Elektromobilität: Der Boom als Mogelpackung?

von | 16.07.2020 | Allgemein, Förderung Elektromobilität | 0 Kommentare

Haben wir einen Boom auf Elektrofahrzeuge? Jaein. Die Nachfrage nach alternativen Antrieben ist zwar gross, allerdings schafft man sich einen grünen Anstrich mit Plug in Hybriden und von echten Elektrofahrzeugen ist weniger zu sehen, als man denkt. Eingelullt durch Industrie und Politik nutzt man lobbybezogene Vorteile, obwohl sogar die Politik weiss, welche Mogelpackung man nutzt.

Elektromobilität: Boom als Mogelpackung?

Wenig Sinn machen diese Modelle für die meisten Anwender und für das Klima, denn der Einsatzzweck ist heute häufig völlig falsch. Viele wissen zudem nicht, dass man solche Modelle regelmässig laden müsste, um einen Vorteil zu haben. Dabei gibt es bereits zahlreiche 100 % Elektrofahrzeuge die sich lohnen, alltagstauglich sind und häufig günstiger sind als die Zwittermodelle, die ohne Zukunft sein werden.

Was ist ein Plug in Hybrid Fahrzeug?

Ein Plug-in-Hybrid, auch Steckdosenhybrid genannt, ist ein Kraftfahrzeug mit Hybridantrieb, dessen Akkumulator sowohl über den Verbrennungsmotor als auch am Stromnetz geladen werden kann. Meist hat er einen größeren Akkumulator als ein reiner Hybrid (Vollhybrid) und ist somit näher als letzterer am Elektroauto

Der Vorteil: Richtig eingesetzt reicht die elektrische Reichweite für die durchschnittliche Pendelstrecke von rund 35 km. Man muss das Modell nur regelmässig laden.

Der Nachteil: Stets hohe Zusatzmassen an Bord, ein eingeschränkter Laderaum, ziemlich teure Wartungsarbeiten, sehr hohe Anschaffungskosten für die Modelle.

Plug in Hybride als Treiber?

Irritierend scheint zu sein, dass Treiber des Booms so genannte Plug-in-Hybride sind, also , Verbrenner mit Elektroantrieb. Vor und Nachteil zu gleich ist, dass sich das Akku extern aufladen lässt. Benannter Vorteil ist, dass man im Idealfall in der Stadt rein elektrisch und bei längeren Strecken auf der Autobahn mit Verbrennerantrieb unterwegs ist. Dabei beträgt die Reichweite der meisten Plug-ins im Elektromodus 20 bis 40 Kilometer. Entscheidend ist aber, dass das Akku regelmässig geladen wird und genau das ist der Knackpunkt. Oft, so hören und so erleben wir, dass das nicht passiert. Trotzdem fördert die Bundesregierung seit Juni die Plug-ins noch massiver – mit 5.625 bis 6.750 Euro – unter der Annahme, dass sie nur 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Hinzu kommen ausserdem steuerliche Anreize über die Dienstwagenbesteuerung. Laut Norm verbraucht ein Plug-in nur zwei bis drei Liter pro 100 Kilometer. Nur erreicht wird diese Norm praktisch nicht, oder nicht in dem Rahmen wie man es erwarten würde.

Unternehmen nutzen die steuerlichen Vorteile, verpassen sich ein vermeintlich grünen Anstrich, ignorieren aber weitgehend die Nachteile, wenn diese Modelle nicht so genutzt werden, wie sie gedacht wurden.

Dabei hat man offensichtlich bewusst und im Interesse der Automobilindustrie diverse Faktoren weggelassen, die sonst ein Nachteil wären: Die Verpflichtung des Ladens der Batterie. Widerstand gibt es nun aber schon aus anderen europäischen Ländern, die genau und deshalb die Förderungen dieser Mogelpackungen beendet haben. Das Ergebnis war schnell sichtbar: Der Hype um die angebliche tolle Lösung wurde beendet – die Zulassungszahlen fielen in den Keller. 

Reale Werte des Verbrauches durch die EU?

Aber jetzt kommt neuer Gegenwind und das ausgerechnet von der EU. So will man künftig genau wissen, wie der Verbrauch eines jeden Fahrzeuges in der Realität ist, ausserdem wird dargestellt wie hoch der Anteil elektrischer Stecken ist. Dazu will man die Technik im Bordcomputer nutzen. Eine Datenermittlung soll es ermöglichen, dass diese Fahrwerte übermittelt werden. Eine Lösung soll bis Ende 2020 vorliegen, in 2021 soll dieses Prozedere starten.

Theorie soll die Realität aufzeigen

Die theoretischen Werte von weniger von 2 Litern pro 100 km sind fatal. Sie zeigen erneut, wie trickreich dargestellt werden soll, was nicht zu halten ist. Der Normverbrauch liegt meistens deutlich höher – nicht selten ein Vielfaches der Angaben. Nicht wenige sprechen von erneutem Betrug und gleichzeitig fragen wir uns: Warum glaubt man nach den Vorkomnissen der Vergangenheit noch an die Angaben eines Herstellers, dessen Interesse nicht im Einklang der Interessen des Kunden stehen?

Die Diskrepanz zwischen den Norm- und Realverbräuchen liegt auch am eigenen Verhalten der Nutzer. Bei der Untersuchung von 1.500 Plug-ins hat die Analysefirma Miles Consultancy festgestellt, dass der Realverbrauch bei über sechs Litern je 100 Kilometer lag.

Teilweise werden Plug-in-Hybride gar nicht in ihrer hybriden Funktion mit E-Antrieb genutzt. Und Autohändler berichten uns von zurückgegebenen geleasten Fahrzeugen, bei denen das Ladekabel noch originalverpackt im Fahrzeug lag. Ein Widerspruch. Fest steht: Wird ein Plug-in nur als reiner Verbrenner benutzt, ist er noch klimaschädlicher als ein normaler Verbrenner. Das liegt u.a. am Gewicht der zusätzlichen Batterie und verbraucht dadurch mehr Sprit als ein moderner Benziner oder Diesel.

Auch deswegen regt sich deutlicher Widerstand, dass man Förderungen auslobt für einen Antriebsmix der keine Verpflichtung im richtigen Fahrmix erhält. Und selbst in den eigenen Reihen der Autobauer und deren Verband VDA macht man Miene zum Spiel in dem man verhindern will, dass es zu einem Plug in Skandal kommt und das Interesse an dem Antriebsmix abnimmt.

Das Dilemma von Herstellern und Politik

Der Absatz geht von oft falschen Annahmen aus. Zusätzlich werden Händler belohnt, die Plug in Hybride verkaufen – auch weil Hersteller wie Daimler und BMW kaum reine Elektrofahrzeuge am Markt haben. Dabei müssen sie aber den Kohlendioxid-Verbrauch ihrer Flotte drastisch senken – ab 2021 bereits auf 95 Gramm CO2 pro Kilometer. Das geht aber nur über Elektroautos und Plug-in Modelle.

Auf der Strecke bleiben häufig Ehrlichkeit, Kenntnis und Realität, nur um überhaupt etwas verkaufen zu können. Der Druck ist dabei gewaltig, denn schaffen es die Hersteller nicht, zwei Millionen elektrifizierte Fahrzeuge bis nächstes Jahr auf die Straße zu bringen, verfehlen sie das CO2-Ziel. 

 

Es drohen empfindliche hohe Strafen. Unter den deutschen Herstellern gibt es einen Hersteller, der bereits ziemlich weit ist: Volkswagen. Aktuell verkaufen die Wolfsburger jeder vierten echten Stromer, der in Deutschland zugelassen ist, dank eGolf, bevor der I.D.3 auf die Strasse kommt und der Elektro Golf abgelöst und eingestellt wird. BMW hingegen kommt mit seinem i3 nur auf einen Anteil von 5,7 Prozent, Mercedes sogar nur auf 1,2 Prozent.

Teilzeitstromer haben keine Zukunft

Die Hersteller wissen, dass die Schere zwischen Versprechen und Realität deutlich zunimmt. Bekannt ist auch in den Chefetagen der Hersteller, dass die Autos mit Stecker pseudogrüne Mogelpackungen sind. Die meisten Kunden fahren mit ihrem Plug-in lieber zur nächsten Tankstelle als zur Ladesäule. Fatal für das Image, das Klima und den Sinn der Technik.

Längst gibt es Forderungen aus der Politik wie man das ändern könnte. So könnten „Lademuffel“ beim TÜV-Termin entlarvt werden. Wer weniger als 80 Prozent elektrisch gefahren sei, solle bestraft werden. Dabei wäre es einfacher den Umweltbonus an die tatsächlich elektrisch gefahrenen Kilometer zu koppeln. Die Hersteller müssen ab 2021 ohnehin alle neu zugelassenen Fahrzeuge in der EU mit einem Gerät ausstatten, dass den tatsächlichen Spritverbrauch erfasst und speichert.

Eine Debatte über Plug in Hybride scheint unausweichlich und könnte für die Hersteller sehr gefährlich werden. Längst drohen zu kippen, was man verhindern will. Wir können sagen, das in unseren Kontakten immer häufiger geäussert wird, dass man entäuscht ist von den Plug in Hybriden. Nichts was versprochen wurde wird gehalten: Der Verbrauch deutlich höher als angenommen, Wartungskosten, in Teilen deutlich höher als reine Verbrenner und die Reichweiten die versprochen werden, werden nie möglich. Zeit für einen Wechsel zu echten Stromern, die heute bereits oft alltagstauglicher sind, als die meisten denken.

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Über mich: Der Experte rund ums Thema eMobilität.

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Autor: Harald

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