Elektroauto: AIWAYS – der unterschätzte Chinese

von | 08.12.2020 | Autobauer, VOLKSWAGEN | 2 Kommentare

Elektroauto: AIWAYS - der unterschätzte Chinese
Bild: emobicon®

Mächtig und sanft, dennoch vertraut und fremd zugleich wirkt der U5, der AIWAYS aus chinesischer Produktion, als wir ihn für eine Probefahrt bei unserem euronics Elektronikmarkt im Sauerland in Empfang nahmen. Viel Vertrautes und ein „wow“ für den ersten Eindruck, nachdem wir uns hineingesetzt haben. Sehr viel Platz, besonders in der 2. Sitzreihe, riesig der Kofferraum und bequem ist das Elektrofahrzeug mit rund 400 km echter  Reichweite.

Eine Kampfansage dürfte der Preis werden, den AIWAYS in der Basisvariante mit gut 29.000 € mit BAFA Umweltbonus ausruft. In der Premiumausstattung kommen nochmal rund 3000 € oben drauf. Aber es lohnt sich. Das Fahrgefühl: satt, bequem, laufruhig mit guten Assistenzsystemen an Bord. Für gelegentliche Wartungen hat man ATU ins Boot geholt und rundet so das Paket ab. Eindrücke unserer Probefahrt.

Solide Basisdaten

Der Aiways U5 ist laut Hersteller mit 150 kW (204 PS) Leistung für den Alltag völlig ausreichend motorisiert. 310 Nm Drehmoment soll der E-Motor zur Verfügung stellen. Der Sprint von 0 auf 100 km/h ist damit laut Hersteller in 7,8 Sekunden erledigt, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 160 km/h. Mit knapp 5 Meter hat der Aiways U5 die gleiche Größe wie ein Jaguar i-Pace, bietet aber zumindest auf der Rückbank deutlich mehr Platz.

Die Reichweite wird mit 400 Kilometer nach WLTP-Norm angegeben. 398 km stand bei 100 % Ladung auf unserem Display. Der Akku besitzt eine Energiekapazität von 63 kWh. Schnelladefähigkeit mit max. 90 kWh heisst rund eine halbe Stunde bis 80 Prozent Akkustand. Sehr verwundert sind wir beim AC Laden, 6,6 kWh wird angegeben. Das ist nicht mehr zeitgemäss. Aber wie sooft wird die nächste Generation sicherlich 3 phasiges 11 kWh Ladeleistung zu bieten haben.

Elektroauto: AIWAYS - der unterschätzte Chinese
Elektroauto: AIWAYS - der unterschätzte Chinese
Elektroauto: AIWAYS - der unterschätzte Chinese
solide, bequem, unterschätzt: Der AIWAYS U5 | Bilder: emobicon®

Ein starkes Argument für den Aiways U5 ist sicher der Preis. Die Basisversion ist nach Förderung  ab 29.100 € zu haben.  Der Preis versteht sich sogar inkl. Überführung und Zulassung. Und selbst in der Basisversion bekommt man viel Ausstattung. Die Premiumversion hat noch einiges mehr zu bieten wie Sitzheizung, Panoramadach, Ledersitze, vorderer Parkradar, automatische Einparkfunktion und vieles mehr. Die Ausstattung ist insgesamt so umfangreich, dass der Aiways U5 ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für sich beanspruchen kann.

Die Bedeutung des Akkus ist erkannt

Der qualitative Eindruck ist recht gut. Das liegt offensichtlich auch daran, dass viele Bauteile und Komponenten wie die Assistenzsysteme von deutschen Zulieferern wie Bosch stammen. Chinesische Produktion ist eben nicht mehr chinesische Qualität, die oft einen schlechten Ruf hat. Im Gegenteil, denn selbst deutsche Hersteller bauen in China künftig Fahrzeuge, die auf den europäischen Markt kommen sollen.

Die Akkuzellen für den Aiways kommen von Hersteller Catl, einem chinesischen Unternehmen, das auch namhafte deutsche Autobauer versorgt. Das Besondere beim Aiways U5 ist, dass der Akkublock in einer neuartigen Sandwichbauweise zusammengefügt ist, mit einer mehrlagigen Schutzschicht innerhalb der Zellen sowie einer Isolationsplatte zwischen Batteriemodul und Kühlplatte.

Laufruhe des Motors ist beeindruckend

Vorteil ist, dass sich die Batterie erheblich effizienter temperieren lässt. Ein wichtiger Baustein bei einer modernen Lithium-Ionen-Batterie. So soll die Isolation des Akkus bewirken, dass der Aiways U5 auch bei Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt mit einer Akkuladung mindestens 300 Kilometer weit fahren kann. Auch der Motor des U5 gehört wohl zu den effizientesten am Markt. Seine Laufruhe und gleichzeitige Spritzigkeit hat dieser selbst bei 160 km/h während der Testfahrt bewiesen.

kurzer Fahreindruck mit dem AIWAYS U5 | emobicon®

Autobahnfahrt mit zu hohem Verbrauch

Beeindruckend ist die Laufruhe und die Federung unseres Testfahrzeuges. Jede Unebenheit wurde geschluckt und man merkt dem Modell seine 1,7 Tonnen Leergewicht beim sanft dahin gleiten nicht an. Mit 3 Fahrmodi kann man Normal oder sparsam im ECO Modus unterwegs sein. Spritzigkeit fehlt aber deutlich im Sport Modus. Die Entwickler in China legten den Fokus offenkundig auf möglichst hohen Fahrkomfort. Die Assistenzsysteme funktionieren solide, allerdings bremste das Testfahrzeug zu spät im Abstandsmodus ab. Funktional ist die Schildererkennung und beeindruckend die 360 Grad Kamera aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.

Software wird es richten

Die Digitalisierung, so scheint es, ist noch nicht abgeschlossen. Die Sprachbedienung testeten wir nicht, aber induktives Laden für das Smartphone geht mit Apple noch nicht. Obwohl Apple Car Play an Bord sein soll. Das digitale Tachodisplay zeigt alle gewünschten Fahrerinformationen – ist in Teilen individualisierbar. Der 12,3 Zoll große Touchscreen auf der Mittelkonsole bildet das Zentrum für Navigation und Infotainment. Allerdings sind manche Funktionen nicht da – wie das Einstellen von Ladeleistung und max. Akkukapazität, welche sinnvoll wäre durch ein 63 kWh Akku an Bord. Dafür gibt es eine Gesichtserkennung, die den Fahrer autorisiert, sowie eine Kameraüberwachung des Geschehens auf der Rückbank – mit einer Warnmeldung, falls ein Kind sein Spielzeug in den Fußraum fallen lassen sollte. Eine App Funktion konnten wir nicht ausprobieren. Das Klangerlebnis ist ausreichend gut.

Elektroauto: AIWAYS - der unterschätzte Chinese
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Viel Beinfreiheit, viel Kofferraum und ein typischer SUV Look beim AIWAYS U5 | Bilder: emobicon

Fazit

Komfortabel, solide mit einem beeindruckenden Preis Leistungsverhältnis für ein Elektrofahrzeug zeigt sich der U5 auf dem deutchen Markt. Einige Kinderkrankheiten gilt es noch beseitigen und auch mit der AC Ladeleistung von 6,6 kWh kann man nicht wirklich zufrieden sein. Die Beratung war zuvorkommend und freundlich, allerdings lückenhaft in der Kenntnis. Ungewohnt der Vertriebsweg, aber deshalb nicht schlechter, sofern die Berater alle wichtigen Informationen  auch wissen.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine bezahlte Werbung, sondern spiegelt unseren Eindruck wieder

2 Kommentare

  1. Gunnar

    Leider wird in dem Artikel fälschlicher Weise von Ladeleistung kWh gesprochen, es sind aber nur kW. Und der Premium ist nur 3000€ teurer.

    Antworten
    • Harald M.

      Hallo Gunnar
      der eine sagt kW, der andere kWh. Gemeint ist das gleiche, die Ansichten unterschiedlich, dass ist fast immer überall wo solche Zahlenangaben gemacht werden. Danke für den Hinweis – wir lassen das aber dann so stehen wie es ist. Gruss vom Team emobicon

      Antworten

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Über mich: eMobil Experte | Coach | Projekt Planer bei emobicon®

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