Elektromobilität: Widersprüchliche Kritik vom Bundesverkehrsminister

von | 16.09.2020 | Allgemein | 0 Kommentare

Elektromobilität: Widersprüchliche Kritik vom Bundesverkehrsminister
Bild: emobicon

Was will er wirklich? Bundesverkehrsminister Scheuer schlägt neue Töne an, aber warum? Er kritisiert aktuell die deutschen Hersteller für die teils sehr langen Lieferzeiten für Elektrofahrzeuge. Es ist deshalb bemerkenswert, weil er erst Tage vorher, pünktlich zum Autogipfel zusammen mit Ministerpräsident Söder aus Bayern forderte, dass es auch eine Prämie für “ moderne Verbrenner“ geben solle. Verbrenner sind aber nicht modern und werden es auch nicht mehr sein.

Das die deutschen Autobauer in Schwierigkeiten sind, ist klar, denn sie produzieren zu viele Verbrenner und zu wenige Elektrofahrzeuge. Ein überwiegend hausgemnachtes Problem, denn viele ausländische Hersteller sind lieferfähig. Jetzt sieht man die Realität. Das Festhalten an alten Strukturen und Techniken ist nicht zielführend. Es war genau so erwartet worden…

„Alles, was ins Stocken gerät, ärgert mich seit langem“, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Und er beschwichtigt: „Aber in der Zeit der Pandemie sind Schuldzuweisungen nicht angebracht.“ Die Politik habe „kraftvolle Entscheidungen“. Bis zu 9.100 € Förderung kann man erhalten, wenn der Hersteller seinen Anteil dazu gibt.“

Scheuer ärgert sich und kritisiert die Hersteller, denn jetzt ist das Verkaufsvolumen für alternative Antriebe nicht da, „speziell Elektroautos“ Das gilt esa aufzulösen.  Weiter heisst es in der dpa Meldung: „Die Hersteller müssen es möglich machen, dass wir überhaupt Elektroautos kaufen können, nicht nur in kleineren Produktvolumina – und nicht nur die vollelektronische Variante, sondern auch den Hybrid.“ 

Lesen Sie auch

KfZ Steuer: Ab 2021 wird es für Verbrenner deutlich teurer

KfZ Steuer: Ab 2021 wird es für Verbrenner deutlich teurer

Die Einführung der strengeren Abgastests nach der sogenannten WLTP-Norm im September 2018 hat bereits zu einer deutlichen Erhöhung der Kfz-Steuer geführt. Ein Jahr vor der Umstellung im September 2017 betrug sie durchschnittlich noch 150 Euro, ein Jahr nach der Einführung im September 2019 stieg sie auf 210 Euro. Ab dem kommenden Jahr wird die KfZ Steuer erneut deutlich erhöht. Sie ist am CO2 Ausstoss von Verbrennern gekoppelt. Elektrofahrzeuge sind 10 Jahre steuerfrei. Zeit darüber nachzudenken.

Stärkere Nachfrage nach alternativen Antrieben

Die Nachfrage ist quasi explodiert. Während die Zulassungszahlen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zuletzt deutlich gesunken waren, stiegen die Zulassungszahlen bei Elektrofahrzeugen deutlich auf über 7 Prozent. Natürlich liegt das auch an der Innovationsprämie, die im Konjunkturopaket zuletzt deutlich angehoben wurden.

Zu spät haben, gerade deutsche Hersteller, auf Elektromobilität gesetzt, sodass die Anpassung der Kapazitäten für die Autobauer schwierig ist. Damit gehen teils sehr lange Lieferzeiten einher. Ein Widerspruch, denn das Thema ist ja nicht neu. Teilweise gibt es sogar einen Bestellstop, wie z.B. für den e-up von Volkswagen.

Die Schwierigkeiten der Autoindustrie kommen aber nicht von ungefähr. Die Pandemie hat diese Situation nur verschärft. Dazu kommt der digitale Wandel, der nicht zu unterschätzen ist. Absatzrückgang und Investionen in Milliardenhöhe bei den Herstellern drückt auf die Ertragslage. Auch die Zulieferindustrie hat Ihre Hausaufgaben offenbar noch nicht gemacht.

Deutlich spürbar ist aber auch der Trend zur Mobilitäts – und Verkehrswende. Zuletzt hatte auch die EU Kommission mögliche Verschärfung der Massnahmen, insbesondere im Verkehssektor angekündigt. Diese schafft weiteren Druck bei der Erreichung der Klimaziele und der noch deutlicheren Reduzierung der Emissionen.

Der Minister macht auch hier allen was vor!

„In der jetzigen Situation müssen wir die aktuellen Meldungen gerade der großen Zulieferer im Blick haben“, sagte Scheuer in der dpa Meldung. „Wir reden von Tausenden von Arbeitsplätzen. Jetzt schon. Das ist keine Panikmache, sondern es hat einfach mit der konjunkturellen Situation, der Auftragslage und den Produktionszyklen zu tun.“ Allerdings geht man immer noch davon aus, dass der Zeitpunkt kommt in dem man an frühere Erfolge und Absatzzahlen anknüpfen kann. Ein erneuter Widerspruch, denn selbst die Hersteller haben vor über einem Jahr, also weit vor Corona angekündigt Arbeitsplätze abzubauen.
Die Hersteller wissen zudem genau, dass sie eine Überkapazität von rund 30 Prozent haben. Produktionsstätten die wahrscheinlich auch künftig nicht mehr gebraucht werden. Zu glauben, dass alles wieder so wird wie es ist kann nicht die Massgabe von Diskussionen sein.

Innovationen statt Vergangenheit fördern!

Fatal: Scheuer und die CSU wollen eine Kaufprämie auch für Autos mit Verbrennungsmotor, haben sich aber damit in der Koalition nicht durchsetzen können. Bei einem „Autogipfel“ hatten Politik und Wirtschaft beschlossen, bis November die Einrichtung eines Transformationsfonds für Zulieferer zu prüfen. Es ist nicht akzeptabel und stösst auf sehr viel Widerstand. Es ist keine Hilfe alte Technologien zu fördern, wenn gleichzeitig das neue Ziel der EU auf dem Tisch steht. „Moderne Verbrenner“ gibt es nicht, sehr viele Mogelpackungen sind unterwegs. Das weis auch Minister Scheuer, der immer noch weissmachen will, das Plug in Hybride sauber sind. Das sind sie nicht. Schlimm genug das sie noch gefördert werden. Allerdings, wie bekannt, nicht mehr lange.

Klar für den Minister ist, dass es weiter Thema bleiben wird, wie der Automobilwirtschaft geholfen werden könne. Es gebe verschiedene Vorschläge.

Scheuer sagte zum Umbruch in der Autoindustrie weiter: „Unbestritten liegt ein immenser Weg vor uns, den wir leisten müssen: bei den Antrieben, der Digitalisierung und der Weiterentwicklung des gesamten automobilen Sektors – damit wir Wohlstand und Arbeitsplätze sichern.“ Corona habe einen Digitalisierungsschub auch bei der Mobilität ausgelöst. „Ich appelliere an alle, jetzt nicht auf der Bremse zu stehen, sondern sich für den Transformationsprozess einzusetzen.“

Dann, Herr Minister Scheuer, sollte man Innovationen fördern, die nachhaltig gedacht und umgesetzt werden muss. Ferner braucht es viel deutlichere Anstrengungen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für das Gelingen und die Akzeptanz in der Elektromobilität.

Die Lösung ist sicher nicht die Förderung von Produkten die keine Zukunft haben werden und im Widerspruch zu den Klimazielen stehen.

Lesen Sie auch

Elektroauto: Mehr Informationen des Handels für Interessenten nötig

Elektroauto: Mehr Informationen des Handels für Interessenten nötig

Wer ein Elektroauto kaufen will, sollte gut informiert sein. Sehr wichtig ist für Interessenten eine fachkundige, korrekte und faire Beratung. Immer wieder testen wir die Qualität der Berater und haben zuletzt 50 Autohäuser auf die Probe gestellt. Von Rostock über Berlin bis nach Heidelberg waren wir unterwegs. Markenunabhängig, neutral und haben die Qualität der Beratung getestet. Das Ergebnis ist durchwachsen, weil selbst die Grundkenntnisse oft nicht ausreichend vorhanden sind. In internen Gesprächen zeigen sich Verkäufer von den Herstellern oft in Stich gelassen und das merkt man an deutlicher Verunsicherung bei den Aussagen. Besonders ärgerlich zeigen sich Verkäufer bei den langen Lieferzeiten der Modelle bei fast allen Herstellern.

Lesen Sie auch

Elektromobilität: Wenn die Flotte im Unternehmen elektrifiziert wird

Elektromobilität: Wenn die Flotte im Unternehmen elektrifiziert wird

Das Thema wird immer relevanter und dennoch bleiben Unsicherheiten und Fragen, wenn der Fuhrpark im Unternehmen elektrifiziert werden soll. Nicht ganz einfach, denn es gilt einiges zu beachten: Die passenden Fahrzeuge, nötige Ladeinfrastruktur, die Frage der Energie, Kosten, Steuern, Handling im Alltag und einiges mehr. Was kann man heute schon tun, was ist nötig, sinnvoll und wie mache ich das? Fest steht: Nur wenige kennen sich damit aus.

Audi: Wenn Vorsprung durch Technik nicht wirklich existiert

Audi: Wenn Vorsprung durch Technik nicht wirklich existiert

Viel Marketing und oft viel heisse Luft. Das ist der Eindruck von vielen. Fahrzeughersteller sind da nicht anders, denn sie behaupten immer viel. Sie sind die Besten. Hersteller AUDI, der mit seinem Slogan „Vorsprung durch Technik“ wirbt, will in der ersten Liga mitspielen und behauptet ernsthaft, dass man technisch auf der Höhe der Zeit sei. Zumindest sagt das die Vertriebsvorständin von AUDI, die im Portal Linkin Anlass zu viel Diskussionen gab. Elektromobilität mit Plug in Hybriden die Zukunft? Ein Aufreger in sozialen Medien und dort als Mogelpackung deklassifiziert. Konfrontiert mit der Meinung anderer wurde es nicht besser…

CO2: Bundestag beschließt höheren CO2-Preis – Tanken wird ab 2021 teurer

CO2: Bundestag beschließt höheren CO2-Preis – Tanken wird ab 2021 teurer

Benzin und Diesel, Heizöl und Erdgas werden teurer: Im ersten Step 7 ct. pro Liter für Benzin, 7,9 ct. pro Liter für Diesel. Das Brennstoffemissionshandelsgesetzes ist damit beschlossen. Weitere Erhöhungen sind bereits beschlossen. Mittelfristig ist eine deutliche Erhöhung denkbar, auch weil der Rohölmarkt anzieht.
Der Emissionshandel startet im Jahr 2021 nun mit einem fixen CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne. Die schwarz-rote Koalition wollte eigentlich bei zehn Euro anfangen. Auf Druck der Grünen hatte sich aber der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag Ende 2019 auf die Erhöhung geeinigt. Dies wird nun gesetzlich umgesetzt.

Wallbox: Für die Förderung von 900 € jetzt alles vorbereiten!

Wallbox: Für die Förderung von 900 € jetzt alles vorbereiten!

Ab Ende November 2020 kann man 900 € Förderung vom Bund für die Beschaffung und Installation einer Wallbox erhalten. Die Antragstellung soll unkompliziert verlaufen und bei der zuständigen KfW möglich sein. Dieser Zuschuss aus dem Programm „Ladestation für Elektroautos – Wohngebäaude (Zuschuss 440) macht insbesondere da Sinn, wo kein Förderprogramm der Bundesländer vorhanden ist. Schon jetzt kann man die Beschaffung und Installation vorbereiten und dabei gibt es einiges zu beachten. Ort der Installation, Energieanschluss, Art der Energie und alle Arbeiten, die mit dem Projekt zusammen berücksichtigt werden müssen. Dieses erledigt man am besten mit einem Elektroinstallateur, der sich damit auskennt.

Tesla: Ein Jahr ehrliche Begeisterung mit dem Model 3

Tesla: Ein Jahr ehrliche Begeisterung mit dem Model 3

Ein Jahr Tesla und das, obwohl das Model 3 gar nicht zu emobicon kommen sollte. Und heute? 85.000 km, 6 Länder, pure Begeisterung für ein Elektrofahrzeug, welches sich sicherlich deutlich vom Markt abhebt. Wir haben keine Probleme, hatten nie technische Probleme, haben es ehrlich genossen so toll und elektrisch unterwegs zu sein. Im Team sind alle begeistert und jede Woche gibt es Diskussionen: Wer darf den Stromer mit heim nehmen.

0 Kommentare

Trackbacks/Pingbacks

  1. Verkehrswende: Warum man für oder gegen Elektromobilität ist - […] Klar ist derweilen: Viel Lobbyarbeit, viel Steuerung von Aussen und viel Dummheit geht einher mit einer Entwicklung, die sowieso…

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Über mich: Der Experte rund ums Thema eMobilität.

Über mich: Der Experte rund ums Thema eMobilität.

Autor: Harald

Kategorien