik spricht vom Verhältnis 23: 1. Nur kommt das offensichtlich nicht an. Die gefühlte Theorie offenbart was anderes als die Praxis, so wie wir sie im Team von emobicon erleben.

Schnelllader nur für die Autobahn

Die Frage ist also: Wieviel Schnellladesäulen und wieviel langsame Säulen muss man in der Öffentlichkeit haben?

Nur einmal zum Verständnis: Ein Fahrer eines Elektrofahrzeuges laden fast ausschliesslich zu Hause nach. Die Statistik spricht von 80 Prozent. Warum ist das so? Weil der Alltag  zu Hause stattfindet. Da wo man lebt, zum Job pendelt, wo Freunde und Familie wohnt. Während man viele Stunden beim Job ist, laden das Elektrofahrzeug langsam nach. 

Wenn man dann mal eine lange Strecke fährt, wo man nachladen möchte benötigt man die Schnellladestruktur an den Autobahnen. Aktuell gibt es noch zu wenige Schnellladestationen mit mehr als 200 kW Ladeleistung. Ein Konsortium der grossen deutschen Fahrzeughersteller baut diese Schnelllader in Europa auf. Es ermöglicht Ladeströme die in wenigen Minuten 100 km Reichweite und mehr nachladen. Im Alltag ist das meistens gar nicht nötig und technologisch auch nicht sinnvoll.

Tesla hat seine Supercharger und die anderen?

Der BDEW bestätigt aktuell, dass der Anteil der Schnellladestationen bei nur rund 12 Prozent liegt. Und schnelles Laden heisst in diesem Fall noch sehr häufig bis zu 50 Kilowatt (kW). Die meisten Elektrofahrzeuge die erst wenige Jahre alt sind können aktuell meistens kaum mehr laden, als mit dieser Technologie. Noch vor Monaten war es auch ausreichend und technologischer Standard diese Schnelllader einzusetzen. 

Noch zu selten gibt es heute Elektrofahrzeuge die deutlich mehr Ladeströme verkraften und damit schneller laden könnten. Tesla mit seinem Model 3 kann aktuell bereits 200 kW laden und der Audi e-tron könnte, theoretisch bereits 350 kW Gleichstrom aufnehmen. Aktuell ist aber nur Tesla wirklich in der Lage mit seinem Netz an Superchargern Schnellladungen flächendeckend zu ermöglichen.  Die Ultra Schnelllader der anderen Hersteller entsteht aktuell.

Man kennt die Problematik – nur zugeben tun es die wenigsten. Stadtwerke und Netzbetreiber wollen gern Ihre Lösungen als die bestmögliche sehen. Man sieht es zu häufig als unnötig an Schnelllader zu installieren. 

Man verweist darauf, das die meisten Besitzer von Elektroautos zu Hause oder anderswo laden würden. Es stimmt sogar – fürs Erste. Da aber die Reichweitenangst, meist unbegründet, allgegenwärtig ist baut man oft sinnfreien Ladesäulen auf – oft sogar massiv gefördert. 

Man kennt es: Die berühmte Bürgermeistersäule. Mit viel Pressewirbel errichtet, um dann oft verweist und behindert nicht wirklich zum Laden verfügbar zu sein. 

Schnelllader bauen heisst aber erheblich mehr Kosten pro Standort aufwenden zu müssen. Auch das war ein Grund warum die Hersteller sich bislang weigerten. Es geht aber auch anders und das zeigt TESLA. Dessen Absatz an Elektrofahrzeugen steigt – auch dank seines flächendeckenden Ladenetzes, welches Ladesicherheit schafft.

Die Mythen bremsen aus

Mobilität ist Emotion und gerade die Deutschen sind sehr emotional und sagen das eine, meinen und vor allem tun sie dann meist doch das andere. Kann ein Elektroauto das gleiche ? Kann ich laden, wenn ich es muss und warum sollte ich mehr bezahlen, wenn der Diesel doch so bequem und angeblich günstig ist. Viel Mythen, aber auch Dummheit sind hier Treiber des Abwartens und der Vorurteile. Solange gefühlt nicht an jeder Gießkanne eine Ladestation steht wird es schwer zu überzeugen. Dabei zeigen immer mehr Fahrer von Elektrofahrzeugen das es funktioniert. Wir von emobicon übrigens auch ! Elektromobilität ist längst im Alltag möglich.

„Einfach eine Zahl von Ladepunkten zu nennen, ist wenig sinnvoll. Nicht die Zahl ist entscheidend, sondern das System“, sagt Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR). 

Zwar meint auch Duddenhöffer das es hilft mehr Ladestationen zu bauen, aber um den Durchbruch zu erreichen kommt es nicht auf die Anzahl der Ladesäulen sondern auf die Alltagstauglichkeit an. Ganz klar: Die meisten Ladesäulen sollten dann besser Schnellladestationen sein. 

Dass es diese viel seltener gibt, liegt offenbar auch daran, dass sie extrem teuer sind. Aus Kostengründen werden stattdessen die einfachen Varianten als Wechsellladestationen installiert. Man braucht sie aber erheblich weniger. Offensichtlich geht es hier auch nur dabei die zahlreichen Förderungen für die Wechselladestationen zu nutzen. Förderungen für die teureren Gleichstrom Schnelllader sind dagegen rar.

Hohe Kosten bremsen Ladesäulenausbau aus

Ladesäule und Ladesäule können im Preis demnach erheblich unterschiedlich sein. 20.000 € für eine Wechselladestation mit Netzanschluss oder 200.000 Euro für eine schnelle Gleichstromladestation mit Netzanschluss sind ganz realistische Zahlen.

„Das Preis-Leistungsverhältnis ist bei den Schnellladern viel, viel schlechter. Sie sind etwa zehn Mal so teuer wie Normallader“, sagt Benjamin Hintz. Er ist beim regionalen Energieversorger Wemag für das Thema Elektromobilität verantwortlich. Das liegt am technischen Aufwand und der grundsätzlich aufwendigeren Technik der Säulen.  Je nach Fördersituation im Bund oder bei den Bundesländern werden teurer Gleichstromlader oft abgelehnt. Günstigere Wechselladestionen hingegen werden teilweise erheblich gefördert. 

Eichrecht für Schnelllader noch nicht vorhanden

Neben der Technik bedarf es aber auch Regeln die in den vergangen Monaten für ziemlich viel Wirbel gesorgt haben. Das Eichrecht. Während man für die öffentliche Ladeinfrastruktur bei Wechsellladern nun nach und nach funktionale eichrechtskonforme Lösungen erwarten kann, wird es bei den Gleichstrom -Schnellladern noch ein wenig länger dauern. Auch das behindert den Ausbau nicht unerheblich. 

Und so werden überall billige Ladestationen gebaut. Auch damit will man all zu oft zeigen: Wir tun was. Ob es sinnvoll ist scheint Nebensache zu sein. Schlussendlich liegt es auch Anden starken Förderungen die ausgelobt werden. 

Zu wenig Kenntnis über die Elektromobilität oder die oft falsche Beratung von Anbietern führt auch hier oftmals zu den falschen Investitionen.

Deutsche Hersteller können nicht mehr warten

Auch hier ist mal wieder die Politik gefragt: Eine Strategie ist wichtig, um Ladeinfrastruktur flächendeckend und funktional zu gestalten. Die deutsche Automobilindustrie will allerdings nicht länger auf die Unterstützung durch den Staat warten. Ganz entscheidend für den Erfolg in Europa sieht man im stetigen und zügigen Ausbau des IONITY Schnellladenetzes. Es soll in Konkurrenz zu den TESLA Superchargern die Funktionalität ermöglichen.  

IONITY wird derweilen nicht müde zu erklären: „Wir kommen gut voran“. 46 Station sind demnach aktuell in Deutschland in Betrieb, weitere zehn sind in Bau. Bis 2020 will man 400 Stationen in Europa betreiben,  davon 95 in Deutschland. Ob das ausreichen wird ? Schon heute gibt es daran erhebliche Zweifel.

Quelle: BDEW | Welt

6 Gedanken zu „Elektroauto: Haben wir zu wenig oder die falschen Ladesäulen?

  1. Endlich sagt mal jemand klar, dass 22 kW-Nuckelsäulen das Problem nicht lösen! Unser start-up Jolt.energy möchte genügend (mobile!) Schnellladesäulen in Städten aufstellen und sucht noch private Investoren, Fördermittel gibt es dafür natürlich nicht …

    1. Hallo Herr v. Wilmowsky
      22 kw AC Ladelösungen sind eine Lösung wenn es in der Qualität um das organisierte laden geht, statt auf Quantität zu setzen.
      Entscheidend ist auch wieviel öffentlicher Raum benötigt wird. Das Auto hat aktuell zu viel Raum und klar ist bereits, den wird man der individuellen Mobilität nehmen und sie teurer machen. Da ein Fahrzeug eigentlich Stehzeug heissen müsste versteht jeder, denn ein Fahrzeuge stehen mehr als sie fahren. Also intelligente Ladelösungen an bestimmten Punkten sind entscheidend für die Funktionalität

  2. vielen Dank !!! Endlich spricht mal jemand über die Fehlentwicklung in Deutschland !
    Hätte der Staat incl. Eichamt z.B. Lebensmitteldiscountern und Baumärkten freie Hand gelassen, stünden inzwischen genügend Schnelllader genau dort, wo Sie benötigt werden – so wie man das in Osteuropa vorfindet: dort waren Aldi, Lidl, Kaufland un Co. durchaus in der Lage selbst den Starkstromanschluss zum Solardach ohne Vorschriften funktionssicher selbst zu errichten. Schnelllader werden sich dort binnen fünf Jahren rechnen, wärend in Deutschland auch weiterhin vollkommen unnütz imense Steuergelder verbraten werden und Discountern, die ihren Solarstrom ihren Kunden schenken möchten, nur Steine in den Weg gerollt werden.

    1. PS: kein Mensch wird über Stunden sein Elektroauto an einem Platz, an dem er nichts zu tun hat, zum Schnarchladen parken – vermutlich alle Wechselstromlader werden in 10 bis 15 Jahren entsorgt, da sie nahezu nie benutzt wurden.

    2. Hallo Kasch,

      ich würde nicht zwingend von Fehlentwicklungen sprechen, eher davon dass das ungeordnete Förderchaos ermöglicht das Quantität über Qualität steht. Das ist fatal
      Nut Schnelllader geht technisch auch nicht. Viele örtliche Netze würde es überlasten und auch Fahrzeughersteller sagen: Technisch nicht machbar. So erlauben manche Hersteller nicht das nur DC geladen wird oder die Ladeleistung wird aus verschiedenen Gründen reduziert

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