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Energie: Warum Ökostrom nicht gleich Ökostrom ist

Energie: Warum Ökostrom nicht gleich Ökostrom ist | emobicon

Nie gab es mehr Windkraftanlagen, Photovoltaik und andere Technologien die ÖKOstrom produzieren wie jetzt. Nicht mehr lange und rund 50 Prozent des gesamten Energiebedarfes wird aus regenerativen Quellen erzeugt. Da auch immer mehr Menschen die Energiewende unterstützen möchten, steigt auch die Zahl der Stromanbieter. Ökostrom ist aber nicht gleich Ökostrom.

von Stefan Blome | emobicon - CoverBild: emobicon

Der Klimawandel ist spürbar – wärmer war es selten und es wird wieder unerträglich heiss werden. Das motiviert auf der einen Seite – auf der anderen Seite zwingt es zu Massnahmen. In der Einsicht vieler Verbraucher kann man auch selber beginnen Änderungen einzuleiten. So zum Beispiel bei der Energieversorgung. Wissen Sie, welchen Anbieter sie haben und woher dieser den Strom bezieht ? Mehr als ein Trend ist sicher ÖKOSTROM. Aber was heisst das und auf was sollte ich achten, wenn ich einen neuen Stromanbieter möchte ? Sie sollten sich damit beschäftigen!

Man muss den Durchblick haben

Alles fängt ein mal an und jede Veränderung braucht Mut. Aber nichts zu tun kann ebenso falsch sein und da ist auch noch der innere Schweinehund aus seiner Bequemlichkeit in die Offensive zu gehen. Neben Plastikvermeidung, Ernährung, Frida for Future und sonstigen Dingen des täglichen Lebens ist die Energie und der Umgang damit Thema geworden. Entweder produziert man den Strom selber, nutzt soviel wie möglich auch für den eigenen Bedarf, oder der Anbieter soll grün sein. Aber Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. 

Damit ist dann aber auch die Auswahl eines Anbieters nicht so leicht. Ausserdem ist der Verkauf sauberer Energie mehr als nur eine Nische geworden. Den Überblick zu bekommen ist nicht ganz so einfach. Aktuell gibt es über 1.000 Ökostromanbieter mit über 8.000 Ökostromtarifen. Wahnsinn. Spezials, die noch die Elektromobilität einbinden machen es nicht einfacher. Auch viele große Versorger und Billiganbieter werben für Ökostrom. Doch nicht alle sind wirklich grün. Bestimmte Siegel helfen nur bedingt weiter, denn hier gibt es kaum den Durchblick für den, der wechseln will. Nur die wenigsten kennen sich da wirklich aus.  Aber wie findet man nun heraus, ob der Strom nicht doch aus dem nächsten Kohlekraftwerk kommt?

Auf Mogelpackungen achten

Eines sollte man aber zunächst wissen: Der Begriff „Ökostrom“ ist nicht genau definiert und auch nicht gesetzlich geschützt. Das ist schon einmal ein Fakt, den viele zurecht nicht verstehen. Es ermöglicht Unternehmen, sich grüner zu verkaufen, als sie tatsächlich sind. Und das sind, aus unserer Sicht, eine Menge der Anbieter. So vermarkten viele Ökostromanbieter zusätzlich den Strom norwegischer Wasserkraftanlagen. Obwohl sie weiterhin auch Kohle- und Atomstrom anbieten, geben sie sich auf diese Weise einen ökologischen Anstrich.

Das es hier meistens eine Mogelpackung ist erkennt man schon aus der Logik, dass es keinen Sinn macht die Energie von soweit her zu beziehen, wenn man echten Ökostrom aus der Nähe bekommt oder dieser zumindest im eigenen Land produziert wurde. Ganz klar: Hier ist sehr viel Intransparenz da, und das heisst ganz automatisch: Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Das bestätigt auch die Verbraucherzentrale. Das heisst aber auch, dass diese Intransparenz und damit oft auch Mogelpackung die Energiewende nicht voran bringen. Gerade die Billiganbieter mit grünem Anstrich beziehen „ihren Ökostrom“ gar nicht aus Deutschland. Oft unterstützt man auch damit den Ausbau regenerativer Energien im Ausland. Was nützt uns das hier und im eigenen Land. Wenig, eher nichts.

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100 Prozent Ökostrom möglich

Über die Energieversorgung gibt es unterschiedliche, teils widersprüchliche Aussagen. Zum einen geht es ganz offensichtlich um Arbeitsplätze, die aber nicht im Einklang mit den Klimazielen steht. Zum anderen sind die Aussagen falsch, wenn man weiss das zehntausende Jobs in den erneuerbaren Energien politisch vernichtet wurden und es offenbar niemanden interessierte. Jetzt so zu tun, die Versorgungssicherheit würde gefährdet sein, wenn man die heilige Kuh „Kohlestrom“ abschaltet ist einfach nur daher gesagt.

Ja, wir haben noch viel Arbeit vor uns und nein: die Versorgung ist nicht gefährdet. Alles darf sich entwickeln, auch die erneuerbaren Energien. Das Problem ist aber der Bremsklotz, der 52 GW Deckel auf PV Strom und der Schutz der fossilen Energien. Politische Weichenstellungen dank Lobbyarbeit bremsen unsere Energiewende aus. Gleichzeitig will man unsere Energieversorgung klimaverträglicher gestalten und unabhängiger vom Import fossiler Brenn-, Kraft- und Heizstoffe machen. Dafür gibt es ja das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Umstritten, hoch emotional und schlecht umgesetzt mit all seinen Ausnahmen – vorwiegend für die Industrie. Klar scheint zu sein, dass wir 100 Prozent erneuerbare Energien brauchen, wenn wir bis 2050 klimaneutral werden wollen. 

Auf echte Logos achten, die Ökostrom nicht nur auf dem Papier haben

Was kann man denn nun tun ? 

Die Verbraucherzentrale Berlin und emobicon empfehlen Ökostrom, der nach dem OK – Power Label oder dem Label Grüner Strom zertifiziert ist. Hier gibt es zudem alle wichtigen Informationen, Vergleiche von Anbietern und vor allem die Gewähr: Wo Ökostrom darauf steht, ist Ökostrom drin.

Und damit es keine Mogelpackung gibt wird hier auch kontrolliert, dass der Stromanbieter finanziell nicht an Atom- oder Kohlekraftwerken beteiligt ist.

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Das ÖKOstromLabel der Umweltverbände | Bild: gruenerstromlabel.de

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Siegel von ÖKO Power | Bild: Öko-power.de

Zu den beiden Logos sollte man folgendes wissen: 

Ökostrom muss aus zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien stammen. Der Energieanbieter schließt einen Liefervertrag mit EE-Kraftwerken ab. Herkunftsnachweise vom Umweltbundesamt alleine reichen nicht aus. Zusätzlich muss es eine Kopplung mit der zugrunde liegenden Strommenge geben.

Welche Vorteile bieten diese Siegel?

Kernkriterium des Grüner Strom-Labels ist, dass Energieanbieter mit einem festen Betrag je verkaufter Kilowattstunde den Ausbau erneuerbarer Energien fördern. Bei Verbrauchern bis 10.000 Kilowattstunden pro Jahr sind das 0,5 Cent. Dieser Förderbetrag wird nach Grüner Strom-Kriterien investiert.

Pro verbrauchter Kilowattstunde zertifizierten Ökostroms fließt ein fester Förderbetrag in Energiewende-Projekte, die der Energieanbieter in der Regel selbst umsetzt.

Über 1.300 Energiewende-Projekte wurden bereits realisiert, meistens Erneuerbare-Energien-Anlagen, wie Solaranlagen oder Windräder. Mittlerweile werden aber auch mehr und mehr Projekte in den Bereichen E-Mobilität, Speicher/Steuerung und Energieeffizienz umgesetzt. Alle Förderprojekte sind in einer Karte verortet.

Ökostrom ist kaum teurer für den Verbraucher

Noch regionaler geht es mit der Plattform Enyway. Hier findet man Anbieter mit kleinen Anlagen, deren Angebot sehr viel transparenter ist als bei den großen Energieunternehmen. 

Übrigens: Berechnet man echten ÖKOstrom und den mit grünem Anstrich, dann kommt man im Vergleich bei einem 3 Personen Haushalt auf Mehrkosten von rund 60 Euro bei gut 4000 kWh Verbrauch. Es lohnt sich also. 

Kombinationen aus Ökostrom und Ladestrom beachten

Ein wenig qualifizierter ist es, wenn Sie den Ökostrom auch zum Laden eines Elektrofahrzeuges verwenden möchten. Immer mehr Anbieter bieten eine Kombination aus Haushaltstrom und Ladestrom. Fragen Sie hier zunächst Ihr örtlichen Stromversorger. Die Kombination lohnt sich und ist meistens günstiger, wenn man unterwegs aufladen möchte. Nutzen Sie Regionalität und die Seriosität der Labels, die Ihnen bei der Auswahl behilflich sind.

Klar ist: Spätestens dann, wenn sie in der Mobilität auf Elektrofahrzeuge umsteigen, sollten sie sich Gedanken machen, welchen Anbieter man bevorzugt. Das viele Verbraucher heute, meist aus Bequemlichkeit, immer noch beim Grundversorger sind und damit meistens zu viel Energiekosten haben ist unverständlich. Scheinbar haben viele zu viel Geld oder wollen keinen Wechsel – dabei ist der Wechsel das klein sie Problem und absolut sicher. 

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