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Elektroauto: Wenn ENERGIE dem Fahren mit ÖL Konkurrenz macht

Die Mobilität verändert sich und damit auch der Antrieb. Aus ÖL wird Energie. Aus Tank wird Akku. Warum machen wir uns von Asien abhängig, statt die Chancen zu nutzen?

von Stefan Blome | emobicon - Cover Bild: T-Online.de

Wenn ein Autokonzern wie Volkswagen, der Elektromobilität nicht auf dem Schirm hatte, plötzlich Milliarden in eine neue Technologie investiert, dann hat das schon etwas zu bedeuten. Sie verteilen rund 40 Milliarden Euro in Elektroauto Technologie. Diese Wahnsinnssumme dürfte für die Akku Technologie verwendet werden. Ein bislang kleines Marktfeld, welches aber wächst und nicht zu unterschätzen ist: Wenn ausserdem Daimler, BMW und viele andere Hersteller Milliarden Summen in diese neue Technologie stecken, dann darf man davon ausgehen, das Sie es müssen. Akku ist auch gleich Strom ist gleich die Abkehr vom Öl. Es wird alles anders. Nicht nur die Mobilität, sondern auch die Wertschöpfung, die Produktion, der Nutzen, das Image. Einfach alles. Start ups treiben die Hersteller, die Gesellschaft, die Debatte um Klima und Co an. Der Druck für Veränderung ist spürbar.

Mit dem Akku lässt sich Geld verdienen

Klar ist: Die Bedeutung der Speicher ist dabei kaum zu unterschätzen, auch weil sie nicht nur Strom speichern können und damit Mobilität antreiben, sondern weil noch viel mehr damit funktioniert. Es geht auch um die Energiewende und hier können Speicher von wertvollem Nutzen sein. Beim unterschiedlichen Bedarf im Tagesrhythmus gleichen Sie diesen in der Zukunft vorzüglich aus. In der Theorie schon lange und künftig auch in der Praxis. 

Bislang ist der Verbrennermotor die Hauptantriebsart vieler Autos. Künftig werden es batteriebetriebene Elektromotoren sein. Strom ist praktisch das Öl von morgen. Das hat viele Vorteile – das muss man wissen und diese kann und sollte man nutzen. Klar ist: So wie Öl heute ein riesen Geschäft ist, wird das Speichern von Strom es auch werden. Und das, so scheint es zu sein, wird sich kein Fahrzeughersteller entgehen lassen. Mit dem Mehrfachnutzen lässt sich Geld verdienen. Warum auch nicht, wenn man erkennt, wieviel Mehrwert möglich ist. Akkus sind recht teuer, werden es, technologisch bedingt, auch bleiben. Hier kann ein Kosten-Nutzen Ausgleich auch für sinkende Preise sorgen.

Aktuell ist es so, dass man die wertvolle Technologie nicht selber herstellt. Auch die alten Verbindungen der Hersteller zu Ihren Zulieferern helfen da aktuell nicht viel. Denn das Geschäft machen immer grösser werdene Hersteller aus Asien. Firmen wie BYD, Panasonic, Samsung, LG Chem oder CATL errichten immer mehr Fertigungen, bald auch in Europa. Und das lassen sie sich sehr gut bezahlen. Diese Hersteller wissen um Ihre Marktmacht und können nun dadurch Ihren technologischen Vorsprung nutzen, dass hiesige Hersteller sich von ihnen abhängig machen. Sie haben praktisch keine Wahl.  

Die Akku Technologie wird unterschätzt

Natürlich geht es darum, mit den eigenen Milliardeninvestitionen Geld zu verdienen, aber es geht auch darum mit der neunen veränderten Technologie in Europa Fuss zu fassen. 

So wirklich verstehen kann man demnach aber nicht, warum sich die Europäer das Geschäft entgehen lassen. Es hat was mit mangelnder Risikofreude, schlechten Erfahrungen aber auch mit klugem Rechnen zu tun. Kaum einer versteht es aber, schon gar nicht die Politik. Denn die veränderte Mobilität, das Elektroauto, das nötige Akku – das sind nur Kleinigkeiten, wenn es um die komplett veränderten technischen Möglichkeiten beim Autofahren gehen wird. Hier verändert sich noch viel mehr und das braucht viel mehr Know how. Techniken die auch eher von Asien aus gesteuert werden oder von der anderen Seite aus Kalifornien nach Europa schwappen. 

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Fehlendes Know how für das Akku kostet jetzt viel Geld

Die Forderungen der Politik haben bislang wenig genützt. Was sollen die Hersteller auch mit Appellen anfangen ? Zwar forschen die Autohersteller nun an der technologischen Veränderung und auch die Zulieferer erkennen ihre Chancen, aber es kam langsam und sehr spät.  Da bleibt die Frage, wie man all das, was nun auf einmal änderbar ist, umsetzen will. Zunächst war das Thema Rohstoffe. Völlig verkannt und Neuland. Mit all seinen Begleiterscheinungen. Während Asien sich weit vorher schon abgesichert hatte, musste zum Beispiel Volkswagen erkennen, dass man reichlich spät dran ist. Den Vorteil haben andere genutzt. Dieser Wettbewerb wurde auch völlig unterschätzt. 

Die Rohstoffkosten sind sehr hoch und machen bis zu 80 Prozent der Kosten aus. Aber weitere Schritte zu gehen, die Akkuzellen selber herzustellen, das wollen sie immer noch nicht. Da dieses nicht zum „Kerngeschäft“ eines Herstellers gehört, hat man aktuell auch kaum Ambitionen das zu ändern. Die Kenntnisse beim Verbrennungsmotor über das optimale Verbrennen von Kraftstoffen ist ein völlig anderes Feld. Hier hat man in Jahrzehnten viel Geld investiert um dieses optimal zu industrialisieren.  Batterie, Akku, Zelle, Energie, das Speichern. Das ist Chemie der Extraklasse. Hier fehlt das Know How. Ohne viel Schnick Schnack drum herum.  Keine Mechanik und eine völlig andere Elektronik. Und diese neue Welt ist nicht trivial, wie Daimler vor einigen Jahren feststellen musste.

Der Konzern hatte im sächsischen Kamenz Zellen gebaut – die zwar von hoher Qualität waren, aber doch nicht ganz konkurrenzfähig bei Preis und Leistung, so redet man zumindest in der Branche. Die eigene Zellfertigung ist deshalb abgebaut worden. Stattdessen werden an dem Standort nun teuer eingekaufte Zellen zu großen Batterien zusammengebaut, samt einem Steuercomputer. So und so ähnlich machen das nun viele Autohersteller, und zugleich beteuern sie, dass die Stromspeicher ja nicht „wettbewerbsdifferenzierend“ seien, eine bestimmte Zelle also schnell durch ein anderes Modell austauschbar sei. Sie sehen noch nicht die rasante Entwicklung.

Akku ist mehr als eine Mischung aus Rohstoffen

Man muss auch gar nicht zum Akku eines Elektroautos schauen um zu erkennen, dass Akkus eigentlich eine ziemlich simple Sache sind. Jeder nutzt Akkus täglich in verschiedenen Bereichen. Deutsche Technik stellt sie in Asien her. Rohstoffe wie Kobalt, Lithium und Co werden mit weiteren Rohstoffen und flüssigen Elektrolyten zu einer Akkuzelle. Ein paar mal gewickelt, mit Kunststoff verstärkt in ein Gehäuse gepackt. Fertig. So einfach! Aber in der Praxis zeigen sich die Unterschiede in der Zusammensetzung und Mischung der Rohstoffe. Auch die Beschaffenheit der Metalle, die Bauform und wie man die Zellen zusammenbaut entscheidet über die Qualität und Langlebigkeit des Speichermediums. Unterschiedliche Technologien ergeben unterschiedliche Möglichkeiten und der Anspruch wächst ein Allrounder System zu haben, wo eine Technologie verschiedene technologische Bereiche abdecken kann. 

Die Asiaten sind risikofreudiger - aus Erfahrung

Und da die Ansprüche an Zelle, Leit- und Speicherfähigkeit steigen, ist ein enormer Wissensstand ganz entscheidend. Die Leistungsdaten sind auch entscheiden für den Preis und der Preis ist ein nicht unerhebliches Argument. Fragen der Ladefähigkeit nach Zeit, der Anfälligkeit von Temperatur, der Sicherheit beim Laden und Entladen sind wichtige Gradmesser. In Europa fehlt diese Kenntnis sehr häufig.  Dabei ist klar: Nicht alle Zellen verhalten sich gleich – und auch der Aufwand für die Fabrikation unterscheidet sich noch deutlich. Die höchste Summe rief dabei der weltweit führende Autozulieferer Bosch auf, sie wirkt geradezu abschreckend: 

Unter globaler Marktführerschaft wollen es die Schwaben nicht machen und diese Position würde etwa 20 Milliarden Euro kosten, bei ein- bis eineinhalb Milliarden Euro pro Fabrik. Das sei dann doch zu risikoreich, entschied man schließlich nach vielen Monaten des Abwägens und legte das Projekt zu den Akten. Ob dieser Aufwand zu einem Ergebnis führt konnte keiner sagen und ob man dann günstiger produzieren kann als die asiatische Konkurrenz, wusste man natürlich auch nicht. Man hat lange überlegt und keine Argumente für ein „Dafür“ gefunden. Das Risiko erschien zu gross. Schliesslich war man bei der Solarproduktion in Kamenz ja zu keinem Ergebnis gekommen, was diese Inventionen gerechtfertigt hätte.

Asiatische Hersteller kommen nach Europa

Ein Grund war dann auch der Vorstoss asiatischer Hersteller in Europa. Der Hersteller SK veranschlagt für ein neues Werk in Ungarn etwa 650 Millionen Euro. Der chinesische CATL-Konzern will eine Zellfabrik in Thüringen sogar für nur 240 Millionen Euro errichten. Man hat Erfahrung. Diese haben Bosch und andere Hersteller eher nicht. Es kommt aber auch auf die Grösse der Fabrik und der künftigen Ausrichtung und Auslastung drauf an. Für eine Fabrik mit jährlich fünf Gigawattstunden Kapazität müsse man etwa eine halbe Milliarde Euro investieren. Damit ließen sich etwa 50 000 Wagen mit 100-Kilowattstunden-Akkus ausrüsten, wie sie etwa ein Tesla Model S unter der Haube hat.

Fazit

Klar ist: Der Mut ist klein, das Risiko scheint gross. Ein Dazwischen scheint es nicht zu geben. Und auch der Glaube scheint nicht so gross zu sein, wie man ihn bräuchte, um mehr ins Risiko zu gehen. Damit bleibt dann die Frage, warum man dann aber viele Milliarden in das Elektrofahrzeug investiert. 

Wenn alte Fahrzeugakkus zu Energiespeichern werden, wenn Volkswagen in das Energiegeschäft einsteigen will, wenn Ford mit Volkswagen eine tiefgreifende Partnerschaft vereinbart und Daimler mit BMW zusammenarbeitet, dann ist erkennbar wie gross der Druck ist in den vielen Herausforderungen der Mobilität.

Das war sicher erst der Anfang. Und weitere Risiken wird man überwinden und überstehen müssen: Trump und  Zollstreit, China und Asien, Rohstoffe und Technik, autonomes Fahren und Akzeptanz. Schauen wir mal…

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