Elektroauto: Der Polestar und sein anderer Weg in der Elektromobilität

von | 07.02.2021 | Allgemein, Polestar | 0 Kommentare

Elektroauto: emobicon testet den Polestar und ist erstaunt

Bild: emobicon®

Eine Empfehlung braucht eigenes Wissen und so war es Zeit, dass auch wir den POLESTAR testen. Wow. Ein Elektrofahrzeug, welches eine Art Teslakiller sein kann, denn er ist schon besonders und sehr weit gedacht. Der erste Blick zeigt: Im Vergleich mit so manch anderem Elektroauto-Start-up hat Polestar eine deutlich bessere Ausgangsposition. Die chinesische Produktion ist kein Nachteil!  Auf unserer ersten Testfahrt konnten wir erleben, wie gut der Polestar gegen die Konkurrenz gewappnet ist. Mit einem Basispreis von gut 50.000 € hat er sehr viel zu bieten. Für rund 60.000 € bekommt man eine sehr gute Ausstattung. Nicht wenig, aber lohnt es sich? Uns hat er fasziniert und das hat seine Gründe…

Alltagstaugliche Limousine mit dynamischer Optik

Es muss nicht immer ein SUV sein, denn bei diesen Modellen zeigt sich deutlich die Schwäche eines Fahrzeugkonzeptes, insbesondere bei Elektrofahrzeugen. So eine „Schrankwand“ bietet vielleicht guten Komfort, aber hat gerade auf der Langstrecke, einen deutlich höheren Verbrauch. Und damit kann man durchaus an seine Grenzen kommen.

Nicht so beim Polestar, der in seinem schnittigen Design eine Ruhe und dynamische Optik aufzeigt, die alltagstauglich ist und auch beim Fahrzeugverbrauch punkten kann. Er wirkt klar, aber trotzdem besonders. Mit knapp 1,50 m Höhe setzt er sich von vielen Konkurrenten deutlich ab.

Wir haben den Polestar für unsere Fahrt mit 71 Prozent Akkustand übernommen. 350 km Reichweite zeigte das Modell an.

Rekuperation die fasziniert

Der Kofferraum ist für uns kein Nachteil, wie oft behauptet wird. Er ist alltagstauglich groß mit ordentlich Volumen auch im Unterboden. Zum Beispiel für Ladekabel und Co. Vorteil ist die große Heckklappe.

Die Batterie im Unterboden des Elektrofahrzeuges hat eine Kapazität von 78 kWh und soll dem Polestar 2 eine Reichweite von bis zu 470 Kilometer ermöglichen. In der Stadt wird es deutlich mehr sein. Denn das besondere ist die, aus unserer Sicht, perfekte Rekuperation. Intensiv, nicht störend war der Eindruck dabei. Das spart nicht nur das aktive Bremsen, sondern ermöglicht in ziemlicher Perfektion das One-Pedal-Feeling. Der durchschnittliche Verbrauch liegt laut Hersteller bei knapp 20 kWh pro 100 km. Bei unserem Test, der über der Hälfte auf der Autobahn stattfand, waren wir bei rund 26 kWh pro 100 km.

eMobilität von emobicon

400 PS sind spürbar und flüssig

Der Vortrieb hat es in sich und ist sehr flüssig und angenehm. Über 400 PS Leistung zeigen hier eine gute Abstimmung im Fahrwerk. Im Vergleich zum Tesla Model 3 ist die „gefühlte halbe Sekunde“ mehr Reaktionszeit ein Vorteil. Und damit ist der Polestar beim Treten des Strompedals etwas zurückhaltender ausgelegt. Fordert man seine volle Leistung, wird diese sehr gut umgesetzt. Gut 240 km schnell kann er auf der Autobahn fahren, so der Hersteller. Unser Test war verkehrsbedingt bei 206 km/h begrenzt. Allerdings, wie bei jedem Antrieb: Ein deutlich hoher Verbrauch.

Der emobicon Test: Polestar 2 Probefahrt
Die wichtigsten Elemente sind zu klein und damit unübersichtlich
Der emobicon Test: Polestar 2 Probefahrt
Wohlfühlen, vom ersten Augenblick bei der emobicon Testfahrt
Der emobicon Test: Polestar 2 Probefahrt
Schnellladung inklusive. Der Polestar kann das gut, die Ladeleistung stimmt

Android System im Bordcomputer

Außergewöhnlich ist sicherlich das Betriebssystem beim Polestar. So ist es eines der ersten Elektrofahrzeuge mit ANDROID für das Infotainment. Der 11 Zoll Bildschirm in der Mittelkonsole kann auch per Sprache gut gesteuert werden und sogar Google Maps ist für Navigationsführung über die reinen Fahrdaten nutzbar. Und hat man die Sprachbedienung erstmal aktiviert geht es ganz schön zur Sache. Es war eher nervig – Werbung halt und immer wieder verschiedene Nachfragen.  Die „Lizbeth“ ist ganz schön gesprächig. Allerdings sind Apps, mit denen der Fahrer vom Verkehr abgelenkt wird, nicht möglich. Das Betriebssystem insgesamt funktioniert sehr gut und das ohne Anleitungen. Die speziellen Google-Dienste sind in den ersten drei Jahren sogar kostenlos heißt es.

Der emobicon Test: Polestar 2 Probefahrt
Die 360 Grad Sicht ist besser als bei vielen anderen Modellen
Der emobicon Test: Polestar 2 Probefahrt
Ausreichend Platz auch in der 2. Reihe im Polestar 2
Der emobicon Test: Polestar 2 Probefahrt
Dank Google System Anzeige der Ladestationen auf der Strecke

Ladesäulenanzeige während der Fahrt mit guter Datenqualität

Was uns besonders überrascht hat war, dass sogar eine Echtzeit-Anzeige von Ladestationen auf der Strecke möglich ist. Und diese zeigt sogar eine Belegung in Echtzeit an. Über die Google Systeme ist auch die Anzeige des jeweiligen Betreibers möglich. Das macht Sinn, denn so wird man sich nach einer Testfahrt sicher auch die Vorabinformationen von diversen Anbieter-Apps sparen können. Natürlich ist solch ein System abhängig von der Datenqualität der Ladesäulenbetreiber. Hier gab es zuletzt aber deutliche Verbesserungen. Sehr gut wirkt auch die Lösung der Rückfahrkamera. Diese erleichtert das Zurücksetzen deutlich. Aber Vorsicht: Es erspart nicht den Blick in den Rückspiegel und aus dem Fenster.

Kritik über die Sicht nach hinten

Das Cockpit wirkt insgesamt aufgeräumt. Viele Knöpfe sind weg bzw. das System ist über den Bordcomputer einstellbar. Allerdings wirkt das Display hinterm Lenkrad nicht sehr fahrertauglich. Anzeigen von Verkehrsschildern und Geschwindigkeit, sowie Reichweite und Verbrauch sind unklar oder zu klein. Eine größere Darstellung sowie eine zentralere Anordnung wäre sehr wünschenswert, damit der Fahrer jederzeit das aktuelle Tempolimit im Auge hat. Die Sicht nach hinten wirkt unterschiedlich. Mich störte das nicht, meinen Beifahrer schon. Es könnte insgesamt besser sein. Trotzdem fühlt man sich sehr wohl. Material und Verarbeitung sind beim Polestar guter Standard. Auffallend sind die rahmenlosen Außenspiegel und ein Panoramadach.

Insgesamt ausreichend Platz

Auf der Rückbank gibt es genügend Platz für zwei Erwachsene. Insbesondere die Kniefreiheit überzeugt uns. Die Fondsitzbank könnte dem einen oder anderen groß Gewachsenen etwas zu niedrig sein. Doch im Polestar ist die Sitzposition mittels sogenannter Fußgaragen im Unterboden deutlich angenehmer als gedacht.  Damit sind Sitzpositionen und Platz auch langstreckentauglich, finden wir.

Fazit

Der Polestar 2 ist eine ernst zu nehmende und gute Elektroauto-Alternative im Vergleich mit vielen Marken, ob z.B. Tesla oder Audi. Das Modell punktet mit einem einzigartigen Design, ungewohntem Betriebssystem, guter Reichweite und seinem extrem starken und kultivierten Antrieb. Die Rekuperation ist dabei so gut, dass das Bremsen kaum nötig sein wird. Für den Preis ist das Modell sehr gut ausgestattet und reifer als viele andere Modelle in der ersten Generation von diversen Herstellern. Damit beweist der Polestar auch, dass Fahrzeugmodelle mit der Produktion in China durchaus auch in Europa großes Potential haben können. Außerdem ist dieses Modell ein Beispiel dafür, dass Plug in Modelle schneller vom Markt verschwinden, als manch ein Hersteller das möchte. Es zeigt Fortschritt und nicht das Schönreden einer Verbrenner–Akku-Kombination. Und schlussendlich überrascht das Elektrofahrzeug insgesamt. Auch weil es „Made in China“ ist. Und weil fast jedes neue Modell mit einem TESLA verglichen wird: Der Polestar muss sich nicht verstecken, hat aber, wie jedes andere Modell einen Nachteil: Kein eigenes Ladenetz in der Perfektion wie Tesla.

Bilder: emobicon®

Hinweis: Dieser Fahrbericht entstand ohne Wissen von Polestar, ist nicht finanziert und nicht beauftragt worden

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Über mich: eMobil Experte | Coach | Projekt Planer bei emobicon®

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Autor: Harald M.

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