Automobilbau: Wenn Erfolgsmeldungen verkauft werden die keine sind

von | 22.10.2020 | Allgemein, Autobauer | 0 Kommentare

Automobilbau: Wenn Erfolgsmeldungen verkauft werden die keine sind
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Wow. So schnell ist die Krise vorbei? So schnell hat man sich, mitten in der Pandemie erholt? Kein Grund zur Feierlaune, wenn man sich genau anschaut, was hinter den Meldungen steckt. Der wahre Zustand der Branche ist das nicht. Daimler und BMW veröffentlichen Jubel, denn das dritte Quartal 2020 ist besser gelaufen – sagen sie. 

Ja, es geht aufwärts. Ein bisschen und ja es gibt Nachholeffekte und in einigen Märkten läuft es sogar schneller ab als gedacht. Ist das die erhoffte Entwarnung? Mit nichten.

Die Pandemie beschleunigt Veränderungen

Sie sind mitten drin in der Krise, die übrigens nicht Corona bedingt ist, sondern schon lange vorher seinen Anlauf hatte. Die Verkaufszahlen sind längst noch nicht da, wo man sie gerne hätte und auch die Autobauer wissen, dass es nicht mehr so werden wird wie es war. Deutschlands Schlüsselindustrie hat die Krise keineswegs hinter sich. Sie sind mitten drin. Die Transformation, CO2 Vorgaben, Elektromobilität, verändertes Mobilitätsverhalten – all das und noch mehr sind Gradmesser der Zukunft. Die Verkaufszahlen der ersten neun Monate bis September liegen deutlich unter denen des Vorjahres und das bleibt auch erstmal so. Für das Gesamtjahr wird trotz der Erholung in den vergangenen Wochen ein Absatzminus von weltweit fast 20 Prozent erwartet. Bei den Produktionskapazitäten schleppt man zudem ein Überhang von mindestens 30 Prozent mit.

Mehr Absatz auch in Zukunft nicht zu erwarten

Zwar können die Autobauer von einer Erholung in China profitieren. Das ist aber nur ein vorübergehendes Ergebnis. Ausserdem sieht es bei den vielen Zulieferern deutlich schlechter aus.

Denn gerade in Westeuropa läuft das Pkw-Geschäft noch immer schleppend. Betrachtet man die ersten neun Monate, liegen die Verkaufszahlen fast 30 Prozent unter denen des Vorjahres. Für die heimische Industrie ist das kein gutes Zeichen, aber auch ändern lässt sich das nicht, denn die Lieferanten produzieren ihre Bauteile in der Regel in der Region, in der die Autos verkauft werden. Für die Fabriken in Deutschland ist ein Absatzplus in China nur ein schwacher Trost.

Wieder Drohungen der Industrie

Was viele nicht verstehen: Die Transformation lässt sich nicht stoppen, die Veränderungen sind längst da. Und genau dass ist das Problem, denn während Elektrofahrzeuge fast Mangelware sind, weil sie kaum verfügbar sind, stehen Verbrenner auf Halde. Es ist kaum mehr zu vermitteln. Dennoch droht die Automobilindustrie regelmässig. So sehen Spitzenverbände der Wirtschaft Belastungen von Firmen, die wegen der Corona-Krise sowieso oft in einer schwierigen Lage steckten.

Forderungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages nach Kompensation für Unternehmen werden kaum gehört. So heisst es hier, dass man sich schon fast gezwungen sieht die Produktion an Standorte mit niedrigeren CO2-Kosten zu verlagern. Nicht erst seit der Pandemie wurde heftig darüber diskutiert. Dabei ist Elektromobilität heute oft schon alltagstauglich.

Ankündigungen bringen nichts

Ein Problem bleibt: Die steigenden Covid Infektionszahlen. Eine nicht einschätzbare Entwicklung in dieser Zeit. Selbst ohne einen landesweiten Lockdown könnten Lieferketten erneut unterbrochen werden. Die zweite Corona-Welle bringt zudem eine zweite Welle der Unsicherheit mit sich. Und in wenigen geht die Mehrwertsteuer wieder nach obven. Das bremst, so die Einschätzung in den Autohäusern, den Absatz erneut. Keine Frage: Wir brauchen gute Nachrichten, aber nicht ein Schönreden von Tatsachen. Bei der Transformationen leben die meisten Hersteller von Ankündigungen, nicht von der Substanz. Was in 2 oder 3 Jahren geplant ist, interessiert wenige, weil es nicht die heutige zeit abbildet. Ein Hoffnungsschimmer – ja, aber mehr ist es sicher nicht.

Da es immer mehr Start ups gibt, die mit neuen Modellen die Märkte erobern möchten, ist es für etablierte Hersteller doppelt schwer. Zum einen sind gefestigte Strukturen, aber auch deren Grösse ein Problem. zulange hat man an altem festgehalten und bis heute reitet man den toten Gaul bis ans Ziel.

Es stört die Glaubwürdigkeit und behindert gleichzeitig die Innovation. Techunternehmen sind der Gradmesser der Zukunft, auch, weil die Industrie, das Leben und die Mobilität immer technischer werden.

Und da die Politik kandere Schwerpunkte setzt, müssen sich die Hersteller fügen, meistens hinnehmen was um sie herum passiert. Die neuen CO2 Grenzwerte – eine Riesen Herausforderung. Oft nicht gesehen wird aber auch die Chance. Es wäre längst Zeit die Wahrheit auf den Tisch zu legen. Es gibt zu viele Jobs in einer veränderten Industrie – auf der anderen Seite aber neue Möglichkeiten in der zeit der Veränderungen. Spannend bleibt, wie man damit umgeht. Transformation heisst eben auch Veränderungen mitzutragen. Im Moment ist es beiden – mal sehen wie lange noch.

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