Elektroauto: Wenn bei Journalisten die Testfahrt scheitert

von | 01.03.2021 | Allgemein | 0 Kommentare

Elektroauto: Wenn sich Journalisten bei Testfahrten dumm anstellen

Bild: emobicon®

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben? So oder so ähnlich erleben wir immer wieder Tests von Journalisten (oder solche, die behaupten es zu sein) wenn es um Elektrofahrzeuge geht. Ich nehme mir ein Elektrofahrzeug, bin in der Regel nicht oder wenig vorbereitet und fahre los. Es geht (meistens) schief. Und in der Regel scheint es Absicht zu sein. Anders lässt sich so manch eine Behauptung aus der Presse oder in TV-Berichten nicht erklären. Dabei darf man auch fragen: Sind sie so dumm oder tun sie nur so? Betrachtet man das mal realistisch, dann wissen auch wir als Experten: Es läuft noch nicht rund. Das muss es auch nicht, weil es sich entwickelt. Wir unterstellen aber mal: Es geht mit Absicht einiges schief, weil das der Grund des Berichtes ist…

Die Absicht des Versagens ist offensichtlich

Es gibt nichts schön zu reden. Elektromobilität boomt, das Interesse ist wirklich groß. Und zurecht gibt es viele Fragen, weil es anders ist. Ich fahre nicht mehr tanken – ich lade auf. Im optimalen Fall „nebenbei“ und ich komme mit dem Fahrzeug X von A nach B und brauche unterwegs vielleicht eine Schnelllademöglichkeit. Außerdem brauche ich zum Laden ein Smartphone und oder eine Ladekarte. Jede Karte geht (noch) nicht überall, aber man kann damit zurechtkommen. Denn die App zur Ladekarte zeigt mir an, welche Ladesäule ich unterwegs auch nutzen kann. Zudem gibt es meistens auch das Ad hoc Laden, d.h. über den Betreiber der App mit Kreditkarte oder PayPal einen Ladevorgang zu ermöglichen. Außerdem sinnvoll: Ein paar Grundinformationen: Wo kann ich laden, wieviel kostet es, und was ist der Unterschied zwischen Wechselstrom und Gleichstrom. Viele Fragen auf der Suche nach Antworten. Schaut man sich aber an, was die Tester so erleben, dann ist es lächerlich, peinlich, dumm oder eine Mischung aus allem.  Es gibt viele Beispiele aus der Vergangenheit. Drei Beispiele wollen wir mal näher beleuchten. Schade, dass man diese Dinge für eine neue Technologie nicht sehen will, denn die Recherche eines guten Journalisten kann genau das abdecken.

Aber eine Frage in der Gesamtbetrachtung habe ich noch. Dieses Thema ist eines, von dem ich was verstehe. Ich kenne mich aus, weiß damit umzugehen und unterstütze bei Lösungen und dem elektromobilen Alltag. Leicht erkennbar für mich: Hier läuft einiges schief oder es werden Dinge behauptet, die nicht stimmen. Man könnte auch verzerrte Darstellung sagen. Berichten diese Journalisten auch in anderen Themenfeldern, die nicht meine Kernkompetenz sind, so unglaubwürdig? Berechtigte Zweifel sind angebracht.

Man könnte unzählige Fahrer von Elektrofahrzeugen fragen. Es gäbe soviel Tipps als möglichen Mehrwert. Praktische Tipps für den Alltag mit einem Stromer. Das will man in aller Regel nicht, denn sonst würde sich manches „Drehbuch“ in Luft auflösen…

Beispiel 1: Sendung „AKTE“ in SAT 1

In der TV-Sendung „Akte“ in SAT1 geht es um einen Langzeittest mit einem Hyundai KONA Elektro. Dort heißt es dazu auf der Webseite: „E-Autos liegen immer mehr im Trend. Mehr als 150 Tausend sind mittlerweile in Deutschland zugelassen, aber viele haben auch Bedenken. Beispielsweise: Was passiert, wenn man in den Urlaub fährt? Hält der Akku so lange? Akte macht den Test.“ Und wir haben uns das angetan und angeschaut.

Ein (Reporter) Pärchen auf großer Fahrt: Von München nach Spanien. Eine Herausforderung mit dem Stromer. Ausgestattet mit App, einem Ladezugang und guter Laune. Es war klar: Es muss schiefgehen.

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Man muss Technologie auch verstehen wollen

Die Tester zeigen sich begeistert und glauben, gut vorbereitet zu sein. In dem ersten Teil des TV-Berichtes wird deutlich: Sie nutzen 2 Apps zum Auffinden einer (passenden) Ladesäule. Deshalb fahren sie offensichtlich eine Wechselladestation an, um sich dann zu wundern, dass man noch fast 4 Stunden benötigt, um „vollgeladen“ zu sein. Warum hat man nicht nach Schnellladern gefiltert, um diese anzufahren? Warum muss immer vollgeladen werden, wenn man ab ca. 80 Prozent Akkustand technisch bedingt länger braucht? Warum muss ich so schnell fahren, um mich zu wundern, dass der Akku sich „schneller leert“ als gedacht? Warum nutze ich nicht den ECO-Modus, der es ermöglichen würde, effizient zu fahren?

Selbst das Gespräch mit Elektroautofahrern am Hotel (Zwischen-) Ziel brachte wohl keine wirkliche Erkenntnis. Zum Beispiel, warum ich dort einen Schnelllader nutze, obwohl ich über Nacht dort bleibe. Denn das Hotel dort vor Ort hat eine klassische Wallbox – völlig ausreichend für die Ladung über Nacht. Immerhin war das Fahrzeug am nächsten Morgen vollgeladen. So viele Fragen – keine echten Antworten im ersten Teil. 

Ein roter Faden von Teil 1 zu Teil 2 und wieder zurück

Die Befürchtung hat sich bestätigt. Auch im 2. Teil dieses Beitrages waren alle schuld, die „Journalisten“ aber nicht. Ganz offensichtlich keine Vorbereitung und deren Fazit war: „Man braucht starke Nerven, viel Geduld“. Keine Einsicht darüber, dass sie sich vielleicht mal ein wenig hätten vorab mit der Materie beschäftigen sollen: Über das Laden, die „richtige“ Ausrüstung, ein einphasiges (oranges) Ladekabel (was das Laden etwas langsamer macht). Gern betonte man, dass sie „extra ein Hotel mit Ladestation“ ausgewählt hatten. Dann wunderte man sich, dass man „nur“ per Schuko Stecker aufladen kann. Beim nächsten Hotel war es nur ein roter Industriestecker. Ein Ladekabel gab es nicht. Offensichtlich war man auch nicht mit dem Fahrzeug vertraut, so ohne ECO Modus, Rekuperation-Pedal und natürlich war es besonders teuer – oh Wunder auch mal umsonst. Ich hatte in meinen zahlreichen Touren bislang JEDES Hotel mit passender Wallbox. Wen haben sie denn bitte gefragt? Natürlich auch dazu keine Information.

Und warum macht man sich während der so langweiligen Zwangspause nicht schlau, wie man es besser oder anders machen kann? Warum sucht man sich eine Ladestation in einem „nicht einladenden Industriegebiet“ aus? Warum hat man sich nicht vorab informiert, welche Ladekarte man braucht? Der ADAC – Gesprächspartner im 1. Teil hätte doch sicher geholfen? Man darf davon ausgehen: Pure Absicht – das unterstelle ich hier gern. Wie sooft: Gleiches Szenario wie auch bei anderen, die sowas „ausprobieren“. Klar, der Diesel geht einfacher, schneller und vor Allem mit über 800 km Reichweite war es für das Begleitteam „entspannt“

Komisch ist es außerdem, weil ich selber und das bereits in 2019 über 6000 km bis nach Portugal und zurück schaffte. Ohne Probleme. Ärgerlich wenn man sich so anstellt, wie man es in diesem Beitrag tut.

Diese Inszenierung hat auch Online in verschiedenen sozialen Medien für ordentlich Wirbel gesorgt. Weitgehende Übereinstimmung und die Aussagen „dämlich angestellt“, „dreist“und „dumm“ kamen ziemlich häufig vor.

Die Rückfahrt, auf anderen Quellen dieses Magazins habe ich mir erspart. Ein drittes Mal muss ich mir das nicht antun. Ohne gesehen zu haben ist das Ergebnis? Schlecht, lange warten, geht nicht und wieder Ladeprobleme, weil alle Schuld haben, nur diese „Reporter“ nicht.

Beispiel 2: Radio Bremen

Bei Radio Bremen TV geht’s um einen Erfahrungsbericht mit einem Elektrofahrzeug in der Regionalsendung „butenunbinnen“. Der Bericht mit dem Untertitel: „Der nächste wird ein Elektroauto! Dieses Vorhaben hat unsere Autorin in die Tat umgesetzt. Aber wie alltagstauglich ist ein E-Auto wirklich? Ein Erfahrungsbericht.“

Die Autorin Lina Brunnée will einen Neuwagen in Wolfsburg abholen. Als Pendlerin fährt sie sonst nur rund 56 km am Tag. Sie fährt mit dem Zug nach Wolfsburg, holt dort das Elektrofahrzeug ab und strandet offensichtlich an einer Säule eines Supermarktes. 

Wenn ich laden kann bin ich gestrandet?

Nach 90 km will sie das erste Mal laden an einem Autohof. Die ADAC Ladekarte will dort offensichtlich nicht passen. Der Bordcomputer im Fahrzeug zeigt die Stationen nicht richtig an. Das gibt es in der Tat. Keine Frage: Es ist ungünstig und hängt im Wesentlichen mit der meist schlechten Datenqualität zusammen, die der Hersteller nutzt. Verwirrend für den Nutzer und noch schlechter, wenn der Verkäufer sich dazu offensichtlich nicht äußert. Die Angabe, welche der Ladesäulen mit der ADAC Ladekarte nutzbar sind, wird nur in der Lade-App angezeigt. In dem Fall von EnBW. Das funktioniert in der Regel tadellos. 

Und logisch: Ich fahre die Stationen an, die mit dem passenden Zugang nutzbar sind. Die Testerin selber sieht ein, dass es sinnvoll gewesen wäre, sich besser vorab informiert zu haben. Aber warum behauptet sie an einer Ladesäule eines Supermarktes gestrandet zu sein? Das Laden hat funktioniert. Man sollte sich bei der Auswahl des Fahrzeuges besser informieren, denn der Stadtwagen e-up von Volkswagen kann, im optimalen Fall auch nur maximal 40 kW pro Stunde laden. An einer Schnellladestation. Warum dann der Eindruck erweckt wird, dass sie wegen dem Elektrofahrzeug 17 Stunden unterwegs war, obwohl sie erst um 15.30 Uhr das Fahrzeug in Empfang nimmt erschließt sich mir nicht. 

Kurios ist die Darstellung allemal, denn ein Kleinfahrzeug, mit dem man die Welt erobern will passt genau so wenig wie der Flug bis ans Ende der Welt – dann aber mit einem Kleinflugzeug, welches zig Stopps benötigt um aufgetankt zu werden, statt gleich den „großen Flieger“ zu nehmen, welcher keinen Zwischenstopp benötigt.

Beispiel 3: WDR-Sendung „Aktuelle Stunde“

Ein älterer Bericht in der WDR-Nachrichtensendung: „Aktuelle Stunde“, als Moderator Martin von Mauschwitz einen Hyundai IONIQ Elektro fuhr. Ich erinnere mich, als wäre es gern gewesen.

Er fuhr das Modell IONIQ Elektro, war auch recht angetan, aber dann meinte er in Wermelskirchen (NRW) an eine Wechselladestation zu laden. Das Fahrzeug sollte dort 5 Stunden laden. Warum? Das Fahrzeug kann auch schnellladen und kurz vorher fuhr er über die Autobahn A1, in Sichtweite eine Raststätte mit Schnelllader. Dort wäre es fix gegangen. In höchstens einer halben Stunde wäre das Laden abgeschlossen. Keine Erwähnung über das Schnellladen, keine über die Ladesäule und warum er 100 % vollgeladen werden muss, um dieselbe Strecke zurück zu fahren wurde auch nicht gesagt.

Ein Fazit mit falschen Behauptungen

Benannt wurde aber „man muss vollladen“. Es erschließt sich uns nicht. Das Fazit ist schnell erklärt: Es ist nicht ausgereift, das mit dem Laden ist nicht so toll und überhaupt dauert es viel zu lange. Alle drei Aussagen sind falsch. Wieder Zufall oder doch Absicht? Gerade der WDR steht doch für Qualitätsjournalismus. Übrigens, eine nette E-Mail zu dem Beitrag ging direkt an den WDR und die Redaktion. Eine Antwort gab es nie. Man hätte dann vielleicht einsehen müssen, dass man (absichtlich) dämlich war, oder?

Die meisten Behauptungen sind lächerlich

Im Behaupten von Dingen sind besonders Journalisten schnell. Dabei liegen die Fehler auf der Hand. Man erhebt immer hervor „sorgfältig zu recherchieren“. Davon ist hier aber offensichtlich nicht viel zu merken. Es ärgert viele, denn so schlimm, wie oft behauptet, ist das alles nicht. Das Thema Elektromobilität ist in einer Phase der Entwicklung und alles darf sich entwickeln. Schlecht, wenn man sich nicht informiert und aufgezeigt wird, wie dumm sie sich anstellen. Die Frage ist aber: Warum die Absicht? In vielen Foren lacht man aber auch darüber und viele fragen sich zurecht:“Sind die wirklich so dumm?“ Ja, es ist einfach für den, der das kann, aber jemand der sich informiert kann es einfacher haben als er glaubt.

Ein Wunder, dass so viele Nutzer zufrieden sind, mit dem einen oder anderen Problem hadern, weil es sich entwickelt, denn wenn es nach den meisten Journalisten, Reportern oder den Propagandisten geht: Es funktioniert nicht und nie. Was man immer wieder erlebt: Es wird viel Mist erzählt und man kann auch in Teilen Absicht unterstellen in der oft falschen Darstellung der Situation. Zurecht.

Ich rege mich aber nicht mehr darüber auf, weil es ja keine Ausnahme mehr ist, sondern fast schon zur Regel gehört. Wenige Journalisten sind objektiv. Zu wenige. Leider. Man kann es praktisch damit vergleichen, dass Elektroautos in der Wahrnehmung ständig brennen. Die Fakten sind andere. Nur an einen Brand eines Verbrenners hat man sich gewöhnt. Es ist also keine Seltenheit mehr wie beim Stromer.

Der Qualitätsjournalismus, der keiner ist

Es gibt viele Beispiele besonderer journalistischer Leistungen zum Thema Elektromobilität mit soviel Unwahrheiten und absichtlichen Scheitern: FOCUS, Deutsch Welle, das ZDF, Bayrischer Rundfunk, Funke Medien Gruppe und und und. Nur wenige Medien berichten objektiv  fair und informieren sich vorher. Bei den Druckausgaben fällt oft auf: Das Elektroauto ist so schlecht. Es funktioniert nicht und man wird scheitern. Und direkt daneben die neuesten Top-Angebote der Verbrennerlobby. OK, dass Journalisten auch „gekauft“ werden, dass sie dieses und jenes behaupten ist bekannt – auch deshalb wollte ich mal aufzeigen, wie die Situation beim angeblichen Test von Elektrofahrzeugen ist. Weitere viele Berichte aus dem Qualitätsjournalismus werden wir in diesem Bereich sicher noch erwarten können. Die neuesten Berichte und „Reportagen“ sind sicher schon in Arbeit…

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Über mich: eMobil Experte | Coach | Projekt Planer bei emobicon®

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Autor: Harald M.

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