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Darum ist ein fetter Tesla sauberer als ein kleiner Ford

KOMBO Fiesta / Model X

Der Strom kommt ja nicht einfach nur aus der Steckdose – wie klimafreundlich sind Elektroautos also wirklich? manager-magazin.de hat eine renommierte US-Institution nachrechnen lassen. Die Ergebnisse dürften manchen überraschen.

In der Gunst des Publikums erlebt das Elektroauto gerade ein rasantes Auf und Ab. Mal gilt es als idealer Ausweg aus Klimakrise und Abgasskandal, Fahrspaß inklusive. Doch kaum reagiert die Industrie auf politischen Druck mit einem wahren Feuerwerk an neuen Strom-Modellen, macht sich vermehrt Skepsis breit.

„Elektro-Autos lösen keine Emissionsprobleme“, behauptet etwa der Ex-Chef des Energieversorgers EnBW Börsen-Chart zeigen, Utz Claassen. Vor allem berge eine „Ökobilanz von der Wiege bis ins Grab“ böse Überraschungen, orakelte er. Die Herstellung einer Batterie verschlinge enorme Energiemengen.

Eine ähnliche These stellte jüngst der Präsident des Club of Rome, Ernst Ulrich von Weizsäcker, auf. Das Elektroauto sei „beim heutigen Strommix eher klimaschädlicher als der Verbrennungsmotor“, ließ der Öko-Papst die „Heilbronner Stimme“ wissen. Auch eine Studie aus Schweden säte Zweifel am Umweltnutzen des E-Autos. Viele Medien verbreiteten die griffige These vom dreckigen Elektroauto gern weiter.

Doch wie umweltschädlich oder -freundlich ist es nun unterm Strich, beispielsweise einen reichweitenstarken Zwei-Tonnen-Luxuswagen von Tesla Börsen-Chart zeigen mit Batterieantrieb durch die Gegend zu kutschieren? Wäre nicht zumindest ein kleiner Benziner die sauberere Variante?

Die Antwort fällt überraschend aus, vor allem für Elektroauto-Kritiker wie Claassen und Weizsäcker. Denn tatsächlich schlägt das Batteriefahrzeug den Verbrenner in Punkto Klimafreundlichkeit eben doch – und zwar deutlich. Das gilt nicht nur für Länder wie Norwegen oder Frankreich, wo der zum Fahren benötigte Strom kohlendioxid-arm aus Wasser- oder Atomkraft hergestellt wird. Es gilt auch in Deutschland.

Das belegen Berechnungen, die Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) für manager-magazin.de angestellt haben. Die Mitarbeiter des Trancik Lab / Institute for Data, Systems, and Society haben dazu sämtliche mit Herstellung und Betrieb der Fahrzeuge verbundenen Emissionen einbezogen. Fürs Tanken wurde der deutsche Strommix angesetzt, der von Kohle und erneuerbaren Energien dominiert wird.

 So geht die Vergleichsrechnung

Demnach ist sogar der monströse Elektro-SUV
Tesla Model X P100D klimafreundlicher als der
Kleinwagen Ford Fiesta in seiner benzinsparenden Ausführung SFE Ecoboost mit drei Zylindern. Über eine Laufzeit von 175.000 Kilometern verursacht der Tesla – in dem bis zu sieben Personen Platz finden – den Berechnungen zufolge einen Kohlendioxid-Ausstoß von 35 Tonnen. Der fünfsitzige Fiesta kommt auf 39 Tonnen. Fahren beide Autos gar 270.000 Kilometer, vergrößerte sich der CO2-Vorsprung des Tesla von 4 auf 14 Tonnen.

Das Elektroauto macht den deutlich höheren CO2-Ausstoß bei seiner Herstellung (13 Tonnen, 5 beim Fiesta) der Untersuchung zufolge im Laufe der Zeit mehr als wett. Im Fahrbetrieb verursacht er bei deutschem Strommix lediglich 22 Tonnen CO2 auf 175.000 Kilometern. Der Fiesta stößt auf derselben Strecke 34 Tonnen aus – aus dem Auspuff und mittelbar über die Produktion des Kraftstoffs, haben die MIT-Wissenschaftler für manager-magazin.de berechnet.

Der Fiesta ist dabei als einer von wenigen Kleinwagen ausgewählt, die in Deutschland, aber auch den USA fahren und für den die US-Wissenschaftler daher über Daten verfügen. Aufgrund ähnlicher Rahmenbedingungen dürften die Rechnungen bei Vergleichen großer Elektroautos mit benzingetriebenen Kleinwagen wie dem VW Polo, Opel Corsa und entsprechende Modelle von Renault Börsen-Chart zeigen oder Peugeot Börsen-Chart zeigen nicht viel anders ausfallen, teilte MIT-Professorin Jessika Trancik manager-magazin.de mit.

Sehr sparsames kleines Dieselfahrzeug könnte Model X schlagen

Generell schneiden Elektroautos in der Klimabilanz laut dem MIT-Rechner „Carboncounter“ am besten ab. Lediglich sehr kleine Benziner wie ein Mitsubishi Mirage sind in Extremszenarien mit sehr hohem Kohlestromanteil wie im Mittleren Westen der USA klimafreundlicher als große Batteriefahrzeuge, wie die „Financial Times“ herausstellt.

An die besten Batteriewagen wie das Extrem-Sparmobil BMW i3 kommen auch sämtliche Wasserstoff-, Hybrid- und Plugin-Hybridfahrzeuge nicht heran. Immerhin schlagen diese wiederum Teslas dickes Model X. Einem kleinen, sehr sparsamen Dieselfahrzeug könnte dies mancherorts unter günstigen Bedingungen auch gelingen, vermutet Trancik. Für diesen Fahrzeugtyp liegen den Wissenschaftlern aber keine Daten vor, da er in den USA nicht vorkommt.

Dem Elektroauto spielt beim Klimabilanz-Vergleich vor allem in die Hände, dass es viel sparsamer mit Energie umgeht als ein Verbrenner. „Ein wesentlicher Grund ist die effizientere Energieumwandlung im elektrischen Antriebsstrang“, sagt Trancik gegenüber manager-magazin.de mit Blick auf Model X und Fiesta.

So nutzt ein Elektroauto den geladenen Strom laut US-Energieministerium zu mehr als 60 Prozent für den Vortrieb aus. Benziner wandeln nur etwa 20 Prozent der im Kraftstoff vorhandenen Energie in Fahrleistung um. Diesel-Fahrzeuge erreichen eine etwas bessere Quote.

Quelle: Manager Magazin 11/2017

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