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Elektroauto: Sind Plug in Hybride größter Betrug seit Dieselgate ?

Plug in Hybride könnten der grösste Irrtum seit dem Diesel sein. Laut einem BBC Bericht wird die Alternative im Gegensatz zu reinen Elektroautos kaum aufgeladen - aber jede Menge Fördergelder kassiert.

von Thorsten Bär | emobicon

Die Idee klingt erstmal gut: Im Stadtverkehr elektrisch und emissionsfrei, auf der Langstrecke mit Benzin. Ohne Reichweitenangst, ohne Ladezeiten. Der Plug-In-Hybrid vereint vermeintlich das Beste zweier Welten. Die Realität jedoch zeigt: Es ist wohl eher das Schlechteste zweier Welten, jedenfalls bei der aktuellen Generation dieser Autos. 

Ladekabel werden nicht genutzt

Wie die britische BBC berichtet, wurden zehntausende Plug-In-Hybride zwar staatlich gefördert, aber nur selten und zum Teil sogar nie elektrisch aufgeladen. Mehr als 70 Prozent dieser Fahrzeuge wurden bis 2018 in Großbritannien als Dienstwagen gekauft, 37.000 Stück insgesamt. Oft als Ersatz für Dieselfahrzeuge. 

Die erhobenen Daten des Unternehmens „Miles Consultancy“, die der BBC vorliegen, zeigen: Der Realverbrauch von 1500 untersuchten Hybriden lag bei etwas über sechs Litern pro 100 Kilometer. Laut Herstellerangaben hätte er aber nur bei knapp zwei Litern liegen müssen.

Es gebe sogar Fälle, in denen Dienstwagen-Fahrer ihre Autos tatsächlich nie aufgeladen, sondern ausschließlich betankt hätten.  Dabei kommt sogar raus: „Die Kabel lagen noch originalverpackt im Kofferraum, während die Unternehmen einfach das Tanken bezahlten“, berichtet Paul Hollick von „Miles Consultancy“ der BBC. Das sei eine „lächerliche Praxis“ und so weder vorgesehen noch gewollt.

Plug in Konzept funktioniert nur bei bestimmten Fahrprofilen

Das unter Experten seit Jahren bekannte Grundproblem ist die enorme Diskrepanz zwischen Real- und Katalogverbrauch bei Plug-In-Hybriden. Die Diskrepanz ist in aller Regel viel höher als bei normalen Benzin- oder Dieselfahrzeugen. Denn Fahrzeuge die durch 2 Technologien an Bord viel schwerer sind können nur in der Kombination der Antriebe punkten, nur das passiert offensichtlich kaum. Das gilt natürlich ebenso für Deutschland. 

Während aber Dieselfahrzeuge mit Fahrverboten belegt werden, hat man im Gegenzug nicht nur E-Autos, sondern auch Hybride massiv gefördert. Dabei funktioniert das Plug-In-Konzept nur bei einem bestimmten Fahrprofil unter maximaler Ausnutzung der E-Reichweite – gerade für Langstrecken ist es überhaupt nicht geeignet. Zwar kann man davon ausgehen, dass viele Dienstwagen-Nutzer sich erst gar nicht mit der Technik befasst haben oder das Auto als Firmenwagen nicht selbst ausgesucht haben. 

Doch die Schwäche des Konzepts bleibt. Ebenso, das erleben wir immer wieder, werden Käufer durch den Fahrzeugverkäufer kaum aufgeklärt, wie man beide Technologien sinnvoll miteinander kombinieren und nutzen kann. 

Hybrid Fahrzeuge sind Verbrauchs-Täuscher

In den Niederlanden und auch in Großbritannien werden Hybride deshalb gar nicht mehr gefördert, sondern nur noch reine E-Autos. Bei denen stimmt der Alltagsverbrauch zwar auch nicht mit den Herstellerangaben überein, dafür sind die (lokalen) Schadstoff- und CO2-Emissionen aber wenigstens wirklich Null. Hybride sind dagegen im schlimmsten Fall nicht nur Verbrauchs-Täuscher, sondern auch noch bei den Abgaswerten miserabel.

Auch in Deutschland dürfte eine Erhebung des Realverbrauchs ähnliche Ergebnisse zeigen wie die in Großbritannien oder den Niederlanden. Offenbar ist sich die Bundesregierung dem Problem der Hybride durchaus bewusst, will das aber nicht zugeben. Das zeigt ein Statement der Bundesregierung zum Realverbrauch der Fahrzeuge im Dienstwagen-Fuhrpark.

„Wegen der Schwierigkeiten bei der Erfassung können keine validen durchschnittlichen Verbrauchswerte für die Fahrzeuge mit alternativen Antrieben angegeben werden. Angaben zum Verbrauch nach Herstellerangaben zu jedem Fahrzeugtyp mit jeweils angebotenem alternativen Antriebskonzept werden von den jeweiligen Herstellern angeboten oder können aus anderen öffentlich zugänglichen Quellen bezogen werden“, so die Bundesregierung.

Hybrid Fahrzeuge von der Förderliste verschwunden

Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Da die Fahrzeuge über sehr genau Verbrauchsangaben mit entsprechenden Statistiken im Bordcomputer verfügen, könnte man den Realverbrauch problemlos registrieren, und zwar sowohl den Benzinverbrauch in Litern als auch den Stromverbrauch in Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Dass man es nicht tut, legt nahe: Man weiß in Berlin ziemlich genau, was für eine suboptimale Lösung man da staatlich gefördert hat.

Immerhin: Die staatliche Förderung (3000 Euro pro Fahrzeug) für Hybride wurde mittlerweile bei den allermeisten Autos gestrichen. Dabei half der neue Verbrauchs-Zyklus WLTP, in dem auch Hybride die Hosen runterlassen müssen. Viele überschreiten nun bei den Tests den nötigen maximalen CO2-Ausstoß von 50 g/km, der zur Bedingung für die Förderung gemacht wurde, deutlich.

Hoffnungsschimmer: Neue Plug in Hybrid Modelle

Das Problem der Autohersteller: Um die verbindlichen CO2-Reduzierungsziele der EU zu erreichen und Milliarden-Strafzahlungen in die Töpfe der EU zu vermeiden, sind sie eigentlich dringend auf Plug-In-Hybride angewiesen. Das gilt sowohl für die deutschen Hersteller wie VW, BMWund Daimler als auch für ausländische Marken. 

Denn reine Elektroautos werden in absehbarer Zeit weder in ausreichender Menge von den Kunden gekauft noch in passenden Mengen produziert werden können, um die Flotten-Ziele zu erreichen. Dazu kommt: Die von der SPD geplante CO2-Steuer, die zusätzlich zu Mineralölsteuer, Ökosteuer und Mehrwertsteuer auf Benzin, Diesel und Gas erhoben werden soll, wird Autokäufer noch mehr zu solchen Fahrzeugen nötigen.

Hoffnung setzen die Autobauer daher in die nächste Hybrid-Generation, die viel höhere elektrische Reichweiten (80 bis 100 Kilometer) erzielen soll. Auch für den chinesischen Markt werden solche Autos benötigt. Ob die neuen Autos beim Realverbrauch dann überzeugender sind, bleibt abzuwarten. 

Immerhin bildet der neue Messzyklus WLTP den Alltagsverbrauch nun besser ab als vorher. Nur wann die neuen Plug in Hybride in ausreichender Menge auf dem Mark kommen ist nicht so ganz klar, denn auch hier glänzen die Automobilhersteller eher mit Ankündigungen, als realistischen Angaben.

3 Gedanken zu „Elektroauto: Sind Plug in Hybride größter Betrug seit Dieselgate ?

    1. Hallo Jürgen,

      was tun wir denn ? FAKTEN benennen und unsere Meinung dazu niederschreiben. Das ist legitim.
      Wir gehören nicht zu einem Team, was etwas schön redet. Warum sollten wir das?
      Wir haben die Hybrid Fahrzeuge nicht von der Förderliste genommen und wir haben auch nur die Fakten benannt, wie sie sind.

      Auch wir sind der Meinung, das Plug in Hybride , wie Sie aktuell angeboten werden, nicht gefördert werden sollten. Deswegen bekommen diese auch keine Empfehlung von uns. Dazu stehen wir. Einfach deswegen, weil wir das als Mogelpackung ansehen. Übrigens, nicht nur wir, sondern sehr viele.Und das zurecht.

      Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Sehr viele Hersteller haben ja „bessere“ Modelle angekündigt.

      Wir lieben eMobilität, sind selber schon über 5 Jahre vollelektrisch unterwegs.

      Gruss Stefan Blome | emobicon

  1. Plugin Hybride sind „service freundlich“. Der Service freut sich immer, weil er nun doppelte Arbeit hat.
    Wir war das eigentlich beim Umstieg von Dampf- auf Elektroloks? Gab es da auch Hybride? Ich weiss das schlicht nicht.

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