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Automobilproduktion: Zuviele Veränderungen für Autobauer und Politik?

Die Autobranche erlebt Veränderungen, die sie so schnell offenbar gar nicht eingeplant hatte. Der Abgasskandal und sichtbare Klimaveränderungen wirken auch 2018 als Beschleuniger, doch was kann sie tun ? Kommende Fahrverbote, verkorkste Verkehrspolitik, Elektromobilität. All das und viel mehr treffen Kunden und Unternehmen. Es ist längst Zeit nicht nur anzukündigen, sondern zu machen sonst droht Ungemach - auf vielen Ebenen.

von Harald M.Depta | emobicon

Wenn man Vergleiche anstellt mit Kodak, Nokia, Telefunken, Schneider. Sind diese gerechtfertigt ? Beschäftigt man sich ein wenig mit der industriellen Entwicklung, dann kann einem schon Angst und Bange werden, zumindest dann, wenn man erkennt, wieviel Veränderungen und Umbrüche passieren und auch künftig passieren werden. Es ist ein Blick in die Glaskugel, wie sich die Vorzeigebranche entwickeln wird. Man hechelt Entwicklungen und Notwendigkeiten hinterher und die Politik verkennt die Dynamik, statt sich dieser anzunehmen. Nicht nur der Abgasskandal, in dem wir immer noch stecken und sicherlich noch sehr lange stecken werden wird unterschätzt. 
Man hält an Dingen fest, die längst verloren sind, denn der Markt hat längst entschieden, wohin die Reise geht. Zumindest auch in Richtung Elektromobilität. TESLA, oft belächelt, hängt alle ab.

Altes Denken behindert die Veränderungen

Von der Automobilindustrie, aber auch der Politik, die es eigentlich besser wissen sollte, wird schön geredet. Sie hält die Hand drauf, sie schützt, was nicht zu schützen ist, nimmt den Zorn der Betroffenen auf sich und redet den Abgasskandal schön. Natürlich auch, weil sie davon ablenkt, selbst einen grossen Anteil der Schuld zu haben. Die Automobilindustrie investiert in Asien, in Amerika in Elektromobilität. 

Da ist Sie offensichtlich weiter, weil man sie dort zwingt. Hier redet man statt dessen von „Verhältnismässigkeit“ im Abgasskandal, aber das diese Aussage nichts ändert, will sie nicht sehen. Statt Rahmenbedingungen mitzugestalten, nämlich in Richtung Zukunft Elektromobilität, hält man bei Energie, Verkehr, bei Mobilität an dem Alten fest. Angst vor Mut und Realität sind sehr ausgeprägt. Dabei hat der Markt längst entschieden – auch ohne uns:  Mobilität verändert sich. Ob wir noch mithalten oder hinterher rennen werden ? Elektromobilität wird ein Baustein der Zukunft sein und da hängen wir ganz schön hinterher.

Keine echten Lösungen für die Betrogenen

Vor gut drei Jahren und den gefälschten Stickoxid-Werten bei Millionen von Dieselautos des Automobilriesen Volkswagen fing alles an. In mehr als drei Jahren ist eine wahnsinnige Dynamik geworden und niemanden hat das Ausmaß überrascht. Im Gegenteil. Es zeigte ganz klar und mehr als deutlich, wie tief verwurzelt Politik, deren Behörden und die Automobilindustrie sind. 

Nach über drei Jahren stecken wir aber immer noch drin in der Auswertung, den gerichtlichen Auseinandersetzungen und vor allem in Gerichtsentscheidungen, die in Richtung Fahrverbote zeigen. Jetzt versteht man. Wir haben ja alles. Gesetze. Nur bislang interessierte das offenbar niemanden. Es ist damit auch eine Krise der gesamten Branche geworden und so ziemlich jeder Automobilhersteller steckt tief drin, in dem Betrug mit gefälschten Abgaswerten. Gerichte entscheiden nach geltendem Recht, jahrelangem europäischen Recht und werden zupft als Schuldige geadelt. Absurd. Die Gerichte haben keine Schuld, dafür zahklreiche andere Akteure aus Politik, Behörden und Automobilindustrie. 

Erst nach Jahren spricht die Politik offen darüber und gibt zu: Ja, da wurde betrogen. Das ändert aber nichts an den Tatsachen, das Fahrverbote angeordnet sind und umgesetzt werden müssen. Der Druck ist auf vielen Seiten enorm. Es liegt aber auch daran, das die Politik falsch entscheidet, keine Einsicht hat und weiter schützend zur Automobilindustrie steht, statt sich mit den Menschen, der Umwelt und der Luft zu beschäftigen. Wenn ich Zahnschmerzen habe, kann ich vorübergehend eine Pille nehmen, die meine Schmerzen lindert. Es ändert aber nichts an der Ursache, das ein Zahnarzt Massnahmen ergreifen muss, um mein Problem zu lösen. Es passiert hier einfach nicht. Deswegen funktioniert nicht, das was Politik und Automobilindustrie tun. 

Damit tun sie nichts und ändern auch nichts an den Tatsachen. Autofahrer in immer mehr Großstädten müssen sich bald mit Fahrverboten herumschlagen, Gerichte ordnen dies ab 2019 etwa für Stuttgart, Berlin, Köln, Essen oder Frankfurt an. Sogar eine Autobahn ist mit der A40 im Essener Stadtgebiet vom Sommer 2019 an betroffen.

Ob die Politik ernsthaft glaubt, das die Menschen nicht erkennen, wieviel Fake in den sogenannten Dieselgipfel steckt ? Wir haben es doch alle gesehen und erleben, dass die Politik zwar hektisch agiert, was sie aber wirklich tut sieht man nicht.  Der mühsam erkämpfte Kompromiss mit der Autoindustrie, den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) anpreist, ist nicht ohne Hintertür. Und genau da ist das Problem. Der Betrüger darf sogar Forderungen stellen und das ist für viele das grösste Ärgernis. Die Politik wird in der Presse vorgeführt und erklärt wie rosa rot die neue Welt ist und nicht wenige fragen sich: Was soll das jetzt wieder?

Zwar haben sich Volkswagen und Daimler bereiterklärt, bis zu 3.000 Euro zuzuschießen, wenn Kunden die Hardware ihrer Diesel nachrüsten wollen – während sich die Hersteller erst mit Händen und Füßen gegen die Nachrüstung an Motor und Abgasreinigung gewehrt hatten. Aber die technischen Lösungen dürften nicht vor 2020 vorliegen. Dieselfahrer müssen daher weiter zittern, Kritiker sprechen zurecht von „Tricksen“ und „Aussitzen“ des Problems. Das Rechtsverständnis, hat damit Risse bekommen und auch diese Pseudomassnahmen dürfen sich als Beschleuniger erweisen, wenn sich nun mehr als 28000 Betroffene der Sammelklage gegen Volkswagen angeschlossen haben. Die Zahl dürfte mit jedem Tag steigen. 

Wenn man dann noch hört, das BMW Hardware-Nachrüstungen weiter ablehnt, dann bringt es das Fass zum überlaufen. Der „Umtausch“ wird zum Programm für die Automobilindustrie. So sollen Dieselbesitzer mit 3.000 Euro etwa für den Neukauf unterstützt werden. Eine Farce. Es versteht keiner. Das muss man auch nicht. Ob man sich das leisten will oder kann spielt dabei kaum eine Rolle. 

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Ex Bundesverkehrsminister Dobrinth hat in seiner Amtszeit  notwendige Massnahmen schön geredet, die schützende Hand über die Automobilindustrie gelegt und die Dynamik des Abgasskandals völlig unterschätzt | Bild: Produktion.de

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Der amtierende Bundesverkehrsminister kritisiert, aber handelt zu wenig. Das ganze Ausmaß zeigte er beim legendären Interview im ZDF heute Journal, denn wieder wurde nur schön geredet. Ohne Ergebnis für viele. | Bild: derwesten.de

Tesla gibt den Ton an - schon lange und für lange Zeit

Eines ist klar, deutlich und sichtbar: Deutschland hängt in Sachen Elektroautos hinterher. Es gelingt den Herstellern hierzulande noch nicht, die hohe Nachfrage schnell genug zu bedienen, wenn es überhaupt Fahrzeuge am Markt gibt. Seit Jahren wird mit viel Aufwand angekündigt. Es wird viel versprochen, aber es ist nichts sichtbar. Ein eGolf, eine up von Volkswagen zum Beispiel sind „Notgeburten“, keine echte Empfehlungen, denn andere Hersteller wie Nissan, Renault, Hyundai und Co sind da längst weiter und haben  gute Fahrzeuge bereits auf dem Markt. Irgendwann im nächsten Jahr soll dann mal ein Fahrzeug kommen. Vielleicht. Denn Ankündigungen sind das eine, liefern das andere. Da ändert auch nichts daran, das BMW einstmals mit seinem i3 eine echte Innovation war, aber nun nichts wirklich nachkommt.

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Hyundai KONA | Bild: Hyundai.ch

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Nissan LEAF | Bild: Nissan.de

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Renault ZOE | Bild: Renault.de

Das dann TESLA mit seinem Modell 3 zunächst durch die Produktionshölle ging, ja sogar kurz vor dem Aus stand, wie heute bekannt ist, nun aber rund 1000 Fahrzeuge produziert und deutschen Herstellern in Amerika den Rang abläuft ist ein weiteres Zeichen. Selbst Bundeswirtschaftsminister Altmaier fragte bei deutschen Autobauern mal nach: „Wann bauen Sie ein Elektroauto, was halb so sexy ist, wie ein Tesla?“ Wie geht man damit nun um ? 

Kürzlich hat Tesla das Model 3 das erste Mal offiziell in einigen seiner Stores in Europa vorgestellt. Was bislang kein deutscher Hersteller schaffte, klappte bei Tesla nun wiederholt: Es bildeten sich längere Schlangen vor den Stores, obwohl es nicht einmal Probefahrten gab. Die neugierigen Kunden konnten sich lediglich für etwa 15 Minuten ins Auto setzen und es von außen bestaunen. Das hat bisher noch kein Autobauer geschafft, dass ein neues Modell eine dermaßen große Erwartung und Neugier auslöst.

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Tesla Model 3 im Showroom | Foto: Automotive News

Erst bei der Möglichkeit der Reservierung für das Model 3, jetzt bei der Vorstellung in Europa. So will Tesla noch im Dezember 2018 die Bestellbücher für das Model 3 in Europa öffnen. Die ersten europäischen Autos sollen dann auch schon im Februar oder März 2019 erhältlich sein. 

Die Schlagzahl der Ankündigungen ist zumindest gefühlt grösser geworden. Der Druck scheint auch grösser zu werden. Aber, während andere längst machen, diskutiert man hier auf vielen Ebenen und so wirklich weiss man offenbar immer noch nicht, wo die Reise hingeht. Und auch das scheint ein Grund zu sein, wenn VW Vorstand Diess meint, das die Chancen 50:50 stehen, wenn es um Volkswagen geht. Ist das jetzt ein schlechtes Omen? Nicht unbedingt, denn langsam arbeiten sich die Anbieter in preiswertere Gefilde vor – bis jetzt gelten Elektromobile als teuer. Auch wenn das meist ein vorgeschobener Grund ist, wie wir schon berichtet haben.

In China, den USA und auf den fünf wichtigsten europäischen Märkten stieg die Zahl der Neuzulassungen für Elektrofahrzeuge laut PwC in den ersten neun Monaten um 48,2 Prozent auf mehr als 1,7 Millionen Stück. Ab 2020 rechnet demnach Branchenexperte Stefan Bratzel mit einer „deutlichen Steigerung der Marktdynamik“.

Dazu kommen ja auch weitere Probleme. Die Hersteller und deren Handelsorganisationen erkennen aktuell ganz offensichtlich immer noch nicht, wie wichtig es wäre das Automobilverkäufer Ahnung hätten. Von der Elektromobilität, den Alltag damit – aber es liegt einiges im Argen. Mehrere Studien, aber auch wir haben festgestellt, wie es ist, wenn sich ein Interessent ein Elektroauto kaufen will. Es ist oft unmöglich. Händler haben keine Ahnung und wie bereits erwähnt, die Lieferzeiten zu lang. Ein Desaster und nicht akzeptabel.

Thema Elektromobilität bei unseren Kunden

Wir von emobicon, seit 2 Jahren auf dem Markt und mit unserer 5 Jahre eigenen Erfahrung in der Elektromobilität erleben sehr häufig die Verunsicherung und die vielen Fragezeichen bei unseren Interessenten und Kunden. Sehr oft reagiert man sauer, wenn  es um die Suche nach Lösungen geht. Man zeigt sich verschnupft, denn der Abgasskandal ist präsenter, als viele glauben. Die Automobilhersteller tun sich sicher kein Gefallen so zu reagieren, wie sie reagieren. Die Wut alleingelassen zu werden – die Wut keine Lösung zu haben, die Wut nicht zu wissen, was richtig ist. Es ist die pure und berechtigte Angst: Die Automobilindustrie wird geschützt, während die Betroffenen nicht wissen, ob sie morgen noch mit dem Fahrzeug überall hinkommen.

Wir suchen Lösungen, versuchen Ängste zu nehmen. Das Interesse ist so oder so ungebrochen, ebenso aber auch die Unsicherheit, auch wegen fehlender Fahrzeuge und der unsicheren Rechtslage in manchen Bereichen.

Was wird von den Ankündigungen übrig bleiben ?

Wenn jetzt vor allem  der E-Auto-Pionier Tesla mit seinem Model 3 den Massenmarkt ansteuert, lässt Volkswagen ab Ende 2019 seine elektrische ID-Modellfamilie anrollen. Sagen Sie. So wurde auch ein E-Kleinwagen für unter 20.000 Euro angekündigt. Es bleibt abzuwarten, was von den Ankündigungen übrig bleibt.

44 Milliarden Euro will Volkswagen bis 2023 in Zukunftstechnologien stecken, 30 Milliarden Euro davon sollen in die Elektromobilität fliessen.  Gleichzeitig erfasst der Umbruch auch die Belegschaft. Für Elektroautos werden weniger Mitarbeiter gebraucht. VW-Konzernchef Herbert Diess macht aber klar, dass es in Emden und Hannover, wo bald auch Elektrowagen gebaut werden sollen, keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. Dennoch soll die Mitarbeiterzahl sinken. Das ist seit langem bekannt.

Auch andere deutsche Hersteller treiben ihre Pläne von Elektrofahrzeugen voran. So will Daimler Mitte 2019 das erste Fahrzeug der Marke EQ auf den Markt bringen, einen batteriebetriebenen Stadtgeländewagen.

Bild: Mercedes EQC | Bild: Mercedes

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BMW sieht sich hier ohnehin in der Vorreiterrolle. 2021 soll der i4 als Konkurrenz zu Tesla auf den Markt kommen. So spät. Zu spät ? Die Musik allerdings spielt zunächst woanders, denn China setzt sich als Leitmarkt der Elektromobilität zunehmend von den anderen automobilen Kernregionen wie Europa und den USA ab. Allein in der ersten Jahreshälfte wurden in China rund 412.000 Elektroautos verkauft – ein Plus von satten 111 Prozent.

Tesla hat aktuell keine Konkurrenz

Noch einmal zurück zu TESLA: Man kann es drehen und wenden wir man will und man kann ankündigen was man will. Gradmesser wird immer Tesla sein und sicherlich, zumindest noch lange bleiben. In den nächsten Monaten wird sich entscheiden wie nachhaltig die Erfolge von TESLA sind. Ob sich das Model 3 auch langfristig nach dem Hype auf dem europäischen Markt etablieren kann, steht ebenfalls in der Glaskugel. 

Aber die Vorzeichen stehen gut – sehr gut sogar. Wenn aus den Reservierungen im sechsstelligen Bereich auch nur ansatzweise tatsächliche Käufe werden, dann wäre das nicht nur ein grosser Schlag für die etablierten Hersteller, sondern auch eine Bestätigung für die veränderte Mobilität, die Änderung der Antriebsart und die pessimistische Haltung deutscher Hersteller wäre widerlegt. 

Das liegt auch daran, dass es bisher und auch absehbar bis 2020 oder noch später keine wirkliche Konkurrenz für das Tesla Model 3 gibt. Die Elektro-SUV Varianten von Daimler, Audi und Jaguar zielen auf eine höherpreisige Käuferschicht. Die breite Masse kann man damit nicht bedienen. Deutsche Hersteller haben vielleicht die besseren Spaltmaße und auch die bessere Verarbeitung, aber redet einer von deutschen Herstellern, wenn es um Elektroautos geht ? Nein. Man redet von TESLA. Das Problem ist eben auch, ob Hyundai, Nissan oder KIA. Wartezeiten von 6-12 Monaten sind oft ein Killer, wenn es um die Entscheidung geht, künftig das Elektroauto für die eigene Mobilität zu nutzen. 

In ein paar Monaten, spätestens in einem Jahr, wissen wir was von den Ankündigungen der deutschen Hersteller bleibt und wieviel Erfolg Tesla mit seinem Elektroauto Model 3 haben wird. Wie wichtig werden dann Image, cool sein und Elektromobilität, statt Spaltmasse. Der eine kann das besser, der andere das. 

Auf die Batteriezellen kommt es an

Klar ist: Elektroautos sollen der Branche den Weg in die Zukunft ebenen – bei der Herstellung der Batteriezellen aber hält man sich in Deutschland bis jetzt zurück. Nach Diess Worten prüft Volkswagen die Beteiligung an einer Batteriezellfertigung inzwischen „sehr viel konkreter“. 

Aber aktuell ist folgendes los: BMW, Daimler und Volkswagen kaufen die Zellen in Asien und bauen sie zu Akkus zusammen. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh mahnt immer wieder, die Batterie habe einen Wertschöpfungsanteil von 40 Prozent am künftigen Auto. Er meint: „Wir werden Batteriefabriken bauen müssen.“ Und das sieht Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ähnlich – und plant einen milliardenschweren Anschub für die Batteriezellfertigung in Deutschland. 

Bis 2021 will die Bundesregierung eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Mehrere Konsortien seien dabei, sich zu bilden. Als Ziel gab der Bundeswirtschaftsminister an, dass 2030 bis zu 30 Prozent der weltweiten Produktion aus Deutschland und Europa stammen sollen. Ob das reicht oder vielleicht zu spät ist ?

Die Autobauer hängen am Diesel und WLTP bringt Probleme

Immer wieder, bei jeder Gelegenheit betonen die deutschen Autobauer, das der Diesel noch gebraucht wird und   spätestens jetzt ist auch klar, wieso. Die EU-Staaten wollen, dass Neuwagen 2030 durchschnittlich 35 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als 2020. In einigen Ländern steht 2025 bzw. 2030 sogar an, das Verbrennungsmotoren keine Zulassungen mehr bekommen sollen. Man verabschiedet sich also vom Verbrennungsmotor. 

Je strenger die Vorgaben, desto mehr emissionsfreie oder emissionsarme Autos müssen die Hersteller verkaufen. Dazu zählen also reine Elektroautos oder Plug in Hybride, aber auch da gibt es viel Ernüchterung, denn erst mit der Umstellung auf WLTP sind viele Hybridfahrzeuge von der BAFA Förderliste verschwunden. Sie halten nämlich die Vorgaben nicht ein. Der Branchenverband VDA beklagt sogar, die europäische Autoindustrie werde im internationalen Wettbewerb stärker belastet, Arbeitsplätze würden aufs Spiel gesetzt. Aber warum ? Weil die deutsche Automobilindustrie zu spät umgelenkt hat und nun droht, den Anschluss zu verlieren ?

Dazu kommt eben auch, das wohl kaum jemand  die Verbrauchsangaben geglaubt hat und viel zu lange dauerte es, bis sich auf EU Ebene Änderungen durchgesetzt haben. Schlussendlich auch, weil Bundeswirtschaftsministerium und Bundesregierung ordentlich Druck gemacht haben, um die deutsche Automobilindustrie zu schützen. Der Messzyklus NEFZ war nichts anderes als eine Fakenummer. Jeder wusste es. Die Behörden und die Politik tun aber so, als wenn sie nichts gewusst hätten. Das sollte sich mit dem seit September geltenden WLTP-Standard ändern. Doch die europäische Autobranche kämpft nach wie vor mit der Umstellung. 

Vor allem Volkswagen hadert damit und kommt wegen der Vielzahl an Motor-Getriebe-Varianten bei der Typgenehmigung nur schleppend voran. So wirft man der EU sogar vor, viel zu spät die Verfahren praxistauglich gestaltet zu haben. Die Folge: VW handelte sich ein herbes Minus bei den Auslieferungen ein. Daimler wiederum hat inzwischen zwei Mal seine Prognosen gesenkt, auch BMW hat seine Gewinnprognose gekappt.

Internationaler Druck steigt

Das nächste Kapitel in den Veränderungen dürften die Drohungen von US-Präsident Donald Trump sein. Er hat ganz eigene Vorstellungen vom Welthandel – und die deutschen Autobauer stören ihn besonders. Der Streit um mögliche Sonderzölle auf Autos aus der EU bereitet daher vor allem den deutschen Herstellern grosse Sorgen. Kommenden Dienstag sind die Europäer bei Trump ins Weisse Haus geladen. Ob es eine Lösung geben wird ? 

Studien zufolge würden in der US-Branche Tausende Jobs verloren gehen, wenn Trump seinen Willen durchdrückt, allerdings gibt es noch Hoffnung, dass die USA auf die Sonderzölle verzichten. Für den Fall der Fälle hat die EU aber schon eine Liste von Vergeltungsmaßnahmen vorbereitet. Es könnten Autos sein, es könnte der Agrarsektor sein, es kann alles sein, so die Aussagen der EU.

Ein Gedanke zu „Automobilproduktion: Zuviele Veränderungen für Autobauer und Politik?

  1. Vor 5 Jahren hätte die deutsche Autoindustrie wahrscheinlich noch eine Chance gehabt, Tesla und BYD auf dem Gebiet der E-Mobilität anzugreifen. Statt dessen haben VW und Co. munter ihre Kunden weiter betrogen und durch das Pushen von Verbrenner-SUVs eine riesige Menge höchst umweltschädlicher Fahrzeuge unter das Volk gebracht. Jetzt ist der Zug abgefahren. In 5-10 Jahren werden diese zurückgebliebenen Hersteller abgewickelt und das restliche Know-how in Fahrwerkstechnik und Karosseriebau zum Schnäppchenpreis an BYD und andere verhökert.

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